Oromo: Landraub zwingt zur Flucht

Von Wolfgang Mayr / Gfbv-Archiv

In Afrika stehlen amerikanische und europäische Konzerne im großen Stil fruchtbares Land. Oft sind Minderheiten die Opfer des so genannten Landgrabbings.

Der Krieg des äthiopischen Militärs und der eritreischen Verbündeten in der Provinz Tigray sorgte kurzfristig für internationale Aufmerksamkeit. Die einst verfeindeten Länder Äthiopien und Eritrea – einst Teil Äthiopiens – verwüsten gezielt Tigray. Die beiden Armeen verfolgen die Strategie der verbrannten Erde.

Anderswo in Äthiopien verschachert der Staat Erde, Land. Im Oromo-Land. Die GfbV unterstützte die Oromo in ihrem Widerstand gegen den legalisierten Landraub, der auch aus Europa organisiert wurde und wird. So warb die Industrie- und Handelskammer Bayern um Investoren in Äthiopien. Die Regierung in Adis Abeba bietet internationalen Investoren immer wieder Land zum Pachten an, kritisierte die GfbV. Das meiste Land liegt brach, argumentieren die Land-Verschacherer der Regierung. Viele der für Großplantagen gerodaeten Ländereien werden aber von kleineren Völkern als Jagdgebiete und Felder genutzt, widerspricht die GfbV. Die traditionellen Landrechte dieser Gemeinschaften werden von den Behörden aber ignoriert.

Die Oromo sind nicht die einzigen Opfer dieses staatlichen Landraubs. Survival International verweist auf die Kwegu in Äthiopiens Unterem Omo-Tal. Die Kwegu müssen hungern, weil ihr Wald gerodet wurde und der Omo-Fluß langsam stirbt.
Die Kwegu leben vom Jagen, Fischen und dem Anbau von Getreide an den Ufern des Omo. Der Mega-Staudamm Gibe III und die mit ihm verbundenen  Bewässerungssysteme für riesige Plantagen auf indigenem Land drohen jedoch die Überflutungen des Omo zu beenden und die Fischbestände zu zerstören.  Satellitenbilder zeigen, schreibt Survival International, dass die äthiopische Regierung bereits damit begonnen hat, das Staubecken von Gibe III zu füllen.

In Äthiopien kontrolliert der Staat zwei Drittel des Landes. Viele der bäuerlichen Gemeinschaften stehen mit ihrer gemeinschaftlichen Verwaltung von Grund und Boden im Konflikt mit dem Staat.

In den 80 Jahren kollektivierte die linke Militärdiktatur die Landwirtschaft. Tausende Klein-Bauern wurden zwangsumgesiedelt, in vom Militär aufgebauten „Dörfern“. „Verdorfung“ und Zwangskollektivierung, das Konzept der linken Putschisten, die Kaiser Haile Selassie gestürzt hatten. Die Enteignung der kleinen bäuerlichen Betriebe führte direkt in eine Hungersnot. Acht Millionen Menschen waren davon betroffen, mehr als eine Million Menschen verhungerten.

Die neuen Machthaber in Adis Abeba brachen mit der linken Tradition der Enteignung durch staatliche Kollektivierung. Sie setzten stattdessen auf neo-liberale Konzepte. Wieder geht es um das bäuerliche Land der verschiedenen Nationalitäten, das zugunsten internationaler Konzerne den bäuerlichen Gemeinden gestohlen wurde und wird. Besonders betroffen waren in den letzten Jahren, wie bereits beschrieben, die Oromo. Mehr als 1,3 Millionen Hektar Oromo-Land verscherbelte die Regierung an 900 Investoren. Darunter sind nicht nur europäische und US-amerikanische Konzerne, sondern auch finanzkräftige Firmen aus Süd- und Ostasien. Seit 2008 sind landesweit 1,8 Millionen Hektar Land an Investoren aus Indien verpachtet worden. Seit 1990 investierte Indien 4,5 Milliarden US-Dollars in Äthiopien.

Äthiopien ist kein Einzelfall, nur ein Musterbeispiel für den äußerst kaltschnäuzigen Landraub. Weltweit ist ein Drittel des Agrarlandes bereits an Investoren verpachtet oder verkauft worden. Land-Massen für Spekulationen aller Art. Mehr als 80 Millionen Hektar Agrarland sind bereits verpachtet oder verkauft worden. Der Wert dieser Verpachtungen und Verkäufe: 100 Milliarden US-Dollars.

Auch Länder wie das kommunistisch-totalitäre China und das feudalistisch-totalitäre Saudi-Arabien sichern sich riesige Agrarflächen in Entwicklungsländern, berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“: „Die als „Neo-Kolonialismus“ bezeichnete Vorgehensweise der Investoren könnte die Ernährung der lokalen Bevölkerung gefährden.“ Unternehmen aus beiden Staaten plündern ungeniert Land und Leute aus.

Das Marx-Engels-Zentrum in Berlin beeilte sich mit einer Reinwaschung der Volksrepublik China. Der rote Staat versteht sich laut diesem Zentrum als Partner der afrikanischen Staaten und der afrikanischen Bevölkerung und nicht als neuer Kolonialherr. China beteiligt sich nicht am groß angelegten Landraub in Afrika, versucht das Marx-Engels-Zentrum zu widersprechen. China investiert und baut auf, beschreibt das Zentrum das chinesische Engagement in den verschiedenen Staaten in Afrika.

Das Landgrabbing führt zu Protesten und Widerstand in allen Ecken und Winkeln des afrikanischen Kontinents. Die Angehörigen der Oromo wehrten sich gegen die kalte Enteignung. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der Oromo und Polizisten in Städten wie Burayu, Haramaya, Jarso oder Robe.

Die Proteste richteten sich gegen den „Masterplan“ für Addis Abeba. Diese sollte mit einigen Oromo-Gebieten im Umland „vernetzt“ werden. Dieser Plan, behauptete die Regierung, bringt mehr Infrastruktur und Entwicklung. Oromo-AktivistInnen hingegen befürchten eine Einschränkung der Souveränität ihrer Gemeinden und die Vertreibung von ihrem Land. Tatsächlich wurden in nur einem Monat 600 Familien vertrieben. Das beschlagnahmte Land ist für den Bau einer Fabrik vorgesehen. Für die vertriebenen Oromo gibt es keine Alternativen.

Seit Jahren werden die Oromo um ihre Rechte betrogen. Das Bekenntnis des Staates zum ethnischen Föderalismus ist ein wertloses Lippenbekenntnis. Das Oromo-Land kam unter die Kontrolle des Militärs. Tausende Soldaten sorgten dafür, dass Proteste unterbunden wurden und der Landraub reibungslos stattfinden konnte. Oromo-Organisationen werfen der Zentralregierung vor, Land und Leute mit ihren Soldaten zu terrorisieren. Offensichtlich verfolgte der Staat das Ziel, die Oromo aus ihrem Land zu vertreiben. Viele flohen bereits nach Dschibuti und Kenia, beklagen die Oromo-Organisationen.

https://www.youtube.com/watch?v=EA5Mf0MZrXYLandraub in Afrika – Jeder sieht zu, aber niemand will die Folgen tragen. | Antiimperialistisches Lager (antiimperialista.org)

Neuer „Landraub“ in Afrika? (giga-hamburg.de)

Landgrabbing (weltagrarbericht.de)

Land Grabbing verständlich erklärt: Wie Konzerne Land rauben – Utopia.de

afrika.info | Afrika: Landraub nach Kolonialherrenart

Land Grabbing: China als neuer Kolonialherr in Afrika? – Marx-Engels-Zentrum Berlin (mez-berlin.de)

2017_Landgrabbing_und_Menschenrechte.pdf (fian.de)

610912_01_delius (ev-akademie-boll.de)

Landraub | Netzwerk-Oromo

Äthiopien: Indigene hungern wegen Landraub und Mega-Staudamm | AFRICA live (africa-live.de)

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