EU-Konferenz in Brüssel: Ist die Einbindung der gesamten indigenen Bevölkerung der Arktis unerwünscht?

(c) Umweltbundesamt

Von Jan Diedrichsen

Die Arktis ist in der Weltpolitik angekommen. Einige Beobachter haben bereits versucht, mit Anspielung auf die Rohstofffülle der Region, den Begriff des „neuen Nahen Ostens“ zu prägen. Mit Verweis auf die wachsende Rivalität der Großmächte und der Anrainerstaaten der Arktis lässt das für die indigene Bevölkerung der Region wenig Gutes erahnen.  Die Arktis erstreckt sich auf mehrere Länder:  Russland und den USA (Alaska) und Kanada, Grönland (teilweise verwaltet von Dänemark) und Spitzbergen (zu Norwegen) sowie der Region Lappland (auf dem Staatsgebiet von Norwegen, Schweden und Finnland).

Die Mitspracherechte der indigenen VertreterInnen sind in allen Ländern begrenzt. In Russland aber de facto unterbunden.

Wenn sich aktuell die EU-Spitze mit VertreterInnen der indigenen Bevölkerung der „EU-Arktis“ trifft (siehe Programm und Teilnehmer des „EU Arctic Forum and Indigenous Peoples’ Dialogue“ hier) ist dies zwar ausdrücklich zu begrüßen, aber ohne eine Einbindung von kritischen indigenen VertreterInnen der gesamten Arktis und einer deutlichen Kritik an Russland, droht eine Spaltung und das zur Seite Drängens der indigenen VerterInnen aus den Regionen, die nicht der EU angehören bzw. verbunden sind.

 

Wem es an Informationen über die Politik Russlands in der Arktis und in der Bekämpfung der Menschenrechtsaktivisten fehlt, der kann bei VOICES nachlesen:

Rodion V. Sulyanziga: Auf dünnem Eis – Arktis unter dem Vorsitz Russlands und die indigenen Völker des Nordens

Die Europäische Union hat eine Vertretung in Nuuk eröffnet und arbeitet an einer neuen Arktis-Strategie. VOICES hat berichtet.

KOMMENTAR: Eine EU-Arktis-Strategie entsteht – Das Europäische Parlament muss für die indigenen Völker erhebliche Nachbesserungen erstreiten

 

Die Stimmen aller indigenen Einwohner der Arktis müssen gehört werden. Sie müssen mit an den Verhandlungstisch. Es ist lobenswert, dass sich die EU um einen Dialog bemüht. Aber eine Strategie für die Einbindung der indigenen Bevölkerung macht nur dann Sinn, wenn VertreterInnen aus dem kanadischen und den US-amerikanischen Teil der Arktis mit dabei sind. Alle Bemühungen werden scheitern, wenn die EU nicht eine eindeutige Sprache für die Menschenrechtsverletzung und Drangsalierung der Völker des Nordens in Russland findet.

Siehe auch:  Stepan Petrov, ein „ausländischer Agent“ bittet Mark Zuckerberg um Hilfe: Russland drangsaliert seine KritikerInnen

Daher muss die EU – nicht zuletzt das Europäische Parlament – klar Farbe bekennen und Russland für dessen Politik in der Arktis, gegen die Menschenrechte der Völker des Nordens, öffentlich anprangern und den SprecherInnen der indigenen Völker Russlands eine Plattform bieten.

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