Widerstand in Panjshir: Ahmad Massoud kündigt Widerstand gegen die Taliban an

Ahmad Massoud

Von Wolfgang Mayr

Die Nachrichten und Bilder aus Afghanistan dokumentieren drastisch das westliche Versagen. Sie dokumentieren auch die westliche Hilflosigkeit angesichts des Triumphs der Taliban. Wer fliehen kann, flieht. Für die ehemaligen MitarbeiterInnen der westlichen Armeen – den „Ortskräften“ – kommt der Abzug einem Todesurteil gleich. Die Taliban ersticken Afghanistan unter ihrer säuerlichen faschistoiden Ideologie. Und es gibt schon erste Stimmen aus dem Westen, die die „neuen“ Taliban verharmlosen.

Nicht überall im Land herrscht aber Hoffnungslosigkeit. Im Norden formiert sich angeblich Widerstand. Als einer der Köpfe gilt Ahmad Massoud. In einem Artikel der Washington Post kündigt er Widerstand an, aus diesem Beitrag hier einige Auszüge.

Ahmad Massoud ist der Sohn des am 9. September 2001 von Al-Qaida in Afghanistan ermordeten Ahmad Schah Massoud. Er leitete die Nord-Allianz der Tadschiken, Usbeken und Hazara.

Ahmad Massourd schreibt: „1998, als ich 9 Jahre alt war, versammelte mein Vater, seine Soldaten im Panjshir-Tal im Norden Afghanistans. Sie saßen da und hörten zu, als der Freund meines Vaters, der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy, sie ansprach. „Wenn du für deine Freiheit kämpfst“, sagte Lévy, „kämpfst du auch für unsere Freiheit.“

Massoud will nach dem Siegeszug der Taliban das Erbe seines Vaters fortführen, Widerstand leisten. Es gibt genügend Munition und Waffen, Soldaten der ehemaligen regulären afghanischen Armee schließen sich der neuen Nord-Allianz an, beschreibt Massoud die Entwicklung.

„Wir wissen jedoch, dass unsere Streitkräfte und unsere Logistik nicht ausreichen werden. Sie werden schnell erschöpft sein, es sei denn, unsere Freunde im Westen finden einen Weg, uns unverzüglich zu versorgen,“ appelliert Massoud an die ehemaligen westlichen Verbündeten. Er hofft auf die Unterstützung der Freunde Afghanistans, dass sie in Washington und in New York, beim Kongress und bei der Biden-Regierung Hilfe für die Nordallianz organisieren.

Die offene Gesellschaft ist und bleibt sein Ziel, bekennt sich Massoud zu Freiheit und Demokratie. „Wir haben so lange für eine offene Gesellschaft gekämpft, in der Mädchen Ärztinnen werden konnten, unsere Presse frei berichten konnte, unsere Jugendlichen tanzen und Musik hören oder Fußballspiele in den Stadien besuchen konnten, die einst von den Taliban öffentlich genutzt wurden für Hinrichtungen – und vielleicht bald wieder,“ warnt Massoud vor einer Verharmlosung der Taliban.

Die Menschen in Panjshir wollen ihre Freiheit verteidigen, ist sich Massoud sicher. Notwendig dafür sind aber mehr Waffen und Munition, damit die Widerstandskämpfer am Hindukusch die Freiheit verteidigen können, bittet Massoud unverblümt um militärische Hilfe.

Falsche Einschätzung, falscher Zeitpunkt

Bereits im Juli warnte Bernd Rheinberg von den Salonkolumnisten vor dem überhasteten Abzug aus Afghanistan. Der Rückzug aus Afghanistan ist kein Scheitern, weil die letzten zwei Jahrzehnte sinnlos gewesen wären, sondern durch den jetzigen Rückzug sinnlos werden, analysierte Rheinberg. Er wirft dem „Westen“ vor, die Lage völlig falsch eingeschätzt und den falschen Zeitpunkt für den Abzug ausgewählt zu haben.

Und Rheinberg prophezeite schon im Juli das Desaster: „Schon jetzt versichern die Islamisten, sie würden die Integrität der Nachbarländer anerkennen – was soviel wie das Gegenteil bedeutet. Ein Sieg wird den Taliban erst recht Auftrieb geben. Das gilt auch für die islamistischen Bewegungen in den Nachbarländern. Den globalen Dschihadismus wird es wie eine Blutzufuhr erfrischen.

Ein neuer „Gottesstaat“

Laut Rheinberg wird der neue alte „Gottesstaat“ der Taliban einen radikalen Missionseifer entwickeln. Afghanistan wird dem anderen „Gottesstaat“ nacheifern, dem Iran: „Aber zunächst einmal wird der Exodus an Afghanen die Nachbarländer beschäftigen, danach auch die EU. Man darf gespannt sein, wie besorgt sie sich geben wird, wie unfähig eine gemeinsame Haltung zu entwickeln. Derweil wird der alte Terror wieder vermehrt seinen Blutzoll fordern: in den afrikanischen Metropolen, den asiatischen, den europäischen, den amerikanischen. Der Westen wird sich dabei mit besonderen Schuldzuweisungen schmücken – er wird sich wie immer selbst die Schuld geben: seinem Kolonialismus, Imperialismus, Kapitalismus etc. pp. Seine Blindheit, seine Ignoranz werden nicht darunter sein. Natürlich kommt das alles überraschend. Man ist mit anderem mehr beschäftigt. Aberder Dschihadismus kümmert sich nicht um den Klimawandel, Corona oder eine neue Modemarke aus dem Hause Kardashian. Er macht einfach weiter. Können wir nicht doch einmal, wenigstens etwas darauf vorbereitet sein?

Eine Frage, gestellt im Juli. Die Antwort im August fiel noch negativer aus, als von Rheinberg befürchtet. Damit zurück zum Ausgangspunkt, zu der sich neu formierenden Nord-Allianz. Auch deren Kriegsherren – die berüchtigten anderen warlords – machten sich schuldig. Die Gesellschaft für bedrohte Völker dokumentierte ungeschminkt die Kriegsverbrechen der Nord-Allianz. Die Massaker damals erschwerten einen Neustart in einem von den Taliban befreiten Afghanistan.

Nationale Islamische Vereinigte Front zur Rettung Afghanistans – Wikipedia

Die Entstehung der Nordallianz in Afghanistan – GRIN

Afghanistan: Vielvölkerstaat vor der Zerreißprobe (gfbv.de)

Warlords gefährden Wiederaufbau in Afghanistan (gfbv.de)

Botschaft aus Afghanistan: Im Panjir-Tal wird die Freiheit verteidigt (mena-watch.com)

Das Ende vom Anfang – Salonkolumnisten

Die Leere – Salonkolumnisten

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