10-01-2026
Alberta-Kanada: First Nations gegen Referendum
Indigene kritisieren die Abspaltungspläne als eine Verletzung der Verträge (2)
Die indianische Bevölkerung der kanadischen Provinz Alberta, die First Nations, lehnen das Referendum ab. Die angestrebte Abspaltung verletze die immer noch geltenden anglo-indianischen Verträge. Foto: Charles Delisle - CBC
Von Wolfgang Mayr
Die First Nations von Alberta und Saskatchewan lehnen die konservativen Pläne ab, die beiden Provinzen aus dem kanadischen Bundesstaat auszugliedern. Sie kündigten Widerstand dagegen an.
„Wir werden oft nicht gehört“, kritisieren indigene Politiker in Alberta die herrschenden Konservativen in Alberta. Besonders Premierministerin Danielle Smith. Ihre Anliegen werden ständig übergangen, trotz entsprechender vertraglicher Verpflichtungen.
Sie erinnern die Nachfahren der Eroberer und Siedler daran, dass für große Teile Albertas immer noch „heilige Verträge“ zwischen den First Nations und der „imperialen Krone“ gelten. Darunter die Verträge 6, 7 und 8, die belegen, dass diese Gebiete „von der Krone treuhänderisch zum Nutzen der Treaty First Nations gehalten werden, nicht als Eigentum der Provinzregierung.“
Außerdem sind diese Verträge lange vor Albertas Beitritt zur Konföderation 1905 unterzeichnet worden. Treuhandgebiete können sich nicht abspalten oder unabhängig erklären, gehören sie doch den Frist Nations, lautet die indigene Interpretation.
In einem Schreiben werfen Sheldon Sunshine von der Sturgeon Lake Cree Nation und Billy Joe Tuccaro von der Mikisew Cree First Nation der Premierministerin vor, mit ihrem Referendum das Land spalten zu wollen.
Die beiden Cree Nations erinnern Smith daran, dass sich die Provinz Alberta auf indianischem Vertragsland befindet. Mit ihrer Politik verstößt die Provinz-Chefin gegen die Verträge. Diese sind immerhin die Gründungsdokumente des Landes.
Alberta existierte noch nicht, schreiben die Vertreter der Cree, als ihre Vorfahren sich bereit erklärten, das Land mit der britischen Krone zu teilen. Ihre Interpretation, die Provinz kann die Verträge nicht aussetzen oder per Bürgerreferendum abschaffen.
Die Federation of Sovereign Indigenous Nations, die 74 First Nations in Saskatchewan vertritt, äußerte ihre „ernsthafte Besorgnis“ über die jüngsten Maßnahmen von Premierministerin Smith, zur Ermöglichung eines möglichen Referendums über Albertas Zukunft in Kanada.
„Wir sind die ersten Völker dieses Landes“, erinnerte FSIN-Vorsitzender Bobby Cameron die regierenden Konservativen. „Diejenigen, die gehen wollen, dürfen es frei, aber alle Ländereien, Gewässer und Ressourcen gehören den First Nations.“
“Wenn Sie oder Kanadier nicht glücklich damit sind, auf Vertragsland zu leben, steht es ihnen frei, die Staatsbürgerschaft anderswo zu beantragen,” empfehlen die Sprecher der Cree den Konservativen von Alberta die Auswanderung in die USA.
Laut Cameron verstoßen die konservativen Trennungspläne gegen das Verfassungs- und gegen das Völkerrecht. Die regierende United Conservative Party wies die indigene Kritik zurück und betonte, sie unterstützt ein souveränes Alberta innerhalb eines vereinten Kanadas.
Die Regierung von Alberta hingegen wirft der liberalen kanadischen Regierung vor, den Bau umstrittener Pipelines wie Keystone XL verhindert zu haben. Infrastrukturen, um Öl und Ölprodukte in die USA zu exportieren. Smith kritisiert die Liberalen, weil sie die Energiewirtschaft angeblich mit Auflagen – raumordnerischen und ökologischen – knebeln.
Diese Politik lehnt sie ab und sie wird es nicht länger tolerieren, kündigte sie “Widerstand” an, dass die Industrien von Alberta von der liberalen Bundesregierung bedroht werden. Außerdem kritisiert sie, dass der Bundesstaat seine Hand auf die Ressourcen von Alberta legt.
Die Töne von Smith, sie besuchte bereits US-Präsident Trump, schreckten auf, besonders die First Nations. Indigene Politiker forderten Smith auf, zurückzutreten.
In einem Brief forderten sie den liberalen Premier Carney auf, Alberta auf die Einhaltung der Verträge zu verpflichten. Sie werden weitere Vertragsbrüche nicht dulden.
Indian Country Today zitiert Brooks Arcand-Paul, NDP-Abgeordneter des Bezirkes Edmonton-West Henday. Der Angehörige und Rechtsberater der Alexander First Nation erinnerte die Premierministerin daran, dass die First Nations einer angestrebten Trennung Albertas von Kanada zustimmen müssten. Alberta kann die Verträge nicht – und schon gar nicht einseitig – auflösen, warnt Brooks die Regierungschefin. Sie ist dazu nicht befugt, wurden doch die Verträge von den First Nations mit der britischen Krone ausgehandelt. Nicht mit Alberta.
Die First Nations in Alberta pochen auf die Einhaltung der Verträge und auf die Respektierung ihrer Souveränität. Sie wollen nicht der 51. US-Bundesstaat werden genauso wenig Teil eines neuen Staates Alberta. Die First Nations werden ihr Land verteidigen, Alberta ist indianisches Land, kündigt Brooks rechtlichen Widerstand an.
Siehe auch:
– First Nations und Metis in Alberta
– Alberta Seperation Referendum
– Kanada-Alberta: First Nations stellen sich gegen die konservative Provinzregierung
– Kanada-Alberta: Schert die Provinz aus?
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