Ost-Turkestan: „Where is my grandma?”

Von Wolfgang Mayr

In der „autonomen Provinz Xinjiang“ in West-China werden die muslimischen Uiguren mit den fast unbegrenzten Möglichkeiten des Digitalzeitalters erfasst und überwacht, schreibt Philipp Mattheis in seinem Buch „Ein Volk verschwindet“. Mattheis klagt an: „Wie wir China beim Völkermord an den Uiguren zuschauen, er meint damit die westlichen Staaten, die westlichen Konzerne, westliche Marxisten und Reiseblogger.

Eine Million Menschen sind monatelang in „Umerziehungslagern“ interniert, wo Folter, Zwangsarbeit und Gehirnwäsche an der Tagesordnung sind. Nachzulesen auch in dem Buch „Wie ich das chinesische Lager überlebt habe“ von Gulbahar Haitiwaji und Rozenn Morgat. Die kommunistische Regierung lässt Moscheen schließen, untersagt religiöse Feste und Baudenkmäler werden zerstört. Offensichtlich soll die kulturelle Identität des 15-Millionen-Volks ausgelöscht werden, bestätigt auch die ehemalige Staatsbeamtin Sayragul Sauytbay. Westliche Konzerne hält das nicht davon ab, in Xinjiang produzieren zu lassen. Philipp Mattheis‘ aufrüttelndes Buch erzählt von den Schicksalen Betroffener und klärt über die Hintergründe des Geschehens auf.

Trotzdem beginnen Anfang Februar in der totalitären kommunistischen Volksrepublik China die Olympischen Winterspiele. In einem Memorandum bezeichnet die Gesellschaft für bedrohte Völker die Winterspiele als Spiele im Land der Lager. Auch in der „autonomen Provinz Xinjang“ werden an verschiedenen Standorten olympische Wettkämpfe ausgetragen.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen, auch die GfbV, wiesen vor einigen Monaten auf die vielen Umerziehungslager in Ost-Turkestan. In einer gemeinsamen Aktion riefen MenschenrechtlerInnen zum Boykott der Spiele auf. Einige wenige Staaten wie die USA und Australien kündigten einen diplomatischen Boykott an. Deutschland drückte sich bisher an einer Positionierung gekonnt vorbei, besonders der sozialdemokratische Bundeskanzler setzt auf einen Schmusekurs, wie auch im Ukraine-Konflikt gegenüber dem russischen Aggressor.

Inzwischen geht das „rote“ Regime auch gegen uigurische Kinder vor. Die GfbV stellt schockiert fest: „Viele uigurische Kinder bleiben ohne Aussicht auf Besserung von ihren Eltern getrennt. Diese kämpfen für die Freilassung ihrer Kinder aus staatlichen ´Waisenhäusern`, in denen ihnen die uigurische Sprache und Kultur ausgetrieben werden sollen.“ Betroffen sind laut GfbV auch jüngste Kinder, sogar sie gelten dem Regime als Terroristen. Uigurische Familien werden zur Geburtenkontrolle gezwungen.

Das Uiguren-Volkstribunal in London stufte diese Geburtenkontrolle in Xinjiang als Genozid nach der UN-Völkermordkonvention ein. Die politischen Vorgaben der chinesischen Führung belegten die Absicht, die uigurische Bevölkerung zu verringern und damit „eine Gruppe teilweise zu zerstören“, hieß es im Urteil. „Auch die Familientrennung, für die dieser Einzelfall ein typisches Beispiel ist, kann man als Strategie zum Völkermord betrachten“, erklärt Causevic Die GfbV ruft die Verantwortlichen auf, bis zum Beginn der Winterspiele im Februar Druck auf die Volksrepublik China auszuüben, damit alle Kinder aus der Obhut der chinesischen Behörden freikommen.

Bayern 2 widmete der Lage des uigurischen Volkes von Ost-Turkestan zwei aufschlussreiche Podcasts:

Schockierende Protokolle aus China: Die uigurische Menschenrechtsaktivistin Saragul Sauitbay und die Journalistin Alexandra Cavelius veröffentlichen Zeugnisse über Zwangsarbeit und Vergewaltigung in Xinjiang, Ost-Turkestan.

Uiguren unter Kontrolle – China kultureller Genozid in Xinjiang, Ost-Turkestanim Nordwesten Chinas – die Heimat der rund zehn Millionen muslimischen Uiguren ist zu einem beispiellosen Überwachungsstaat geworden. Religionsfreiheit und kulturelle Selbstbestimmung sind massiv eingeschränkt.

Der Kampf der Uiguren – Wie Chinas unterdrückte Minderheit von Deutschland aus ums Überleben kämpft – Die muslimische Minderheit der Uiguren ist seit Jahren von teils grausamer Unterdrückung durch den chinesischen Staat betroffen. Im Kampf gegen diese Unterdrückung spielt Deutschland eine wichtige Rolle. In München sitzt die wichtigste Auslandsvertretung des Volkes.

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