Wütender Minority Rap

Von Wolfgang Mayr

Der katalanische Musiker Pablo Hasel machte darauf aufmerksam – auf den katalanischen Rap. Immer mehr MusikerInnen aus Minderheitenregionen in Europa entdecken den zornigen Rap für sich. Die Minderheiten-Redaktion minet stellte im Fernsehen von Rai Südtirol einige Rapper vor.

Pablo Hasel griff mit seinem Rap das spanische Königshaus an, korrumpiert und verludert soll es sein. Hasel singt seine Sympathie für linke Terroristen – von der spanischen marxistisch-leninistischen Grapo über die deutsche RAF bis zur baskischen linksnationalistischen ETA – lautstark hinaus, zeigt – geschmacklos und menschenverachtend – Verständnis für politisch motivierten Morde an Polizisten und Politiker.

Hasél greift in seinem Rap die USA in gewohnter antiimperialistischer Rhetorik an. Der große Satan USA als Hauptschuldiger aller Probleme  der Welt, in Allianz mit dem „zionistischen Teufel“, der „die Mehrheit der multinationalen Unternehmen in Hollywood kontrolliert“ und „fast jedes Land an seinen Arsch geklebt hat“, ein Tweet von Hasél von 2012 heißt. Purer Antisemitismus, war der nicht unbegründete Vorwurf.

Die spanische Justiz ließ ihn nach wiederholter Abmahnung verhaften. Tausende Jugendliche, nicht nur in Katalonien, gingen randalierend auf die Straßen. Die martialisch aufgezogene Verhaftung verwundert, geht doch der spanische Staat kaum gegen Verherrlicher des Franco-Faschismus vor.

Nach den landesweiten Protesten gegen die Verhaftung von Hasel kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE) eine Entschärfung der „Maulkorbgesetze“ (Leyes Mordazas) an: „Verbale Exzesse im Rahmen künstlerischer, kultureller oder intellektueller Aktionen“ sollen künftig nicht mehr strafbar sein.“

Amnesty International forderte die Freilassung Haséls. Dieser Forderung schlossen sich in einem offenen Brief 300 spanische Künstler, darunter Pedro Almodóvar und Javier Bardem, an.  Die Verhaftung werteten die KünstlerInnen und Intellektuelle als einen unerträglichenEingriff in die Meinungsfreiheit: „Wenn wir zulassen, dass Pablo verhaftet wird, kann es morgen jeden von uns treffen.“

Auch der Europarat verurteilte Spanien wegen Verletzung der Meinungsfreiheit und forderte Strafrechts-Reformen. Die Menschenrechtskommissarin Dunja Mijatović erklärte, dass – neben der fehlenden rechtlichen Eindeutigkeit – spanische Gerichte nicht dargelegt haben, ob die angeprangerte „Verherrlichung des Terrorismus wirklich das Risiko einer realen, konkreten und unmittelbaren Gefahr mit sich brachte“. Nur dann dürfe eine Antiterrorgesetzgebung zur Einschränkung der Meinungsfreiheit herangezogen werden.

Beim Vorwurf der Majestätsbeleidigung hob die Kommissarin hervor, dass die Möglichkeiten zur Einschränkung der Meinungsfreiheit sehr begrenzt seien, „insbesondere wenn es um Politiker, Behördenvertreter und andere Personen des öffentlichen Lebens geht“.

Sie forderte „umfassende“ Gesetzesänderungen, um im Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention das Recht auf freie Meinungsäußerung zu stärken. Die Europäische Kommission für Demokratie durch Recht (Venedig-Kommission) des Europarats fordert Spanien zudem nachdrücklich auf, das Gesetz zur Sicherheit der Bürger (Maulkorbgesetze) „wegen seines repressiven Potenzials“ zu reformieren.

Hasel ist es mit seinen Provokationen gelungen, die spanische Justiz bloßzustellen. Hasel wurde zum Vorbild einer katalanischen Rapper-Generation, die bewusst die katalanische Sprache benutzen.

Minet – Hip Hop und Rap in Minderheitensprachen (minet-tv.com)

Minet – Katalanisch – der Überlebenskampf einer Sprache (minet-tv.com)

Més músics pendents de sentència: Pablo Hasél i La Insurgencia (ara.cat)

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite