Mit Ukraine-Fahnen und Nato-Flaggen

Die Jüdische Brigade der italienischen Partisanenvereinigung ANPI will den Staatsfeiertag am 25. April „anders“ feiern. Keine roten Fahnen mehr in Erinnerung an die Befreiung vom Nazi-Faschismus. Die jüdischen Partisanen wollen sich solidarisch zeigen mit der überfallenen Ukraine und mit der NATO.

MILANO 25/04/04-MANIFESTAZIONE DELLA LIBERAZIONE-FOTO MARMORINO/GUATELLI

Von Wolfgang Mayr

Die Partisanenvereinigung ANPI bereitet sich auf die Feierlichkeiten am 25. April vor. An diesem Tag wird der Befreiung vom „Nazi-Faschismus“ gedacht. Am Staatsfeiertag wird der Antifaschismus staatlich zelebriert. Ein Tag, an dem die Linke in ihrer Vielfalt Flagge zeigt. Oft auch gegen die Nato.

An diesem Staatsfeiertag wurde schon immer kräftig polemisiert. Zur Erinnerung. Für den ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi zählte Diktator Mussolini zu den größten Staatsmännern Italiens, die Kommunisten zu den hartnäckigsten Feinden Italiens. Berlusconi wurde zum Weichspüler des Faschismus.

Für eine neue Qualität der Polemik sorgt nun im Vorfeld zu den Vorbereitungen des Staatsfeierlichkeiten die jüdische Brigade in der Partisanenvereinigung. Die Brigade kündigte an, am 25. April nicht nur mit ukrainischen Fahnen aufzutreten, sondern auch mit der Nato-Flagge. Die Nato ist die Erbin der alliierten Armeen, die Europa vom Nationalsozialismus befreiten, begründet die jüdische Brigade ihre Aktion.

David Romano, Direktor des Museums der Jüdischen Brigade von Mailand, fordert dazu auf, die ANPI von politischen Sektierern zu befreien. Romano meint jene, zitiert die rechte Tageszeitung „Il Giornale“ den Museums-Direktor, „die den Namen der Partisanen benutzen, um linksradikale Politik zu machen, die nichts mit den Idealen der Demokratie und Freiheit des 25. April zu tun hat“.

Romano wirft die ANPI-Führung vor, zum Massaker von Butscha keine klare Position eingenommen zu haben. „Sogar der ehemalige KP-Vorsitzende Berlinguer sagte, er fühle sich unter dem Dach der NATO sicherer. Nach 40 Jahren zeigt diese ANPI einen hartnäckigen Antiamerikanismus und ein heftiges Misstrauen gegenüber denen, die uns die Freiheit garantiert“, kritisierte Romano die ANPI-Spitze. Manche ANPI-Vertreter sehen gar eine Verbindung zwischen den Nazis und der Nato. Für Romano eine unerträgliche Position.

Er erinnert daran, dass die jungen Soldaten der Alliierten im Zweiten Weltkrieg die Demokratie verteidigten, die Werte der liberalen Demokratie, die von Teilen der italienischen Linken abgelehnt werden, kritisiert Romano. Er bedauert, dass die Partisanenvereinigung von Diktatur und Demokratie gleich weit entfernt ist. Am 25. April wird aber die Demokratie gefeiert, ist Romano überzeugt.

Davide Romano entdeckte vor 20 Jahren die Rolle der jüdischen Antifaschisten im Kampf gegen Mussolini und Hitler. Sie kämpften für Demokratie und Freiheit, darum geht es, sagt Romano. Es kann deshalb keine Neutralität in diesem russischen Eroberungskrieg in der Ukraine geben, keine gleichwertige Distanz zu den Angegriffenen und dem Aggressor, fordert Romano zur Solidarität auf.

Die Jüdische Brigade wird deshalb am 25. April auch mit Nato-Flaggen die Befreiung von damals feiern. Die Nato ist die Fortsetzung des alliierten Kampfes gegen den Nazi-Faschismus und es ist offensichtlich, dass Stalin nicht für die Demokratie gekämpft hatte. Er brachte die Diktatur. Putin ist ähnlich, fügt Romano an, „Russland ist nicht bedroht.“

„Die Ukraine hingegen ist eine Demokratie im Belagerungszustand. Wie Israel, belagert von Diktaturen, die es angegriffen haben, noch bevor es geboren wurde. Wir werden mit den Flaggen Israels, der NATO und der Ukraine auf die Straße gehen.“

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