Vom Majdan zur Invasion

Der ukrainische russischschreibende Autor Andrej Kurkow dokumentiert in seinem ukrainischen Tagebuch und im Tagebuch einer Invasion die Brutalität Putin-Russlands.

Von Wolfgang Mayr

Kurkov beschreibt den Euromajdan von 2014 als die ukrainische Verabschiedung aus der russisch dominierten Sowjetunion, aus einem Staat, der ein Mix aus KGB, korrupten Kommunisten und organisierter Kriminalität war. Diesen Mix erbte Russland nach dem Zusammenbruch des KP-Regimes. Putin und sein Anhang stülpten der „russischen Föderation“ ihre nationalistische antiwestliche Ideologie über. 

Die Annektion der Krim und die Besetzung Teile der Ost-Ukraine war die russische Antwort auf den Majdan und der Probelauf für die Invasion Ende Februar 2022. Rechtsradikale wie die AfD in Deutschland und die Lega in Italien zeigten Verständnis für den russischen Krieg gegen die Ukraine, auch Teil der Linken stellten sich verteidigend vor Russland. Enttäuschend die Haltung der Pazifisten, die üblicherweise bei jeder US-amerikanischen Rakete Straßen und Plätze fluten, schweigen. Weder die gezielte Zerstörung von Wohnhäusern, Kindergärten, Schulen, von Krankenhäusern und Kraftwerken, noch die Verschleppung von ukrainischen Familien in den russischen Osten führen zu einer pazifistischen Mobilisierung. 

„Das ist nicht unser Krieg,“ protestieren immer wieder Wut-Bürger gegen die gestiegenen Preise, als Folge des russischen Krieges gegen die Ukraine. Auf die bröckelnde Solidarität scheinen sich die Ukrainerinn und Ukrainer vorbereitet zu haben. „Ich erwarte noch viel mehr Zerstörung in Kiew, aber auch wenn Kiew ruiniert ist, auch wenn mein Haus zerstört ist, werde ich zurückgehen, um beim Wiederaufbau zu helfen, wir werden wirklich alle zusammen das Land neu aufbauen“, erzählt Andrej Kurkow im Gespräch mit Cornelia Zetzsche von Bayern2.

Kurkow ist enttäuscht über den Westen, insbesondere über Deutschland wegen der Zögerlichkeit bei den angekündigten Waffenlieferungen.Kurkow interpretiert die Antikriegsstimmung in Deutschland als antiukrainisches Empfinden. Die zwei offenen Briefe deutscher Intellektueller wie Harald Melzer oder David Richard Precht setzt Kurkow in Verbindung mit offenen Briefen in Russland, in denen sich Hunderte russische Intellektuelle hinter die „Spezialoperation der russischen Arme in der Ukraine“ stellten. 

Kurkows befürchtet, dass die Ukraine im Stich gelassen, verraten wird. Westliche Politiker empfehlen der ukrainischen Führung Waffenstillstandsverhandlungen, sich damit abzufinden, dass die Krim, die südöstliche und östliche Ukraine russisch bleiben werden. Dieser Druck von außen, schreibt Kurkow, festige den inneren Zusammenhalt des politisch durchaus gespaltenen Landes. Das „Tagebuch einer Invasion“ ist ein geistreich aufgeschlüsselte Chronik des Angriffs von Russland auf die Ukraine und auch eine analysierende Chronik darüber, wie der von Russland angezettelte Krieg (…) zur Stärkung der nationalen Identität der Ukraine beiträgt.

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