Gute Nachrichten Teil 4 – Deutschlands Minderheiten: Nordfriesen mit eigener Stiftung

Von Jan Diedrichsen

VOICES hat gute Nachrichten über die vier autochthonen Minderheiten / Volksgruppen (wann ist eine Minderheiten eigentlich „national“) in Deutschland – Sorben, Sinti und Roma, Dänen und Friesen – zu vermelden.

In Teil 4 gibt es für die Nordfriesen in Schleswig-Holstein, Deutschland, gute Nachrichten. Über 25 Jahre sollte es dauern – zahlreiche politische Initiativen später, hat es geklappt. Nach dem Vorbild der Sorben – haben die Nordfriesen nun in Deutschland ihre eigene Stiftung erhalten. Das Stiftungsvermögen beträgt 1,5 Millionen Euro. Zweck der Stiftung soll sein, Kunst und Kultur ebenso zu fördern wie die friesische Sprache, Volksbildung und Forschung, die Heimatpflege und das traditionelle Brauchtum.

Teil 1 – Lausitzer Sorben
Teil 2 – Sinti und Roma
Teil 3 – Dänische Minderheit

Die friesische Volksgruppe in Deutschland lebt an der schleswig-holsteinischen Westküste und im nordwestlichen Niedersachsen sowie im Kreis Cloppenburg. Geschätzt 60.000 Menschen sind ihrem Selbstverständnis nach Friesen. Die Angehörigen dieser Volksgruppe pflegen ihre eigene Sprache und Kultur – seit 1990 sind die Nordfriesen besonders in der Landesverfassung Schleswig-Holsteins geschützt.

Je nach geographischer Lage heißen sie Nord-, Ost- und Saterfriesen. Die Nordfriesen sind im entsprechend benannten Kreis Nordfriesland und auf der Insel Helgoland heimisch. Die Ostfriesen leben in den Landkreisen Aurich, Leer, Friesland und Wittmund, in den kreisfreien Städten Emden und Wilhelmshaven sowie in Teilen der Landkreise Cuxhaven und Wesermarsch. Die Saterfriesen siedeln im Nordwesten des Landkreises Cloppenburg und in der selbstständigen Gemeinde Saterland. Zur Gruppe der Friesen gehören auch die Westfriesen, die in den Niederlanden als nationale Minderheit anerkannt sind. (Minderheitensekretariat.de)

Die ersten Schritte zur Errichtung einer Friesenstiftung gehen auf das Jahr 1995 zurück. Damals wurden umgerechnet eine halbe Million Euro in die Kulturstiftung des Landes mit der Maßgabe gegeben, das Geld später einer noch zu gründenden Friesenstiftung zur Verfügung zu stellen. Vorbild ist die im Zuge der deutschen Einheit gegründete Stiftung für das sorbische Volk. Seit 2014 werden für die Stiftung jedes Jahr fast 300 000 Euro aus der Lotteriezweckabgabe beiseitegelegt. Eine Kooperation mit Niedersachsen zur Gründung einer Stiftung für alle Friesen in Deutschland wurde 2017 geprüft – ohne Erfolg. Vor allem die Partei der Dänen und Friesen, der SSW, hat sich für die Etablierung der Stiftung eingesetzt.

Nun muss sich die Stiftung beweisen und wird dabei auch kritisch begleitet: „In den Entscheidungsgremien der „Stiftung für die Friesische Volksgruppe“ werden die friesischen Verbände auch „dabei sein“, aber gegenüber Vertreterinnen und Vertretern von Land und Bund in der Minderheit bleiben. Die Geschäftsführung liegt beim Land. Dass diese „Arbeitsentlastung“ des Friesenrates nicht zu einer Fremdbestimmung über die friesische Kulturarbeit wird, hängt davon ab, ob die politischen Vertreterinnen und Vertreter die friesische Sache zu ihrer eigenen machen.

Wenn das so kommt, dann wäre in der Tat Zuversicht angesagt. Der Friesenrat könnte sich wieder auf die Zusammenarbeit der friesischen Vereine konzentrieren.

Der Wert der Stiftung liegt sicherlich in einer institutionellen Struktur der Förderung friesischer Sprache, Kultur und Forschung“, erklärt Hans-Meinert Redlin Beiratssprecher des Nordfriisk Instituut in der Zeitschrift Nordfriesland.

Hintergrund und den Gesetzestext findet sich hier.

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