Indigene Völker Russlands klagen an!

Der Angriff auf die Ukraine ist ein Kriegsverbrechen. Eine Exilvertretung wurde ins Leben gerufen. Vernichtende Kritik an der Dachorganisation RAIPON und deren Unterstützung für den Kriegsverbrecher Putin.

Von Jan Diedrichsen

Während sich täglich Menschen in Russland gegen den Angriffskrieg Putins auf die Straße begeben und mutig mehrere Jahre Arbeitslager riskieren, gibt es auch Mitläufer und Claqueure – auch unter den Minderheiten, Nationalitäten und indigenen Völkern Russlands. Wie VOICES berichtete, hat sich die Dachorganisation der indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens, RAIPON, dazu entschieden, den brutalen Angriff auf die Ukraine zu verteidigen und sich auf die Seite Putins zu schlagen.

Mit einem wütenden Protest reagieren nun mehrere indigene Vertreterinnen und Vertreter, die unfreiwillig außerhalb Russlands leben, mit einem Aufruf und der Gründung des „Internationalen Komitees der indigenen Völker Russlands“ zu Wort.

GfbV-Ehrenmitglied und Mitgründerin von VOICES, Tjan Zaotschnaja, gehört dazu und erläutert: „Wir können nicht hinnehmen, dass im Namen der indigenen Völker ein verbrecherischer Krieg unterstützt wird. Es ist eine Schande, dass sich RAIPON auf die Seite eines Kriegsverbrechers begibt“, so die Menschenrechtsaktivistin aus Kamtschatka, die in München lebt.

„Wir können nicht einfach zusehen, wie in der Ukraine unschuldige Menschen – Kinder, Frauen, Alte – umgebracht werden und die Welt glaubt, dass die indigenen Völker Russlands dies unterstützen. Nein! Wir fühlen mit den Ukrainerinnen und Ukrainern“, so Tjan Zaotschnaja.

Unter anderem fordern die Gründungsmitglieder Sanktionen gegen die Leitung von RAIPON. Der Organisation muss u.a. schnellsten der Status als Vertretung der indigenen Völker Russlands in allen internationalen Zusammenhängen (wie der UNO oder im Arktischen Rat) entzogen werden.

 

Der Wortlaut der Gründungserklärung:

Hier das russische Original

Stellungnahme Internationales Komitee der indigenen Völker Russlands

WIR, die Vertreter*innen der indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens, die sich unfreiwillig außerhalb Russlands befinden, sind entsetzt über den Krieg, den Präsident Putin gegen die Ukraine entfesselt hat. Derzeit ist die gesamte Bevölkerung in der Ukraine in großer Gefahr. Alte Menschen, Frauen und Kinder werden getötet. Städte und Gemeinden eines freien Landes, deren Bewohner sich nicht dem Willen eines Diktators und Tyrannen beugen wollten, werden zerstört.

WIR, die Vertreter*innen der indigenen Völker Russlands, bringen unsere Solidarität mit dem ukrainischen Volk in seinem Freiheitskampf zum Ausdruck. Wir sind mit Blick auf die Durchsetzung der Rechte der indigenen Völker in der Ukraine, einschließlich des von Russland widerrechtlich besetzten Gebiets der Krim, äußerst besorgt.

WIR, die Vertreter*innen der indigenen Völker, sind entsetzt über die Erklärungen der Assoziation der indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens der Russischen Föderation (RAIPON) vom 1. März 2022 und anderer Organisationen der Völker Russlands die am 2. März 2022, die Entscheidungen von Präsident Putin unterstützen. Solche öffentlichen Erklärungen können nur als direkte Unterstützung der militärischen Aggression gegen das ukrainische Volk verstanden werden, und ihre Unterzeichner sind Komplizen der Mörder der ukrainischen Zivilbevölkerung.

WIR sind der Meinung, dass die Assoziation der indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens, eine der ältesten öffentlichen Organisationen Russlands, die einst ein Symbol für den Schutz der Rechte indigener Völker war, heute zu einem Anhängsel der russischen Regierung im In- und Ausland geworden ist, dessen Hauptzweck darin besteht, die Handlungen der Regierung und der Bergbauunternehmen zu rechtfertigen, die das Regime von Präsident Putin unterstützen und das traditionelle Land der indigenen Völker zerstören.

WIR sind der Auffassung, dass die Führungskräfte der Vereinigung: Grigory Ledkov, Alexander Novyukhov, Anna Otke, die den Aufruf zur Unterstützung der Entscheidung von Präsident Putin im Zusammenhang mit der militärischen Aggression gegen die Ukraine unterzeichnet haben, nicht nur Komplizen des Krieges, sondern auch Kriegsverbrecher sind, da sie als Mitglieder des Föderationsrates ( Russisch: Совет Федерации) der Russischen Föderation für diese Entscheidung gestimmt haben.

WIR betrachten fortan alle Erklärungen, die vom russischen RAIPON, seinen Vertretern und Vertretern anderer Organisationen indigener Völker, die Putins Entscheidungen zur Ukraine unterstützt haben, auf internationalen Plattformen abgegeben werden, als falsch und propagandistisch, deren Hauptzweck darin besteht, das Image der russischen Behörden auf internationaler Ebene zu wahren.

WIR fordern alle internationalen Organisationen, sowohl gemeinnützige als auch zwischenstaatliche, wissenschaftliche, Umwelt-, Menschenrechts- und andere Organisationen, einschließlich der UN-Gremien, des Europarates und des Arktischen Rates auf, Erklärungen der Russischen Assoziation der indigenen Völker und des Fernen Ostens (RAIPON), ihrer Vertreter*innen und Vertreter*innen anderer Organisationen, die Putins Entscheidungen unterstützt haben, zu ignorieren und sie als Propaganda des russländischen politischen Regimes anzusehen. Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, RAIPON nicht mehr als eine Organisation zu betrachten, die die indigenen Völker Russlands vertritt.

WIR erklären außerdem, dass wir uns von allen Organisationen und Netzwerken für indigene Völker in Russland, denen wir bisher angehörten, zurückziehen und kündigen mit diesem Schreiben die Gründung einer neuen, unabhängigen Organisation an – des Internationalen Komitees der indigenen Völker Russlands (ICIPR).

 

Tjan Zaotschaja – Itelmenin

Dmitry Berezhkov – Kamtschadal

Pavel Sulyandziga – Udege

Yana Tannagasheva – Shorin

Andrey Danilov – Saami

Vladislav Tannagashev – Schore

Irina Shafrannik – Selkupin

 

 

 

 

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