Filmfestival Berlin: „Wandern ohne Rückkehr“ – eine Geschichte über Rohingya-Flüchtlinge

Von Jan Diedrichsen

Unter dem Titel „The Art of Change“ findet vom 16. bis 25. September das vierte Human Rights Film Festival Berlin als hybride On- und Offline-Veranstaltung statt.
Wir stellen in den nächsten Tagen einige der Festival-Filme vor:

Wandering: A Rohingya Story (französisch: Errance sans retour, wörtlich: „Wandern ohne Rückkehr“) ist ein kanadischer Dokumentarfilm, bei dem Mélanie Carrier und Olivier Higgins Regie führten und der 2020 veröffentlicht wurde. Der Film ist ein Porträt des Flüchtlingslagers Kutupalong in Bangladesch. Fast 700.000 Rohingya leben hier in beengten Notunterkünften, unerwünscht und ohne Perspektive. Ihre Tage sind lang, Licht und Dunkelheit, Stärke und Verzweiflung liegen dicht beieinander. Der Film erzählt den rauen, eintönigen Alltag zwischen Gedichten und Albträumen, Essensausgabe und Fußballspielen. Bilder großer Schönheit und sanfte Poesie machen vergangenen Schrecken und den einfachen Wunsch nach Freiheit umso spürbarer. Ein kraftvoller, zutiefst menschlicher Film.

Die Regisseurin Mélanie Carrier erläutert: „Was als Kurzfilmprojekt begann, wurde schnell zu einem Dokumentarfilmprojekt. Von Anfang an hatten wir die Idee, einen Film zu machen, der tief in die Welt eintaucht und weit entfernt ist von einem rein informativen Dokument. Er versucht, uns das tägliche Leben im größten Flüchtlingslager der Welt, in dem mehr als 700.000 Menschen auf engstem Raum leben, näher zu bringen.“

Mélanie Carrier und Olivier Higgins, die gemeinsam Regie führten, erläutern ihre Motivation, gerade diesen Film zu drehen:

Nach einem schockierenden Facebook-Post des Dokumentarfotografen Renaud Philippe aus dem Flüchtlingslager Kutupalong im Februar 2018 wurde uns das schiere Ausmaß dieser Katastrophe bewusst, über die in den Medien so wenig berichtet wurde. Überwältigt von dem Ausmaß der Situation und der Kraft von Renauds Fotos schlugen wir vor, gemeinsam einen Film zu drehen, dessen Hauptziel es ist, die Öffentlichkeit auf die Tragödie der Rohingyas im Exil aufmerksam zu machen.

Die Rolle des Rohingya-Flüchtlings Kala Miya (Kalam) spielt in diesem Film eine zentrale Rolle. Es war Renaud, der Kalam im Februar 2018 während seines ersten Aufenthalts im Lager traf. Kalam wurde zu einem Verbündeten und zum Begleiter des Filmteams vor Ort. Als Reparateur, Übersetzer und Tontechniker war er es, der diesen Film erst möglich machte. Im Laufe der Gespräche erwiesen sich Kalams persönliche Geschichte und die von ihm verfassten Gedichte als so bedeutungsvoll und universell, dass wir beschlossen, sie zum erzählerischen Leitfaden des Films zu machen. Für uns ist der traumhafte und poetische Ansatz von Wandering, a Rohingya Story eine Möglichkeit, den Flüchtlingen im Inneren gerecht zu werden.

Nach den Dreharbeiten im Lager Kutupalong im Oktober 2018 trafen wir die kleine Rohingya-Gemeinschaft in Quebec City (Kanada), unserer Heimatstadt. Bald lernten wir Mohammed Shofi kennen, der fast 18 Jahre lang im Lager Kutupalong lebte. Er wurde ein Verbündeter und Freund, und mit ihm begann die lange Übersetzungsarbeit. Er wurde auch der Erzähler dieses Films, der mit seiner sanften, ruhigen Stimme Kalams Geschichte wiedergibt.

In Wandering, a Rohingya Story leben Licht und Dunkelheit nebeneinander, ebenso wie Stärke und Verzweiflung, Widerstandsfähigkeit und ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit. Im Mittelpunkt des Films steht das Thema Kindheit, das sowohl schmerzhaft als auch aufschlussreich ist und uns zwingt, uns zu fragen: Wie ist es möglich, dass solche Gewalt heute noch existiert? Wer werden die nächsten Opfer sein?

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