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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

(c) la.indymedia.org

Von Wolfgang Mayr

Die rechte italienische Tageszeitung „il giornale“ ist entrüstet. US-Präsident Biden entsorgt Christoph Kolumbus und damit auch den italienischen Beitrag zum Aufbau der USA. Anlass – Biden gedenkt der indigenen Opfer der Entdeckung und Eroberung Amerikas.

„Il Giornale“ ist das Sprachrohr der italienischen Rechts-Parteien. Die Zeitung führt einen Kampf gegen die angebliche Cancel Culture. Die Zeitung ärgert sich deshalb maßlos über US-Präsident Biden, weil er mit den bisherigen Feierlichkeiten zum 11. Oktober – dem Kolumbus-Day – brechen will. Biden, so der „Giornale“, lässt sich von der progressiven Linken treiben. Diese will die Geschichte umschreiben, Denkmäler für Politiker und Militärs aus den Süd-Staaten schleifen und die Symbole des westlichen Kolonialismus beseitigen, bedauert der aufgebrachte „Il Giornale“.

Völlig unverständlich findet die Zeitung die Ankündigung von Präsident Biden, „die schmerzhafte Geschichte von Unrecht und Gräueltaten an zu erkennen, die viele europäische Entdecker Stammesnationen und indigenen Gemeinschaften zugefügt haben“. Biden will die Geschichte der Eroberung, der „amerikanischen Landnahme“ aufarbeiten, dies entspreche der Größe der Nation, begründete Biden die späte Vergangenheitsbewältigung. Die USA werden „nicht versuchen, diese beschämenden Episoden unserer Vergangenheit zu begraben, sondern ans Licht bringen.“

Gewalttätige Eroberung

Für die Ureinwohner bedeutete die Entdeckung und Eroberung „eine Welle der Verwüstung ein: Gewalt, Vertreibung und Raub, Krankheiten und vieles mehr“. An diesem Tag „erkennen wir diese schmerzhafte Vergangenheit an“ und „verpflichten uns, indigene Gemeinschaften zu unterstützen“, indem wir „unsere feierlichen und heiligen Verpflichtungen einhalten“ und für eine gemeinsamen Zukunft sorgen, „die Würde, Respekt, Gerechtigkeit und Chancen für alle Menschen garantiert“.

Dieses Bekenntnis zur gewalttätigen Vergangenheit stört den „Giornale“. Die Zeitung blendet völlig aus, dass Biden auch die Rolle der italienischen Migranten in den USA würdigte. „Heute bereichern Millionen Italiener die Traditionen und die Kultur unseres Landes und leisten einen nachhaltigen Beitrag zu unserer Nation.“

Der Columbus Day wird also „ein Moment der Reflexion“ über die Eroberung Amerikas, über den „Mut und die Beiträge der Italiener über Generationen hinweg“, über die „Würde und Widerstandsfähigkeit der Stammesnationen und indigenen Gemeinschaften“ und über die „Arbeit, die vor uns liegt, um das Versprechen unserer Nation für alle zu erfüllen“.

Armer Kolumbus

Die Zeitung „Il Giornale“ sieht offensichtlich nicht die Ureinwohner als Opfer, sondern den Landsmann Columbus. Viele seiner Statuen seien in US-Städten „brutal entfernt oder zerstört“ worden, klagt das rechte Blatt. Dieses Unrecht geht weiter, kommentiert „Il Giornale“, weil auch Feiertage in Erinnerung an den „Entdecker“ abgeschafft worden seien. Dies ist für den „Giornale“ unerträgliche Gewalt, die der Präsident nicht kritisiert habe.

Und die Zeitung analysiert weiter: „Es ist unbestreitbar, was die indigenen Gemeinschaften seit der Entdeckung Amerikas erlitten haben, aber diese, ob es ihnen gefällt oder nicht, ist die Geschichte, die von gewalttätigen Kriegen, Kolonialisierung und von der Versklavung ganzer Bevölkerungsgruppen geprägt war.“ Sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen ist zwar richtig und und anzuerkennen, was falsch war,“ führt der „giornale“ weiter aus. Aber: „Es ist falsch, die ethischen Kriterien von heute auf die Vergangenheit anzuwenden.“ Das sei fundamentalistisch und ideologisch, wirft die Zeitung US-Präsident Biden vor.

Aus ähnlichen Gründen lehnte die Präsidenten der autonomen Gemeinschaft von Madrid, Isabel Diaz Ayuso, eine Entschuldigung für die spanischen Eroberungsverbrechen in Amerika ab. Spanien, sagte Aysuo stolz, brachte den amerikanischen Ureinwohnern die Zivilisation.