Fest im Griff: Die grenzenlose Macht der Agro-Industrie in Lateinamerika

Der Sojaanbau und die Massentierzucht sind die Ursache für die riesige Entwaldung der lateinamerikanischen Regenwälder.

Von Wolfgang Mayr

Die Agraringenieurin Clara Sánchez Guevara aus Venezuela hat das Agieren der Agro-Industrie analysiert. Ihr Fazit, diese großflächige Landwirtschaft ist der Wirtschaftsmotor Lateinamerikas, der zu Lasten von Land, Wasser und Biodiversität geht.

In Lateinamerika gibt es genügend Wasser und Land, die Biodiversität ist reichhaltig und reichlich sind die natürlichen Energieressourcen. Beste Voraussetzungen für eine überdimensionale Nahrungsmittelproduktion. Deshalb sollen die Anbauflächen bis 2050 weit mehr als verdoppelt werden.

Auch deshalb wächst jährlich der Druck auf diese lateinamerikanischen Ressourcen, schlussfolgert Sánchez Guevara in ihrem auf amerika21 veröffentlichten Report, hinzu kommt laut FAO die weltweite Landknappheit, die Folge der Zerstörung der Böden und desWassermangels. Die Verursacher dieser Entwicklung sind die global agierenden Agrarkonzerne, die zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzflächen der Welt besitzen.

Sánchez Guevara schlüsselt ihren Vorwurf auf, die Agro-Industrie beherrscht die weltweite Produktion von Weizen, Mais und Reis, Soja dient der Produktion von Tierfutter und für Pflanzenöl.

Besonders spürbar ist der Expansions-Druck in Brasilien, im Amazonas-Gebiet, der Heimat vieler indigener Völker. Der rechtsradikale Präsident Bolsonaro, ein Freund von Ex-US-Präsident Trump und des russischen Präsidenten Putin, setzt auf uneingeschränkte Expansion. Mit seinem Gesetz zur Landregulierung erleichtert er die Abholzung, forciert von illegalen Waldbränden und illegalem Landerwerb. Eine Politik zugunsten der Agro-Industrie, auf Kosten der Kleinbauern und der indigenen Völker in einer noch intakten Natur.

Das brasilianische Raumforschungsinstitut (INPE) schätzt die Abholzung im Amazonasgebiet von August 2020 bis Juli 2021 auf 13.235 Quadratkilometer. Dies sind 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum 2019–2020. Den Bränden fielen zwischen 2020 und 2021 mehr als 1,4 Millionen Hektar Wald zum Opfer.

Laut dem WWF-Bericht gingen zwischen 2004 und 2017 weltweit 43 Millionen Hektar Wald in vier Regionen (Lateinamerika, Subsahara-Afrika, Südostasien und Ozeanien) aus unterschiedlichen Gründen verloren.

In Lateinamerika ist der Sojaanbau und die Viehzucht die Hauptursache für die Entwaldung, besonders im Amazonas und im Cerrado.

Die Zerstörer der Welt sind einfach auszumachen. Ein Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe weltweit kontrollieren zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche.  Das sind dann auch jene Konzerne, die jetzt in Argentinien und in Brasilien den großflächigen Anbau von gentechnisch verändertem Getreide testen. Zum Einsatz kommt dabei auch das in Europa seit 2013 verbotene Glufosinat-Ammonium, das als noch giftigeres Herbizid als das von der Agrarindustrie häufig verwendete Glyphosat gilt.

Die Agro-Industrie operiert massenhaft mit diesem Pestizid und wehrt sich auch juristisch, wie in Mexiko, gegen ein angestrebtes Glyphosat-Verbot. Federführend dabei Bayer-Monsanto. Während Mexiko den Pestizid-Einsatz zu beschränken versucht, setzt Brasilien auf einen Total-Einsatz. Brasilien ist deshalb einer der größten Pestizidverbraucher der Welt. Die Bolsonaro-Regierung ließ 550 Pestizid-Produkte neu zu.

Die lateinamerikanischen Staaten, jene, die es versuchen, sind bei Pestizid-Versuchen der Agro-Industrie hoffnungslos unterlegen. In Argentinien stemmt das Argar-Business 16 Prozent des Bruttoinlands-Produkts. In Brasilien garantiert die industrialisierte Landwirtschaft sie Hälfte der Exporte und erwirtschaftet 30 Prozent des BIPs.

Fazit, Lateinamerika wird verseucht und geplündert.

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