Russland-Terrorprozess: Daria Egereva vor Gericht

Die russische Justiz wirft der indigenen Aktivistin terroristische Aktivitäten vor

Daria Egereva. Foto: https://icipr.international/, СС-BY-SA 3.0

Daria Egereva. Foto: https://icipr.international/, СС-BY-SA 3.0

Von Tjan Zaotschnaja

 

Daria Egereva ist am 17. Dezember 2025 verhaftet worden, seit dem 11. Februar 2026 muss sie sich vor Gericht „verantworten“. Die Staatsanwaltschaft wirft Egereva vor, einer terroristischen Organisation anzugehören. Ihr droht eine jahrlange Gefängnisstrafe.

Daria Egereva ist Ko-Vorsitzende des „Internationalen Komitee der indigenen Völker Russlands“ ICIPR. Das Komitee nennt die Anklagen konstruierte und erfundene Vorwürfe. Mit seinen Anti-Extremismus- und Anti-Terror-Gesetzen unterbindet der russische Staat friedliche Menschenrechtsarbeit.

Eine Anklage lautet, Egereva soll angeblich Kontakte zum Aborigen Forum sowie zum Centre for Support of Indigenous Peoples of the North (CSIPN) gepflegt haben. Seit 2024 gilt das Aborigen-Forum-Netzwerk als „extremistische Organisation“. Beide Organisationen bekennen sich unmissverständlich zur Gewaltfreiheit.

„Wir machen uns große Sorgen um die Sicherheit von Daria Egereva. Sie ist eine der wenigen verbliebenen indigenen Menschenrechtsverteidiger in Russland. Viele sind aufgrund von Verfolgung oder aus Angst vor weiteren Repressalien bereits ins Exil geflüchtet. Ihre Verhaftung steht exemplarisch für die systematische Kriminalisierung indigener Aktivisten in Russland“, sagt Sarah Reinke von der GfbV. „Daria Egereva hat sich stets friedlich für die Rechte Indigener Völker und den Klimaschutz eingesetzt. Die Vorwürfe gegen sie sind politisch motiviert. Wir fordern ihre sofortige Freilassung“, betont Reinke.

Die GfbV fordert internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung für Daria Egereva. In Russland ist eine Solidarisierung unmöglich, Unterstützer:innen werden kriminalisiert und verfolgt.

Daria Egereva gehört den Selpuken an, einem der kleinsten indigenen Völker mit 3.500 Angehörigen. Die indigenen Völker Sibiriens, der Arktis und des Fernen Ostens zählen zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Sie sind politisch bedeutungslos, es gibt keine wirksamen Mechanismen zum Schutz ihrer Rechte. Daria Egereva setzt sich für indigene Rechte ein, unter anderem bei den Vereinten Nationen.

Als indigene Vertreterin nahm sie an mehreren Weltklimakonferenzen teil, sowie am Expertenmechanismus der Vereinten Nationen für die Rechte indigener Völker (EMRIP) und am Ständigen Forum der Vereinten Nationen für indigene Fragen (PFII). Seit 2023 ist sie Ko-Vorsitzende des IIPFCC (International Indigenous Peoples Forum on Climate Change). Sie ist außerdem Mitglied der Facilitated Working Group der Local Communities Indigenous Peoples Platform (LCIPP) und hat zur Entwicklung strukturierter Mechanismen für die Zusammenarbeit zwischen Staaten und Indigenen Völkern im Rahmen der UNFCCC beigetragen.

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