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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Isbjørn på isflage i færd med at æde en nedlagt sæl, juli. Polar Bear on ice floe eating a seal, July.

Erschienen als Kolumne VOICES – MINDERHEITEN WELTWEIT im „Der Nordschleswiger“ 

Von Jan Diedrichsen

Seit Tausenden von Jahren kümmern sich indigene Gemeinschaften um die Umwelt, schützen ihr Land, respektieren die Tier- und Pflanzenwelt und nutzen ihr traditionelles, über Generationen tradiertes Wissen. Auch heute noch schützen sie einige der artenreichsten Gebiete der Erde. Fast 50 Prozent der weltweiten Landmasse (ohne die Antarktis) werden von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften bewohnt. Obwohl sie nur etwa 6 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, schützen sie 80 Prozent der weltweit noch vorhandenen biologischen Vielfalt. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist ein wichtiger Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise.

Müssen die indigenen Völker dem Umweltschutz weichen? Zwischen Umweltschützerinnen und Menschenrechtlern wird zum Teil heftig gestritten. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob im Zeichen des Klimaschutzes die Rechte und Traditionen der Minderheiten zu beschneiden sind. Zum Beispiel werden Naturreservate in Gebieten der Ureinwohner per Gesetz „verfügt“, und den Bewohnerinnen und Bewohnern wird ihr über Jahrhunderte ausgeübtes Recht auf die Bewirtschaftung ihrer Gebiete untersagt. Umweltschutz versus Rechte der Ureinwohner. Die Diskussion ist nicht neu, wird aber immer verbissener geführt.

Erinnern Sie sich noch an die Kampagne gegen das „Robben-Töten“; Brigitte Bardot, die sich mit Robben im Schnee wälzte? In den frühen 1980er Jahren hatte Greenpeace eine Kampagne gegen das grausame Massenabschlachten von Robben vor der kanadischen Ostküste in Neufundland gestartet. Die Bilder gingen um die Welt. Doch die Aktion hatte einen Kollateralschaden: die Inuit in Grönland. Unglücklicherweise hießen die Robben in Kanada Grönlandrobben, was fälschlicherweise eine Verbindung zu Grönland nahelegte.

Die Aktion bewirkte nicht nur ein Verbot, Felle von Robbenbabys in die Länder der Europäischen Union einzuführen, sondern hatte auch den fast vollständigen Zusammenbruch des Fellmarkts zur Folge. Das traf einige Inuit in Grönland hart. Der Verkauf von Fellen war die Haupteinnahmequelle vor allem der lokalen Gemeinschaften, die noch weitgehend die traditionelle Lebensweise, mit hohem Selbstversorgungsgrad beibehalten hatten. Die Einnahmen durch den Verkauf der Felle ermöglichten den Kauf von Ausrüstung, Munition und Benzin für die Jagd. Greenpeace hat die Folgen der Robbenbaby-Kampagne gegenüber den Inuit später bedauert und Fehler eingeräumt.

Die deutsche Umweltorganisation Nabu hat aus der Grönland-Affäre von Greenpeace wenig gelernt und aktuell eine Unterschriftensammlung mit dem plakativen Titel „Stoppt den Abschuss der Eisbären“ gestartet. Im Kleingedruckten steht zu lesen, dass man die EU-Kommission dazu auffordert, sich dem Verbot des Handels mit Eisbärenfellen anzuschließen. Erneut wird suggeriert, dass die Inuit (diesmal in Kanada) die Artenvielfalt bedrohen, da sie Eisbären jagen. Diesem Bild widersprechen zahlreiche Expertinnen und Experten, die keine Unterpopulation des Eisbärenbestandes erkennen und gegen die Jagd nichts einzuwenden haben.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat bei den deutschen Naturschützern nachgehakt (Artikel vom 13. August 2022): „Nur weil man mehr Eisbären sieht, sind es nicht auch mehr Eisbären. Die Inuit kennen sich super aus mit den Polarbären, können sie aber nicht zählen“, wird eine Mitarbeiterin des Nabu in der Zeitung zitiert. Da fällt einem wahrlich nicht mehr viel ein.

Wir wollen, wir müssen das Klima retten. Per Naturschutzdekret den indigenen Gemeinschaften vorschreiben, wie sie mit ihrem Land umzugehen haben, ist jedoch an Arroganz und Ignoranz schwer zu überbieten. Als läge bei ihnen und ihrer Lebensweise das Problem. Die indigenen Gemeinschaften sind wichtige Verteidigerinnen der Artenvielfalt und ausgewiesene Umweltschützer, die wir dringend brauchen im Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel.