Unverkappter Antisemitismus: Die Anti-Soros-Internationale von Meloni, über Orban bis Erdogan

Von Wolfgang Mayr

George Soros überlebte in einem abgelegenen Sommerhaus in der Nähe des Plattensees die Judenverfolgung durch deutsche Nazis und ungarische Pfeilkreuzler. Deren Nachfahren und Erben erklärten den Holocaust-Überlebenden Soros zu ihrem Feind, zum Feind des „Abendlandes“. Die Zerstörer des alten Europas agieren als Verteidiger eines angeblichen Abendlandes, das von Soros und seinen Aktivitäten bedroht wird.

Seit einigen Jahren schon ist der heute 91-jährige Investor im Visier einer Anti-Soros-Internationale. Für sein demokratisches Engagement wird Soros zutiefst gehasst von der internationalen Rechten – von Verschwörungstheoretikern, Faschisten, No-Euro- und No-Vax-Aktivisten. Sie verwenden gerne für Soros SS.

Der islamistische Präsident des Nato-Staates Türkei Erdogan spricht von „Soros Abschaum“, wenn er laut über den einsitzenden Unternehmer Osman Kavala „nachdenkt“. Kavala, Kultur-Mäzen und Menschenrechtler, befindet sich seit vier Jahren ohne Prozess im Gefängnis.

„Soros Abschaum“

Als „Soros Abschaum“ betitelte der Islamist Erdogan auch die zehn Botschafter, die sich diplomatisch zurückhaltend aber doch engagiert für die Freilassung von Kavala aussprachen.

Ironie der Geschichte: Die Tochter von Erdogan absolvierte ein Praktikum bei einem Verein, den Soros unterstützte. 2003 beim Treffen der Mächtigen der Welt im schweizerischen Davos bat Erdogan George Sorors um Hilfe. Er sollte sich für die Aufnahme der Türkei in die EU verwenden. 2005 wurde Soros deshalb auch in der Türkei mit Staatsehren empfangen.

Der Milliardär sprach bei mehreren europäischen  Schwergewichten in Brüssel vor, für die Sache Ankaras. Die Mission scheiterte aber und der „Sultan“ des islamistischen Türkei wandte sich seitdem gegen Soros. Erdogan nennt Soros jetzt verächtlich einen „ungarischen Juden“. Jude verstanden als rassistische Beleidigung.

Geförderte Orban

Der ungarische illiberale und nationalistische Ministerpräsident Viktor Orbanstudierte 1989 in Oxford den britischen Liberalismus. Dieses – offensichtlich erfolglose – Studium finanzierte George Soros. Er war es auch, der nach dem Zusammenbruch des Kommunismus großzügig die damals liberale Fidesz-Partei von Orban finanzierte. Genauso unterstütze Soros den Aufbau einer Universität in Budapest, als Forum für eine offene Gesellschaft. Ministerpräsident Orban verfügte die Schießung dieser Universität und legte die Arbeit der von Soros finanzierten NGO lahm. Orban warf Soros vor, für die Welle syrischer Flüchtlinge 2015 verantwortlich zu sein.

Die von Soros gesponserte offene Gesellschaft ist für eine seltsame Allianz eine große Gefahr. Egal, ob es sich dabei um den ehemaligen US-Präsidenten Trump handelt, um den russischen Präsidenten Putin, um den gestürzten rot-brauen serbischen Präsidenten Milosevic (auch dafür wird Soros von serbischen Nationalisten verantwortlich gemacht) bis hin zum kommunistischen chinesischen Diktator Xi Jinping, über Matteo Salvini von der Lega bis zu Giorgia Meloni von der neofaschistischen Partei Fratelli d´Italia.

Der junge George lernte seinen Liberalismus bei Karl Popper an der London School of Economics. London muss Soros wie ein Paradies vorgekommen sein, nachdem er den mordenden Nazis und auch den siegreichen Kommunisten entkommen war. Die „stalinistischen Befreier“ hatten die Mutter von Soros vergewaltigt. Bei Poppersaugte Soros die Idee der „offenen Gesellschaft“ auf, lernte das ABC des Liberalismus, aber auch des Globalismus, des Kosmopolitismus, des Humanitarismus: ein Graus für die Rechten, ab auch für autoritäre Linke.

Feind weil Spekulant?

Ist Soros ein Spekulant, fragte sich Mauro Suttora auf Huffpost. Natürlich wie alle Finanziers, war seine Antwort. Das gilt aber mehr oder weniger für alle mittleren und größeren SparerInnen, die ihre Ersparnisse auf der Suche nach der maximalen Rendite investieren. Hat Soros 1992 die italienische Lira versenkt, wie die italienische Recht behauptet? Wahrscheinlich, vermutet Mauro Suttoa. Aber er war nur einer von Dutzenden von Dollar-Milliardären von New York bis Tokio, von London bis Shanghai. Kein einzelner Finanzier hat die kritische Masse, um eine souveräne Währung anzugreifen.

Soros riskierte viel, profitierte noch mehr und wurde  Philanthrop. Er investierte aus Leidenschaft in die Politik, immerhein ein Zehntel seines Vermögens, rechnete Suttora nach. Er half antisowjetischen Dissidenten, dann den Anti-Prohibitionisten für die Legalisierung von Drogen, finanzierte demokratische Parteien und Bewegungen in Serbien, Georgien und in der Ukraine.

Seine unterstützenden Finanz-Aktivitäten können nachgelesen werden, in den Jahresabschlüssen der Open Society Foundation. Transparent und nachvollziehbar. Offen eben, nicht wie Putins Öl-Gelder für die Lega oder Gelder eines russischen Oligarchen an die nationalpopulistische bis rechtsradikale ECR-Fraktion im Europaparament, der Fratelli d’Italia angehört.

Interessierte können die Spenden der Open Society Foundation online überprüfen. Für besonders hasserfüllte Aufregung sorgen Mittel zur Integration von Migranten. Hinzu kommen Spenden für die medizinische Versorgung von illegalen Zuwanderern. Geldmittel, die Staaten dafür nicht mehr ausgeben müssen. Soros hilft somit Staaten zu sparen. Statt Applaus wird Soros rassistisch und antisemitisch verunglimpft.

Die rechte Allianz in Europa wirft Soros ein ungeheuerliches Manöver vor. Er will die weiße (arische?) Bevölkerung Europas durch „people of color“ „ersetzen“, spöttelt Mauro Suttora auf Huffpost. Soros hat inzwischen einen Konkurrenten erhalten, der nicht weniger reich ist und leidenschaftlich für Impfstoffe wirbt, Bill Gates.

Quelle: Huffpost

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