Fünf Kontinente: Münchner Museum und der Kolonialismus

Mit der laufenden Ausstellung Mythen, Tiere und Götterwesen zeichnet das Museum die kulturelle Vielfalt des alten Amerika nach. Die präkolumbischen Kulturen in Peru werden mit dem mittelamerikanischen Kultur-Raum verknüpft.

Von Daniel Coral - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,

Von Wolfgang Mayr 

Mit der laufenden Ausstellung Mythen, Tiere und Götterwesen zeichnet das Museum die kulturelle Vielfalt des alten Amerika nach. Die präkolumbischen Kulturen in Peru werden mit dem mittelamerikanischen Kultur-Raum verknüpft. Im Mittelpunkt stehen die prä-inkaischen Kulturen der Wari, Moche und Nazca, dann folgen bjekten der Inka-Kultur, deren Staat zwischen 1400 und 1533 eine Audehnung von 4000 Kilometern vom heutigen Ecuador bis nach Chile erreichte.

Noch immer prägen die unterschiedlichen indigenen Kulturen zwischen der US-Südgrenze bis nach Feuerland das lateinamerikanische Leben. Trotz der zerstörerischen europäischen Invasion vor 500 Jahren –  Landraub, Massenmord, Marginalisierung und Unterdrückung  – und dem folgenden internen Kolonialismus der Nachfahren der Eroberer sind viele indigene Kulturen lebendig geblieben und haben Einflüsse der Zuwanderer:innen aufgenommen und Neues daraus entwickelt.

Das Museum schaut aber nicht nur zurück, blendet die Gegenwart also nicht aus. Mit der zweiten Ausstellung „Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. Anziehendes aus dem südlichen Abya Yalagreift das Museum das Thema Textilien auf und die damit zusammenhängenden Problematiken.  „Der Ausstellungsraum zeigt Beispiele textiler wie textilfreier Bekleidungstraditionen des indigenen Lateinamerikas – beziehungsweise des südlichen Teils von Abya Yala, wie Amerika in der Sprache der Guna in Panama genannt wird. Abya Yala (unser Land in voller Blüte) steht heute für viele Indigene programmatisch für mehr Selbstbestimmung und gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen,“ führt das Museum aus.

Kleider machen Leute, kommentiert das Museum Fünf Kontinente und sind auch Ausdruck kultureller Eigenständigkeit: „Zu sehen sind … Körperschmuck der Kayapó in Brasilien, Musterkunst der Shipibo Perus, Trachten der Maya Guatemalas, Maskengewänder aus Nordwest-Amazonien, bunte Molas der Guna Panamas, präkolumbische Textilien aus Peru, Kleidung und Schmuck der Mapuche aus Chile und Textilien aus den Hochebenen Perus und Boliviens.“ Hinzu kommen Hintergrundinformationen über gezielte Morde an indigenen AktivistInnen, eine Fotoprojektion und Kurzfilme mit Angehörigen der Ureinwohner-Völker.

Das Museum Fünf Kontinente wendet sich stückweise von seiner Vergangenheit ab. Bei einem Festakt 2019 übergab das Museum die sterblichen Überreste eines Aborigines-Ältesten an seine Nachfahren. Der Leichnam des Mannes war 1889 von Australien nach München gebracht worden.

Nicht alle Versuche aber gelingen. Ein drastisches Beispiel dafür ist die seit zwei Jahren laufende Provenienzforschung mit Wissenschaftlern in Kamerun. Ein erfolgreiches Zusammenwirken eines deutsch-kamerunischen Teams, das über die Herkunft von 200 Objekten im Museum Fünf Kontinente forscht. Die Abschlusskonfernz scheiterte an nicht ausgestellten Schengen-Visa durch die deutsche Botschaft in Kamerun. Ausgebremste Entkolonialisierung, berichtet Bayern2.

 

 

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