Olympia-Anpezo: Protest der Ladiner

Ladinische Flaggen gegen das Vergessen

Mit ihren Fahnen demonstrieren die Ladiner in Anpezo ihre Präsenz. Foto: bergsteigerdoerfer.org

Mit ihren Fahnen demonstrieren die Ladiner in Anpezo ihre Präsenz. Foto: bergsteigerdoerfer.org

Von Simon Constantini

 

Die Union de i Ladins de Anpezo (ULd’A) hatte dazu aufgerufen, für die gesamte Dauer der Olympischen Winterspiele ladinische Flaggen auszuhängen. Damit sollte ein stiller, dafür aber gut sichtbarer Protest gegen diese Großveranstaltung, die damit einhergehenden, massiven und umweltzerstörenden Eingriffe sowie insbesondere auch gegen die Marginalisierung der ladinischen Kultur und Sprache zum Ausdruck gebracht werden.

Offenbar hat die ULd’A damit einen Nerv getroffen, denn der Aufruf scheint auf großen Widerhall gestoßen zu sein. Rund 500 ladinische Flaggen, die die Kulturvereinigung zu diesem Zweck organisiert hatte, waren in kürzester Zeit vergriffen, sodass nun über die Dachorganisation Union Generela in Urtijëi (Südtirol) weitere beschafft werden müssen.

Die Vorsitzende der ULd’A, Elsa Zardini, zeigte sich auch davon beeindruckt, wie viele Nichtladinerinnen sowie Zweitwohnungsbesitzerinnen sich aus Überzeugung oder Solidarität an der Aktion beteiligen. Der Aufruf soll außerdem auch in Col und Fodom, wo zwar keine Sportveranstaltungen stattfinden, aber Publikum untergebracht sein wird, voll eingeschlagen haben.

Die vielen gut sichtbar an den Fassaden angebrachten ladinischen Flaggen werden ihr Ziel vermutlich nicht verfehlen. Einerseits senden sie eine politische Botschaft an Regierende und Veranstalterinnen, dass die gewählte Top-Down-Vorgehensweise nicht goutiert wird. Andererseits werden die Flaggen wohl auch die Neugier vieler Zuschauerinnen, Athletinnen und Medienleute wecken, sich nach den Hintergründen der Aktion zu erkundigen und der örtlichen Identität zumindest etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Mit dem Protest solidarisch erklärte sich die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN).  Die FUEN ruft die Verantwortlichen der Olympischen Winterspiele 2026 dazu auf, Minderheitensprachen und Minderheitenkulturen bei der Durchführung und der offiziellen Kommunikation der Spiele zu berücksichtigen.

Dafür tragen aus der Sicht der FUEN auch die offiziellen Strukturen eines internationalen Großereignisses Verantwortung. Fuen-Vize Bahne Bahnsen dazu:

„Wenn Großereignisse wie die Olympischen Spiele in Regionen mit autochthonen Minderheiten stattfinden, müssen deren Sprachen und Kulturen Teil des offiziellen Auftritts sein. Sichtbarkeit ist keine symbolische Geste, sondern Ausdruck von Respekt und Gleichberechtigung. Wer Vielfalt propagiert, muss sie auch konkret umsetzen. Dazu gehört, dass Minderheitensprachen im öffentlichen Raum und bei offiziellen Anlässen selbstverständlich präsent sind.“

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