Museum der vergessenen Geheimnisse

Oksana Sabuschko rechnet mit der sowjetischen Geschichte in der Ukraine ab. Sie kommt damit bei westlichen Liberalen nicht sonderlich gut an.

Von Wolfgang Mayr

Die ukrainische SSR ist von der sowjetischen Schreckensherrschaft jahrzehntelang geknebelt und terrorisiert worden, schreibt Sabuschko, den Neustart in die ukrainische Selbständigkeit verhagelten die Oligarchen mit ihrer Korruption. Eine schockierende Abrechnung mit dem eigenen Land, findet der Perlentaucher.

„In einem komplexen Panorama erzählt sie die Geschichte dreier Frauen und damit auch die schwierige und verworrene Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert,“ fasst der Perlentaucher den Roman kurz und bündig zusammen.

Die drei Frauen sind die Fernsehproduzentin Daryna, die während einer Recherche das Foto der Partisanin Helzja findet, die Mitglied der Ukrainischen Aufstandsarmee in den 40er Jahren war und ihre Freundin Wlada, eine Malerin, die bei einem Unfall ums Leben kommt und deren Gemäldeserie „Geheimnisse“ dabei verschwindet.

Geheimnisse gibt es in der Ukraine zuhauf, vor den Bolschewiken vergrabene Ikonen, von der offiziellen Geschichtsschreibung Verschwiegenes, Verdrängtes wie Korruption, mafiöse Strukturen und russische Machenschaften in der neuen Ukraine.

Trotzdem ein Bekenntnis für die Ukraine, ein Plädoyer für die Unabhängigkeit, ein Bekenntnis wohl auch zum Widerstand gegen den russischen Eroberungskrieg. Wahrscheinlich auch deshalb rümpfen Liberale ihre Nasen, zwei Beispiele:

Sabine Berking nimmt in der FAZ mit Befremdung und Antipathie den Roman von Sabuschko auf. Berking schreibt von einem gestrickten Nationalepos, von einem Opfermythos über die dunkle Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert. Berking wirft Sabuschko vor, die Beteiligung von Ukrainern an den schlimmsten Verbrechen der Ära zu verschweigen.

Ähnlich auch Katharina Granzin in der Frankfurter Rundschau. Für ihren Geschmack arbeitet Sabushko zu gewollt an einem neuen ukrainischen Nationalmythos. Granzin ist der Roman zu „esoterisch“.

Ganz und gar nicht esoterisch ist die aktuelle Lage der Ukraine unter russischem Bombenhagel. Oskana Sabuschko berichtete auf Bayern2 über die ersten Kriegstage im vergangenen März.

Oksana Sabuschko gab der Ukraine bei ihrer Benefizlesung im Literaturhaus Lehmkuhl eine starke Stimme.

Sabuschko trug mit einem Text zur deutsch-ukrainischen Anthologie „Paul Celan 100“ bei, eine Hommage an den großen Schriftsteller Paul Celan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite