19-02-2026
Russland-Schergenstaat: Was ist vom Putin-Regime zu erwarten?
Seit Wochen wird verhandelt, seit Wochen verlangt Putin die ukrainische Kapitulation
Der aus Russland stammende Schweizer Journalist Alexander Estis und sein Bild über das kriegsführende Russland in der Ukraine. Foto: NZZ Libro
Von Wolfgang Mayr
Sekundiert wird Putin in seinen Bemühungen von den USA, von den Immobilien-Profis Trump, Jared Kushner und Steve Witkoff. US-Präsident Trump wollte den russischen Krieg in der Ukraine in 24 Stunden beenden. Er wird wohl amerikanische 24 Stunden gemeint haben, also eine unbegrenzte Anzahl an Stunden. Trump empfiehlt der Ukraine die Abtretung des Donbas an Russland, das fordert Putin auch.
Die beiden Männerfreunde hoffen auf eine Kapitulation der Ukraine. Die westliche Unterstützung lässt nach, auch die europäische Solidarität, die ukrainische Bevölkerung angesichts des ständigen Drohnen- und Raketenterrors kriegsmüde. Europas Rechtsradikale, von der AfD, über die österreichische FPÖ bis hin zum französischen RN hoffen mit Trump und Putin mit.
Die Friedenspolitiker Trump, Kushner und Witkoff – denen das Schicksal der Ukraine egal ist – sollten das Buch „Schergenstaat Russland“ von Alexander Estis lesen. Der in der Schweiz lebende Journalist und Autor übersiedelte 1995 im Alter von neun Jahren mit seiner Familie aus Moskau nach Deutschland. Estis, jüdischer Abstammung, hat 26 Artikel und Kommentare zu einem Band gebündelt. Besonders detailliert setzt sich Estis mit der Militarisierung und Fanatisierung des russischen Schul- und Hochschulwesens auseinander.
Den Artikeln und Kommentaren ist die Verzweiflung über den russischen Eroberungskrieg in der Ukraine anzumerken, heißt es in der Buch-Besprechung der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. Könnte für das Immobilien-Trio Trump, Kushner und Witkoff erhellend sein. Estis verschafft einen Einblick in die Veränderungen der russischen Gesellschaft seit Februar 2022. Er beleuchtet, wie Russland – und das schon lange vor Kriegsbeginn 2014 mit der Annexion der Krym – in Militarismus, Autoritarismus und Faschismus versinkt.
Die radikale Linke und die radikale Rechte in Kombination mit Pazifisten übersehen geflissentlich die in diesem Krieg verübten russischen Kriegsverbrechen, die imperiale Gewalt, die Putin mit repressiven Gesetzen und einer Willkürjustiz praktiziert.
Widerstand wird brutal bestraft, bleibt deshalb wirkungslos. Die wenigen Kriegskritiker und Gegner sind einer breit gefächerten propagandistischen Hetze ausgeliefert, das Grauen wurde normalisiert, durch kremltreue Kultur und indoktrinatorischer Bildung, Ziel ist die Indifferenz und der Konformismus.
Den US-Sondergesandten Witkoff wird all dies nicht sonderlich bewegen. Er kümmert sich ja auch noch um das zerbombte Gaza und um den „Gottesstaat“ Iran. Für Lesen hat der golfspielende und immobilienzockende Sondergesandte wohl keine Zeit.
Siehe auch:
– Vier Jahre russische Invasion
– Gifte der Zerstörung
– Der Terror der russischen Besatzungsmacht
– Dekoder-Dossier über den russischen Krieg gegen die Ukraine
– Wie das russische Gas nach Deutschland kam
– Ukraine-Donbas: Russland und USA wollen die Region gemeinsam plündern
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