Kalaallit Nunaat/Nuuk: Neues US-Außengebiet?

Kaufen oder militärisch besetzen, die Alternativen Grönlands

Wie lange wird Grönland noch zu Dänemark gehören?

Wie lange wird Grönland noch zu Dänemark gehören?

Von Wolfgang Mayr

 

Möglicherweise ist Puerto Rico das Vorbild für die Annexion von Grönland. 1898 übernahm die USA die Kontrolle über diese Karibik-Insel. Aus Sicherheitsgründen lautete die Begründung damals.

Seitdem ist Puerto Rico Teil der USA, ein Außengebiet wie 13 andere auch. Ein US-Territorium, aber kein Bundesstaat. Also eine Art Kolonie. Die Puerto Ricaner:innen sind trotzdem US-Bürgerinnen ihrer „Müll-Insel“, wie ein Trump naher Comedian Puerto Rico verunglimpfte. Nicht von ungefähr fühlen sich viele Einwohner:innen von der US-Politik vernachlässigt.

Wohl auch deshalb will eine Mehrheit der Inselbewohner den USA beitreten, 51. Bundesstaat werden, mit allen Rechten und Pflichten. Bei den Gouverneurswahlen 2024 stimmte ein Drittel der Wählenden aber auch für den Unabhängigkeitskandidaten Juan Dalmau. Ein borstiges Außengebiet. Borstig wie die Demokratin und strikte Trump-Gegnerin Alexandria Ocasio-Cortez, sie hat puerto-ricanische Wurzeln.

 

Grönland, US-Außengebiet?

Ist für Präsident Trump Puerto Rico das nachzuahmende Beispiel für Grönland? Die in Grönland stationierten 200 US-Soldaten könnten im Handstreich die Insel „nehmen“.

Trump plant aber auch – als Alternative – eine Bestechung der Grönländer:innen, 100.000 Dollar pro Kopf, um ein US-Außengebiet zu werden. Gesamtwert sechs Milliarden Dollar. Trump als Pate, der Grönland kaufen will, aber weit unter ihrem Wert. Trump, der typische Immobilienspekulant.

Bereits in seiner ersten Amtszeit posaunte Trump seine grönländischen Immobilienpläne hinaus. Er will die Eisinsel kaufen. 50 Milliarden Dollar, 500 Milliarden Dollar. Die „Financial Times“ schätzt den Wert Grönlands auf 1,1 Billionen Dollar. Die angebotenen 100.000 Dollar pro Kopf, insgesamt also sechs Milliarden, ein Immobilienpreis-Dumping.

Wie einst beim „Kauf“ von Manhattan. Die Holländer erwarben 1626 von den Lenape Manna-Hatta im „Wert“ von 60 Gulden, 24 Dollar, weiß „planet wissen“.

 

Regierungsparteien und Opposition gegen Trump

Ob sich die Grönländer:innen so über den Tisch ziehen lassen? Möglicherweise. Eine Partei ist besonders von Trump begeistert, die einst links-antiimperialistische Naleraq, mit fast 25 Prozent zweistärkste Kraft im Parlament in Nuuk. Sie setzt auf eine rasche Unabhängigkeit von Dänemark und plädiert für eine zügige Hinwendung zu den USA.

Doch auch die oppositionelle Naleraq unterschrieb eine Erklärung mit den vier Parteien der Regierungskoalition gegen die Pläne des US-Präsidenten. Botschaft, sie wollen keine Amerikaner und keine Dänen sein, sind Grönländer. Trump wird davon beeindruckt sein.

Bei den Parlamentswahlen 2025 löste die liberale Partei Demokraatit die bis dahin regierende linksgerichtete Inuit Ataqatigiit (IA) ab. Die IA setzte auf den Ausbau der Selbstverwaltung, über die Voll-Autonomie sollte zu einem späteren Zeitpunkt schrittweise ohne Bruch mit Dänemark die Unabhängigkeit erreicht werden. Die IA betonte die Rechte der Inuit, ihrer Kultur und Traditionen. Die Regierungsverantwortung ließ IA in die politische Mitte rücken.

Die Demokraten wurden von einem Drittel der Wählenden zur stärksten Partei gemacht. Lange galten sie als die Partei der dänischstämmigen Grönländer:innen, deshalb pro-dänisch, pro-europäisch, autonomistisch-moderat, sozial-liberal. Lange das glatte Gegenstück zu Inuit Ataqatigiit, inzwischen zwei der Koalitionspartner. Der Grönland-Wahn des US-Präsidenten stärkt bei den Demokraten einer strikteren Autonomiekurs.

Mit in der Koalition vertreten sind auch die Sozialdemokraten von der Siumut, die historische Autonomiepartei und jahrelang die stärkste politische grönländische Kraft. Bei den Parlamentswahlen rutschte Siumut auf den vierten Platz ab, bei den späteren Kommunalwahlen sicherte sich Siumut in drei der fünf Gemeinden abermals die Mehrheit.

Und mit Atassut ist eine weitere pro-dänische Partei in der grönländischen Regierung vertreten. Diese Konservativen sind für die Union mit Dänemark, für die militärische US-Präsenz und lehnten bisher strikt die Unabhängigkeit ab. Atassut steht mit ihrer gemäßigten konservativen Position der demokratischen Mehrheitspartei nahe. Mit der Beteiligung an der grönländischen Regierung vollzog Atassut einen Kurswechsel hin zur Mitte und vertritt inzwischen auch einen erkennbaren autonomistischen Kurs.

 

Roadmap für Unabhängigkeit liegt vor

Es wird US-Präsident Trump nicht sonderlich interessieren, dass sich der  Verfassungsausschuss des grönländischen Parlaments bereits auf einen Fahrplan geeinigt hat. Richtung Unabhängigkeit und das ohne eine dänische verfassungsrechtliche Hürde. Das grönländische Autonomiestatut von 2009 sieht vor, dass Grönland diesen Entscheid unilateral fällen darf. Also ohne in Abstimmung mit der dänischen Regierung.

Mit diesem Autonomiestatut trat die dritte Stufe der Dekolonialisierung in Kraft, die ersten zwei bestanden in der Deklarierung Grönlands als eigenständigem Bestandteil des dänischen Königreichs (1953) und der Einführung einer begrenzten Selbstverwaltung (1979).

Angedacht wird in der erwähnten Roadmap eine schrittweise Unabhängigkeit, möglicherweise zeitweise noch unter dem dänischen Dach. Der Politologe Rasmus Leander Nielsen geht davon aus, dass es keinen klaren Schnitt zwischen Kalaallit Nunaat und Dänemark geben wird. Laut Nielsen von der Universität Ilisimatusarfik/Grönland wird es auf eine “freie Assoziation” hinauslaufen, in der sich zwei souveräne Staaten auf eine enge Zusammenarbeit in gewissen Bereichen einigen.

Als Beispiel zitiert Nielsen das Verhältnis den Marshall-Inseln und der USA. Kalaallit Nunaat könnte die Verteidigungspolitik Dänemark “übertragen” und die übrigen bisherigen “zentralstaatlichen Befugnisse” – wie Verfassung, Staatsbürgerschaft, Außenpolitik sowie Währung und Finanzen – zurückholen.

Letztendlich ähneln diese Überlegungen auch dem Modell der US-Außengebiete. Lassen sich die Grönländer:innen nicht bestechen, nicht mit lächerlichen Summen abspeisen, wird Trump nach dem Motto „und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt“ Grönland als 15. Außengebiet den USA einverleiben.

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