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Von Jan Diedrichsen

Die Polizei im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem Hindu-Mönche öffentlich zu Gewalt gegen Muslime aufgerufen haben. Videos von einem Treffen der religiösen Hindu-Führer, bei dem mehrere Redner zum Pogrom gegen Muslime aufrufen, wurden Anfang dieser Woche im Internet veröffentlicht und lösten in Indien Empörung aus.

Die Polizei erklärte nun auf Drängen der Öffentlichkeit, dass es keine Verhaftungen gäbe. Die Polizei untersuche den Fall von Waseem Rizvi, einem Muslim, der nach eigenen Angaben zum Hinduismus konvertiert sei und sich jetzt Jitendra Narayan Tyagi nennt. Gegen ihn und namentlich Ungenannte sei ein Verfahren wegen „Förderung des Hasses zwischen religiösen Gruppen“ eingeleitet worden. Die sozialen Medien waren um einiges schneller und konnten in den Mitschnitten wichtige religiöse Führer ausgemacht, die häufig in Begleitung von Ministern und Mitgliedern der Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi zu sehen sind.

Auch Christen geraten in Indien zunehmend in das Visier radikaler Hindus und die sind gut vernetzt: Das indische Innenministerium hat dem Mutter-Teresa-Orden die Spendenfähigkeit und damit die Genehmigung für den Empfang ausländischer Zahlungen verweigert. Die katholische Organisation betreibt mehr als 240 Waisenhäuser und Hospize auf dem Subkontinent. Die Schwestern versorgen Leprakranke und von der Gesellschaft ausgegrenzte Menschen.

Es wurde nicht erläutert, warum die Regierung der Organisation, den „Missionaries of Charity“, die Erneuerung der Lizenz verweigere. Die Nachricht fällt in die angespannte Weihnachtszeit, in der im ganzen Land Kirchen verwüstet und Feiern von Hunderten von rechtsgerichteten Hindus gestört wurden. Die Angriffe auf Christen, die etwa zwei Prozent der indischen Bevölkerung ausmachen, nehmen zu. Antichristliche Bürgerwehren ziehen durch Dörfer, stürmen Kirchen, verbrennen christliche Literatur, greifen Schulen an und greifen Gläubige an.

Im vergangenen Jahr schloss die Menschenrechtsorganisation Amnesty International als Reaktion auf eine Reihe von Repressalien der Regierung, darunter das Einfrieren ihrer Bankkonten, ihre Aktivitäten in Indien.