Kamerun kommt nicht zur Ruhe: Senator erschossen – Ambazonische Befreiunsgruppen werden verdächtigt

Von Jan Diedrichsen

Der oppositionelle Senator Henry Kemende wurde heute Nacht im Westen Kameruns, wo anglophone Separatisten einen blutigen Aufstand gegen den Staat führen, erschossen. Es wird vermutet, dass ambazonische Rebellen hinter dem Mord stehen könnten. Bislang hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt. Die Europäische Union hatte erst kürzlich zu sofortigen Friedensverhandlungen aufgefordert.

 

VOICES berichtet

Europäisches Parlament fordert umgehende Friedensverhandlungen in Kamerun – Zivilbevölkerung leidet unter anhaltenden Kämpfen

HINTERGRUND von Thomas Benedikter: Ambazonien-Krise. Autonomie für den anglophonen Nordwesten Kameruns?

 

Der Politiker Henry Kemende, dessen Leiche am Mittwoch gefunden wurde, war Anwalt und Abgeordneter der „Sozialdemokratischen Front“ (SDF), einer der führenden Oppositionsparteien in Kamerun. Der Mord ereignete sich in Bamenda, einer Großstadt im Nordwesten des Landes, wo es wie im Südwesten des Landes zu einer Welle aufständischer Gewalt durch Angehörige der anglophonen Minderheit gegen die überwiegend französischsprachigen Sicherheitskräfte kommt.

„Wir haben seine Leiche geborgen, seine Brust war von Kugeln durchlöchert“, bestätigte Joshua Osih, Vizepräsident der SDF, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Wir gehen davon aus, dass es sich um die ‚Ambazonier‘ handelt“, meinte Osih und bezog sich damit auf die bewaffneten anglophonen Rebellengruppen. Osih sagte, separatistische Elemente seien gegen die SDF, weil sie eine überwiegend englischsprachige Partei sei, die sich gegen die Teilung Kameruns ausspricht.

Kamerun ist seit Oktober 2017 von Gewalt zerrissen, als Militante einen unabhängigen Staat im Nordwesten und Südwesten ausriefen, wo der Großteil der anglophonen Minderheit in dem mehrheitlich französischsprachigen Land lebt. Sowohl den Separatisten als auch den Regierungstruppen werden Gräueltaten während der Kämpfe vorgeworfen, bei denen mehr als 3.000 Menschen getötet wurden und über 700.000 Menschen zur Flucht gezwungen wurden.

 

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