Papst besucht Roma-Elendsviertel Lunik IX in Košice

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Von Jan Diedrichsen  

Papst Franziskus ist bei seinem Besuch der Slowakei in den äußersten Osten des Landes gereist, um sich direkt an die Roma-Minderheit des Landes zu wenden; eine Geste an die am stärksten ausgegrenzte Minderheitengruppe, die seit langem unter Diskriminierung, Marginalisierung und Armut leidet.

Zahlreiche Slowaken sehen den Besuch des Papstes in dem Elendsviertel kritisch. Am liebsten würde sie die Wirklichkeit verdrängen und die „Inseln der dritten Welt“ in der Slowakei ausblenden. Das Mistrauen, ja der Hass gegenüber der Roma-Minderheit ist groß.

Der Besuch von Franziskus in der Siedlung Lunik IX in Košice war dennoch einer der Höhepunkte seiner viertägigen Reise nach Ungarn und in die Slowakei.

Lunik IX ist die größte von etwa 600 heruntergekommenen Siedlungen, in denen die Ärmsten der 400.000 slowakischen Roma leben. Den meisten fehlt es an grundlegenden Dingen wie fließendem Wasser, Kanalisation, Gas oder Strom.

Franziskus räumte ein, dass die slowakischen Roma lange Zeit „Vorurteilen und harschen Urteilen, diskriminierenden Stereotypen, diffamierenden Worten und Gesten“ sowie Missverständnissen seitens der katholischen Kirche ausgesetzt waren. (Hier die Rede des Papstes im Wortlaut)

In gewisser Weise hat der Besuch von Franziskus in der Siedlung Lunik deutlich gemacht, wie ausgegrenzt die Roma sind: Bewaffnete Polizisten und Soldaten säumten den Hauptzugang zum Viertel mit hohen Zäunen und hinderten die Bewohner, die sich nicht im Voraus angemeldet hatten, daran, den kleinen Sitzbereich für die Veranstaltung zu betreten.

Das Misstrauen des Staates und der Mehrheitsbevölkerung wurde während des Besuchs von Franziskus deutlich: Die slowakischen Sicherheitskräfte waren weitaus stärker präsent als bei allen anderen Aufenthalten von Franziskus und hielten die Bewohner von Lunik buchstäblich hinter Drahtzäunen.

Die Roma-Vertreter des Landes hoffen, dass der Besuch dazu beitragen kann, die Einstellung der slowakischen Mehrheitsbevölkerung zu ändern, von der viele das Viertel nie besuchen würden, ein Viertel das die Polizei bis vor kurzem nachts nicht betreten durfte.

Franziskus, 84 Jahre alt, forderte die Bewohner auch auf, an künftige Generationen zu denken und zu versuchen, ihre eigenen Vorurteile, Hindernisse und das seit langem bestehende Misstrauen gegenüber der slowakischen Mehrheit zu überwinden und sich besser zu integrieren, damit ihre Kinder eine bessere Zukunft haben können.

Die Volksgruppe der Sinti und Roma stellt Schätzungen zufolge die zweitgrößte ethnische Minderheit in der Slowakei (nach der ungarisch-stämmigen Bevölkerungsgruppe) dar. Die hier ansässigen Roma sprechen meist die slowakische Sprache oder den sogenannten zentralen Dialekt der Sprache Romani.

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