„Ich bin in der Hölle!“ – Hilferuf von Leonard Peltier

Die Internetzeitung Huffington Post veröffentlichte einen Hilferuf des politischen Gefangenen Leonard Peltier, der seit 45 Jahren unschuldig in Haft ist. Ihm wird der Tod zweier FBI-Agenten zur Last gelegt.

Leavenworth, Kansas 1997

Von Claus Biegert

Die Internetzeitung Huffington Post veröffentlichte einen Hilferuf des politischen Gefangenen Leonard Peltier, der seit 45 Jahren unschuldig in Haft ist. Ihm wird der Tod zweier FBI-Agenten zur Last gelegt. Sämtliche Beweise seiner Verurteilung waren gefälscht worden, selbst der US-Staatsanwalt, der damals mitverantwortlich war, Peltier ins Gefängnis zu bringen, bittet nun Präsident Joe Biden, ihn zu begnadigen, da seiner Meinung nach nie Beweise dafür vorlagen, dass er ein Verbrechen begangen hat. Peltier ist 77 Jahre alt und schwer krank. Eine Begnadigung von Präsident Biden ist seine letzte Chance.

„Ich bin in der Hölle“, sagte Peltier letzten Freitag. Hier ist der Wortlaut seines Hilferufs:

„COVID hat das Coleman-Gefängnis in ein finsteres Zeitalter zurückversetzt. Ich erinnere mich an eine Zeit in Marion USP, als ich so lange in Einzelhaft war, dass man nach 72 Stunden schon vergessen konnte, wer man war. Ich habe einmal auf dem Betonboden unter meinem Bett aufgeschrieben, wer ich war, damit ich es mir vorlesen konnte, wenn ich es vergessen hatte. Ich tauschte meine letzte Zigarette gegen einen Bleistift ein. Ich eilte zur Tür, wenn eine Wache den mageren Teller mit Essen abstellte, nur um einen Blick auf einen anderen Menschen zu erhaschen – auch wenn es einer war, der mich hasste, es war ein anderer Mensch und tat meinem Geist für eine Minute gut.

Ich bin in der Hölle, und es gibt keinen anderen Weg, damit umzugehen, als es so lange wie möglich auszuhalten. Ich klammere mich an den Glauben, dass es da draußen Menschen gibt, die alles in ihrer Macht Stehende tun, um unsere Situation hier zu ändern. Die Angst und der Stress fordern von allen ihren Tribut, auch von den Mitarbeitern. Man kann es in ihren Gesichtern sehen und in ihren Stimmen hören. Die gesamte Einrichtung befindet sich im totalen LOCKDOWN.

Letztes Jahr konnte man wenigstens jeden dritten Tag duschen und eine Mahlzeit zu sich nehmen, die über ein Sandwich mit etwas Erdnussbutter hinausging – aber jetzt, mit COVID als Vorwand, geht gar nichts mehr. Kein Telefon, kein Fenster, keine frische Luft – keine Menschen, um die man sich versammeln kann – keine Stimme der Lieben. Keine Erleichterung. Allein gelassen und ohne Aufmerksamkeit ist es wie eine Folterkammer für die Kranken und Alten.

Wo sind unsere Menschenrechtsaktivisten? Sie hören von mir, und mit sind mir viele verzweifelte Männer und Frauen! Hier verwandeln sie eine ohnehin schon harte Umgebung in ein Irrenhaus, und für viele, die nicht die Todesstrafe erhalten haben, geht es jetzt um das Gesicht eines solchen! Helft mir, meine Brüder und Schwestern, helft mir, meine guten Freunde.“

Nach Angaben von Peltiers Anwalt Kevin Sharp befindet sich die Coleman-Einrichtung seit dem 11. Januar in der letzten COVID-Absperrung. Seit März 2021 wurden dort tagelange und manchmal wochenlange COVID-Abriegelungen verhängt.

Kevin Sharp: „Leonard erhielt er seine erste COVID-19-Impfung im Januar 2021 und seine zweite im Mai 2021, was bedeutet, dass die Auffrischung im November fällig gewesen wäre. Er fragt das medizinische Personal des Gefängnisses bei jeder Gelegenheit, wann er und andere in seinem Zellenblock ihre Auffrischungsimpfungen bekommen, und sie sagen immer, sie wüssten es nicht.“

 

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