24-02-2026
USA-Indian Country: Die Apples sind zurück
Die wirtschaftlichen Hoffnungen der Trump-Indianer
Ein nicht unbeträchtlicher Teil der indianischen Bevölkerung der USA setzt auf MAGA-Präsident Donald Trump. Foto: clickorlando.com
Von Wolfgang Mayr
In den bewegten 1970er Jahren beschimpften militante Stadt-Indianer und Reservats-Traditionalisten ihre angepassten Schwestern und Brüder als Apples. Außen rot, innen weiß. Angepasst, assimiliert, Botschafter des Way of Life. Nur für einen Bruchteil der indianischen Minderheit erreichbar. Viele indianische US-Bürger:innen wählten nicht. Wählten sie, stimmten sie meist für die Demokraten.
Die Republikaner waren eine politische Minderheit unter dem indianischen Wählervolk. Prorepublikanisch waren und sind die Tsalagi – Cherokee – in Oklahoma, seit sie 1838 vom Demokraten und Indianerhasser Andrew Jackson aus ihrer Heimat in den Zentral-Appalachen vertrieben wurden. Republikanisch – aus Enttäuschung – wählen auch die Lumbee in North-Carolina, die inzwischen von der Trump-Regierung bundesstaatlich anerkannt wurden. Republikanisch-indianische Wählende, lange eine Minderheit.
Dies scheint sich nun grundlegend geändert zu haben. So wie viele Latinos und mexikanisch-stämmige Chicanos sowie Schwarze kreuzten auch indianische Wähler:innen bei den letzten Präsidentenwahlen Donald Trump und seine weiß-christlich-nationalistische MAGA-Partei an.
Das First Nations Development Institute befragte Wählende des indigenen Amerikas nach ihren Wahlprioritäten. Die steigenden Lebenshaltungskosten, die Stammessouveränität, Landrechte und der kulturelle Schutz galten bei den Wahlen 2024 als ihre wichtigsten Anliegen. Donald Trump und seine Republikaner wurden von 47 Prozent der indianischen Männer und von insgesamt von 39 Prozent der indigenen Bürger:innen gewählt.
Eine Befragung von mehr als hundert Stammespolitiker:innen und indigenen Organisationen durch das National Center for American Indian Enterprise Development ergab eine diffuse Pro-Trump-Stimmung. Gleich mehrere Maßnahmen der Regierung stimmten sie optimistisch: Das geplante Verbot schädlicher Zusatzstoffe in Lebensmitteln, größere unternehmerische Freiräume auf den Reservaten durch die „America First“-Politik, die Entbürokratisierung sowie eine angeblich effizientere Zuteilung und Nutzung von Steuergeldern des Bundes.
Aus diesem Grund würdigte der republikanische Stratege Michael Stopp, ein Cherokee, die Trump-Regierung. Mit Einschränkung, Trump setzt sich mit seiner Macht über den von den Republikanern beherrschten Kongress hinweg.
Trump und das Indian Country
Die Trump-Regierung erkannte die Lumbee – eine republikanische Hochburg – im östlichen North Carolina an, verordnete die Rückgabe von 680 Acres (2,7 Quadratkilometer) an die Spirit Lake Nation in North Dakota. Immerhin.
Aber, Präsident Trump änderte den Namen des höchsten Gipfels Nordamerikas, Mount Denali – ein Koyukon-Athabascan-Name – wieder in Mount McKinley. Seine Regierung sieht die Programme für Stammesnationen nicht als Umsetzung von Vertrags- und Treuhandpflichten.
Sein Justizministerium stellte gar das Geburtsrecht der Nachfahren der Ureinwohner infrage, sein Umwelt-Ministerium verkleinerte das Bears Ears National Monument und öffnete Schutzgebiete für Erdölbohrungen und den Bergbau.
Heimatschutz-Ministerin Kristi Noem dementierte vehement, dass Indigene von Beamten der Einwanderungsbehörde – kurz ICE – festgehalten wurden. Weil angeblich illegale Einwanderer:innen. Verschiedene Medien dokumentierten diese „Vorfälle“, die es laut Ministerin so nicht gab. Lügen als politische Agenda.
Trump verwendet eine beleidigende Sprache und hantiert mit rassistischen Klischees, „würdigt“ Einwanderer herab sowie politische Gegner. So teilte der Präsident ein Video, das seinen Vorgänger Barack Obama und dessen Gattin Michelle Obama als Affen zeigte.
All das scheint indigene Trump-Wählende kaum oder nicht zu berühren. Sie setzen und hoffen auf die Wirtschaftspolitik. Aber. Laut Business Insider ging die Beschäftigung beispielsweise im verarbeitenden Gewerbe um ein halbes Prozent zurück. Die Arbeitslosenquote wird laut dem Institute for Economic Policy Research der Stanford University voraussichtlich auf 4,5 Prozent ansteigen. Und die Krankenversicherungsprämien sind laut dem Institut bis zu 114 Prozent gestiegen.
Seinen Zoll-Krieg – inzwischen vom Obersten Gerichtshof gestoppt – begründete Trump als eine Strategie zur Tilgung der Staatsschulden. Unter Präsident Biden lagen diese bei 36 Billionen Dollar, jetzt sind es laut Finanzministerium 38 Billionen Dollar. Und das Congressional Budget Office schätzt, dass Trumps wichtigstes Gesetz von 2025 – die „Big Beautiful Bill“ – bis 2034 weitere drei Billionen Dollar Schulden verursachen wird.
Für die indianischen Trump-Fans kein Grund zum Verzweifeln. Dino Rossi, Angehöriger der Tlingit, findet Trumps Politik zielführend. Der Republikaner Rossi vertrat seine Partei im Senat des Bundesstaates Washington und scheiterte 2004 nur knapp an der Gouverneurs-Wahl. Der Immobilien-Unternehmer sagt, er verstehe Trumps Verhandlungsstil, Ziel ein „Big Deal“.
Rossi ist deshalb überzeugt, dass Trumps Wirtschaftspolitik das Leben erschwinglicher machen und den Einzelnen stärken wird. Als Beispiel zitiert Rossi die Gesundheitspolitik, die die Bürger:innen stärkt und nicht die großen Versicherungsgesellschaften. Außerdem schafft er Chancen, über die andere Politiker nur reden, ist Rossi überzeugt.
Im Kongress unterstützen drei indigene republikanische Abgeordnete Präsident Trump, Markwayne Mullin, Cherokee, Josh Brecheen, Choctaw und Tom Cole, Chickasaw, alle aus Oklahoma. Das vierte indigene Kongress-Mitglied ist Sharice Davids, Ho-Chunk aus Kansas und oppositionelle Demokratin.
Mullin verteidigt vehement Trumps außen- und innenpolitische Agenden, wie Einwanderung, Grenzsicherheit, Fertigstellung der Grenzmauer und die Beschleunigung der Asylverfahren. „Ich bin stolz, an der Seite der Trump-Regierung in diesem Kampf zu sein, um Amerika wieder großartig zu machen“, sagte Mullin „Indian Country Today“.
Der Republikaner Rick Lewis (Bridge River Indian Band in British Columbia) würdigte das Engagement der Trump-Regierung für das Indian Country. Außerdem ernannte Trump eine Reihe indianischer Vertreter in Schlüsselpositionen der Regierung.
So ist Mark Cruz, ein Klamath, leitender Berater des Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. Neben Cruz spielen zwei weitere indigene Republikaner eine bedeutende Rolle in der Regierung. Die ehemalige Abgeordnete Yvette Herrell, eine Cherokee aus New Mexico, wartet auf ihre Bestätigung als stellvertretende Landwirtschaftsministerin. Der ehemalige Abgeordnete von North Carolina, Jarrod Lowery, Lumbee, ist leitender Berater des Staatssekretärs für Indianerangelegenheiten.
Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt stärkt jene Bürger:innen, sagt Lewis, die das Gefühl hatten, ihre Stimmen würden nicht gehört. Laut Lewis ist das die Landbevölkerung, unter der die Frustration hoch ist. Trump gibt diesen Menschen eine Stimme, lobt Lewis seinen Präsidenten. Sie haben jetzt das Gefühl, tatsächlich mitbestimmen zu können.
Anders klingt die Erzählung von indigenen Stadtbewohner:innen, wie beispielsweise in Minneapolis. Indigene stehen trotz dementierender Minister-Ansagen im Visier der ICE-Agenten. Eine Art Gestapo, schimpfte der ehemalige Trump-Fan und Comedian Joe Rogan.
Eine Ironie der Geschichte. Mit den Stimmen der Latinos, vieler Schwarzer und inzwischen auch von Indianern setzte sich Trump bei den Präsidentenwahlen durch. Viele dieser Menschen will Trump nun loswerden, über sein „Remigrations“-Programm. Dass die Appels mithelfen zeigt auch, dass die üble Terminationspolitik ihr Ziel erreicht hat.
Siehe auch:
– Indigene und der ICE-Einsatz in Minnesota
– Natives gegen ICE
– „Wir sind US-Bürger:innen“
– ICE-Zentrum steht auf einem Massengrab
– Indigene Reisewarnung
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