30 Jahre unabhängig: Beraubt und belagert – trotzdem feiert sich die Ukraine

Von Wolfgang Mayr

Am 24. August feiert die Ukraine den 30. Jah­res­tag ihrer Unab­hän­gig­keit. Über mehrere Generationen hinweg träumten UkrainerInnen von einem eigenen Staat.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und nach der bolschewistischen Revolution in Russland war die Ukraine kurz selbständig, getragen von der anarchistischen Bauernbewegung von Nestor Machno (Nestor Machno und seine ukrainische anarchistische Volksarmee – „Erinnert Euch an mich“ (Archiv) (deutschlandfunkkultur.de). Die bolschewistische russische Staatsmacht zerschlug die erste unabhängige ukrainische Republik.

Im Zweiten Weltkrieg wüteten auf dem Gebiet der Ukraine die Todeskommandos Stalins und Hitlers. Das stalinistische Regime provozierte eine gezielt herbeigeführte Hungersnot, der mehrere Millionen Menschen zum Opfer fielen. Die Nazi-Wehrmacht und die Terrororganisationen des Nazi-Staates verwandelten die Ukraine in „Bloodlands“, schreibt der us-amerikanische Historiker Timothy Snyder (sieher: Einige Stimmen zum Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion – ukraineverstehen.de)

Das stalinistische Regime russifizierte gewaltsam die ukrainische Sowjet-Republik (siehe: Die hingerichtete Renaissance und Stalins Kampf gegen die ukrainische Intelligenzija (ukraineverstehen.de).

Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ergriff die Ukraine die Chance, sich aus der russischen Umklammerung zu befreien. Seit 30 Jahren versucht nun die Ukraine einen eigenständigen Weg zu gehen. Ein schwieriges Unterfangen.

Das Zentrum Liberale Moderne schreibt auf seiner homepage Ukraine verstehen: „Der 30. Jah­res­tag ist ein Grund, zu gra­tu­lie­ren – und einen Blick auf dieses große und span­nende Land im Osten Europas zu werfen!“

Die Ukraine hat es trotz der belastenden sowje­ti­schen Ver­gan­gen­heit geschafft, sich mehr oder weniger demo­kra­ti­sch zu ent­wi­ckeln. Kein leichtes Experiment und keine Selbstverständlichkeit. In Russland und den ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken konnten sich auto­ri­tä­re Systeme etablieren. Im Schatten der anhaltenden rus­si­schen Aggres­sion in der östlichen Ukraine und der völ­ker­rechts­wid­ri­gen Anne­xion der Krim wurden demokratische Insti­tu­tio­nen aufgebaut. Mit allen Mängeln und Schwächen und dem üblen sowjetischen Erbe der Korruption und der im Hintergrund agierenden Seilschaften. Es wird sich zeigen, wie ernst die ukrainische Politik ihren Staat dezentralisiert. Das Land erklärte sich außerdem bereit, mit dem Asso­zi­ie­rungs­ab­kom­men euro­päi­sche Stan­dards zu übernehmen, in Rich­tung Euro­päi­sche Union. Dafür sorgte die Maidan-Revolution von 2013.

In Deutschland, und nicht nur dort, ist das Verständnis für die ukrainische Selbstständigkeit gering. Unter dem Motto „Nie wieder“ solidarisieren sich weite Teile der SPD, die Linke und die AfD unbesehen mit Russland, weil Opfer der Nazis, die Linken, weil illiberal und nationalchauvinistisch die Rechte. Die Ukrainer gelten kollektiv als Nazi-Kollaborateure. So als ob in vielen anderen von den Nazis besetzten Ländern, Polen wie Russland, Frankreich wie Italien, nicht genügend willige Helfer zur Stelle waren.

Für die kritische Solidarität mit der Ukraine wirbt das Zentrum für Liberale Moderne, ein Zusam­men­schluss zivil­ge­sell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen und poli­ti­scher Stif­tun­gen. Das Zentrum unter­stüt­zt die ukrai­ni­sche Zivil­ge­sell­schaft, wirbt für ein infor­mier­tes und dif­fe­ren­zier­tes gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis und die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Deutsch­land und der Ukraine.

Das Zentrum Liberale Moderne nutzt den 30. Jah­res­ta­g dafür, die Ukraine und ihre Men­schen in Deutsch­land sicht­ba­rer zu machen. Die Initia­tive „Ukraine 30“ bietet eine Reihe von Ver­an­stal­tungen, bis Dezem­ber 2021.

Das LibMod steht für die Ver­tei­di­gung und Erneue­rung der libe­ra­len Moderne: „Die Kom­bi­na­tion indi­vi­du­el­ler Frei­heit mit Demo­kra­tie, Welt­of­fen­heit und kul­tu­rel­ler Viel­falt steht welt­weit unter Druck. In einer Zeit fun­da­men­ta­ler Ver­än­de­run­gen braucht es ein par­tei­über­grei­fen­des Nach­den­ken über die Zukunft unseres Gemein­we­sens und der inter­na­tio­na­len Ordnung.

Für uns gehören indi­vi­du­elle Frei­heit und gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt, Selbst­ver­ant­wor­tung und starke öffent­li­che Insti­tu­tio­nen zusam­men. LibMod will Sam­mel­punkt für Frei­geis­ter aus allen poli­ti­schen Lagern sein und Ant­wor­ten auf die großen Her­aus­for­de­run­gen unserer Zeit suchen. Das Zentrum wurde 2017 von Marie­luise Beck und Ralf Fücks gegründet.

Warum das Zentrum Libe­rale Moderne? Hier.die Erklärung:

www.twitter.com/liberalemoderne

www.facebook.com/liberalemoderne

LibMod_WerWirSind2.pdf

Die Ukraine wird 30 – feiern wir zusammen! – ukraineverstehen.de

30 Jahre Unabhängigkeit der Ukraine – Interview mit Oskar Mangur – ukraineverstehen.de

30 Jahre unabhängig: Was nun auf die Ukraine zukommt | Herzinger.org

(45) 30 Jahre unabhängige Ukraine: Die demokratische Zivilgesellschaft sucht ihren Weg – YouTube

Luhansk im Sommer und Herbst 2014: Furcht und Ohnmacht (ukraineverstehen.de)

80 Jahre nach dem „Unternehmen Barbarossa“ – ukraineverstehen.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite