Ukraine-Krym: Ein annektierter Sehnsuchtsort

Mit der völkerrechtswidrigen Annexion raubte Putin-Russland den Krymtataren wieder die Heimat

Das Buch „Die Krimtataren: Geschichte – Kultur – Politik“, von Gesellschaft für bedrohte Völker, Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien, Mieste Hotopp-Riecke, Sarah Reinke, erschienen im Ibidem Verlag

Das Buch „Die Krimtataren: Geschichte – Kultur – Politik“, von Gesellschaft für bedrohte Völker, Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien, Mieste Hotopp-Riecke, Sarah Reinke, erschienen im Ibidem Verlag

Von Wolfgang Mayr

 

Dafür lässt sich der russische Kriegspräsident Putin von der Internationale der Antifaschisten feiern. Und er feierte pompös den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland vor 80 Jahren. Er sieht sich in der Tradition Stalins, des “Führers der Weltrevolution”. Stalin verbrämte patriotisch den sowjetischen Widerstand gegen den rassistischen Eroberungskrieg des Dritten Reichs als “Großen Vaterländischen Krieg”.

Dazu nachlesenswert die Schriften des Historikers Wassiiy GrossmanStalingrad” und “Leben und Schicksal”.

Für Putin ist sein dreijähriger Krieg gegen die Ukraine die Fortsetzung des erwähnten vaterländischen Krieges. Wieder müssen russischen Soldaten ausrücken, um den nazistischen Feind zu bekämpfen. Das ukrainische Volk und seine Führung, allesamt Neo-Nazis, tönt die russische Kriegspropaganda. Genau, Präsident Wolodymyr Selenskyj ist Sohn russischsprachiger Juden, genauso sein Ministerpräsident. Rechtsradikale Parteien sind im Parlament nicht vertreten. Anders als in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, in Rumänien usw usf.

Seinen großen vaterländischen Krieg führt Putin auch gegen die Krymtataren. Putins Vorbild Stalin ließ die Krymtataren 1943 kollektiv deportieren, weil angeblich Nazis. In 1990er Jahren kehrten die Deportierten in die unabhängig gewordene Ukraine zurück, auf die Krym. Die Nachfahren der einst Vertriebenen richteten sich in der alten neuen Heimat wieder ein. Bis 2014, als russische Soldaten die Halbinsel besetzten.

Trotzdem, die Krym ist die Heimat der Tataren, sie ist ihr Land. Nicht russisch, wie die Kreml-Apparatschiks es erzählen, inzwischen beteiligen sich an diesem russischen Polit-Narrativ auch US-Präsident Trump und sein ausgesprochen radikaler Vize J.D. Vance.

Er und Trump sollten das Buch “Die Krimtataren” von Sarah Reinke und Mieste Hotopp-Riecke lesen. Die beiden Herausgeber und eine Reihe von Autor:innen geben Antworten auf viele Fragen. Wer sind die Krimtataren? Woher kommen sie? Was hat ihre Geschichte geprägt? Wie ist die aktuelle Situation auf der Krim?

Das Buch ist eine weitreichende Darstellung der krimtatarischen Geschichte, einer faszinierenden Kultur, der politischen Entwicklungen und der heutigen Situation. Es ist ein Gemeinschaftswerk vieler Autorinnen, Autoren und eines Redaktionsteams, deren Beteiligte von der Krim teils zweimal flüchten mussten: Erst in die Festland-Ukraine, dann weiter in die Europäische Union.

Dies Buch schrieben krimtatarische, ukrainische und deutschsprachige Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Redakteur*innen als Zeichen der Solidarität, des ungebrochenen Lebenswillens und Widerstandes sowie der Zusammenarbeit auch unter widrigsten Bedingungen.

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