Äthiopien: Dutzende Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager – Regierungschef lässt Führer der rebellischen TPLF frei

By Yan Boechat/VOA - https://www.voanews.com/gallery/destruction-ethiopias-tigray-region, Public Domain

Von Jan Diedrichsen

Der Bürgerkrieg in Äthiopien nimmt kein Ende: Dutzende Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager, berichten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

 

VOICES berichtet:

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Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager m Norden Äthiopiens sind nach Angaben von Helfern sechsundfünfzig Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Bilder in den sozialen Medien zeigen angeblich Menschen, die nach dem Angriff auf eine Schule in der Stadt Dedebit in der äthiopischen Region Tigray behandelt werden. Eine unabhängige Bestätigung des Angriffs liegt nicht vor. Die Regierungstruppen bekämpfen die Rebellen in der Region Tigray seit über einem Jahr in einem Krieg, der bereits Tausende von Menschenleben gefordert hat. Es ist unklar, wie oder warum die Schule getroffen wurde. Die äthiopische Regierung hat bisher bestritten, Zivilisten angegriffen zu haben.

Am Freitag kündigte die Regierung die Freilassung mehrerer hochrangiger Oppositioneller an, darunter Führer der rebellischen Tigrayan People’s Liberation Front (TPLF). Premierminister Abiy Ahmed erklärte, dies diene der nationalen „Aussöhnung“ und der Förderung der „Einheit“.

Der Tigray-Konflikt brach im November 2020 aus, nachdem Abiy Ahmed eine Militäroffensive gegen die regionalen Streitkräfte in dem Gebiet angeordnet hatte. Er begründete dies mit einem Angriff auf eine Militärbasis, in der Regierungstruppen untergebracht sind. Die Eskalation erfolgte nach monatelangen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung Abiy und den Führern der TPLF. Viele Menschen wurden durch den Konflikt vertrieben, und die Vereinten Nationen haben davor gewarnt, dass die Region dringend humanitäre Hilfe, einschließlich medizinischer Versorgung, benötigt.

Der EU-Außenbeauftragter Joseph Borrell erklärte am Abend zu den aktuellen Entwicklungen: „Die Freilassung einiger politischer Oppositionsführer und die Einsetzung der Kommission für den nationalen Dialog sind positive Schritte zur Beendigung des anhaltenden Konflikts in Nordäthiopien.

Die Europäische Union hat stets betont, dass die einzige Option für eine friedliche und dauerhafte Lösung ein unabhängiger, umfassender und integrativer nationaler Dialog ist, der niemanden zurücklässt. Trotz dieser positiven Schritte geht der Konflikt jedoch weiter, unter anderem wurde heute ein Luftangriff auf ein Lager für Binnenvertriebene geflogen, bei dem zahlreiche Zivilisten getötet und verletzt wurden.

Um Leben zu retten, muss sofortiger und ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe gewährt werden, da seit Mitte Dezember keine Lastwagen mit humanitärer Hilfe mehr nach Tigray gekommen sind. Alle Parteien müssen die Gunst der Stunde nutzen, um den Konflikt rasch zu beenden und in einen Dialog einzutreten. Die EU ist bereit, mit der Afrikanischen Union, den Vereinten Nationen und anderen internationalen Partnern zusammenzuarbeiten, um diesen Prozess zu unterstützen.“

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