Kalaallit-USA-EU: „Hört auf uns!“

Die Grönländer suchen für ihr Anliegen Verbündete

Die grönländische Anwältin Aaju Peter appelliert an ihre Landsleute, zusammenzustehen. Für Grönland, gemeinsam mit Dänemark und der EU. Foto: cbc.ca

Die grönländische Anwältin Aaju Peter appelliert an ihre Landsleute, zusammenzustehen. Für Grönland, gemeinsam mit Dänemark und der EU. Foto: cbc.ca

Von Wolfgang Mayr

 

US-Präsident Trump überzieht EU-Staaten, die Grönland unterstützen, mit Strafzöllen. Trump eskaliert, er kopiert seinen erfolgreich operierenden und gewalttätig eskalierenden Männerfreund Putin. Trump agiert wie die Mafia, die von den ihr Bedrohten Schutzgeld fordert.

Trotzdem ließ Ministerpräsident Nielsen den mächtigsten Mann der Welt wissen, lieber bei Dänemark bleiben (trotz der menschenverachtenden kolonialen Praktiken Dänemarks) und nicht ein US-Außengebiet (wegen des Völkermords an den indianischen Völkern) werden zu wollen.

In Grönland haben die Menschen Angst, vor Trump, vor der US-Army. Naaja Nathanielsen, Grönlands Ministerin für Wirtschaft und Rohstoffe, bestätigt in Indian Country Today, dass die Menschen in Grönland angesichts des US-Politik sehr besorgt sind. „Die Leute schlafen nicht, Kinder haben Angst“, beschreibt Nathanielsen die Stimmung auf der Insel.

Bei dem Treffen der dänisch-grönländischen Delegation mit US-Vize Vance und Außenminister Rubio bleib die US-Seite unmissverständlich, die USA wollen Grönland.

Ministerin Nathanielsen von der linksökologischen Partei Inuit Ataqatigiit stellt klar und deutlich hinter ihrem Ministerpräsidenten, „wir haben nicht die Absicht, Amerikaner zu werden.“ Sie ergänzt, dass die US-Rhetorik beleidigend ist und dass Grönland sich verraten fühlt.

Wahrscheinlich fühlt sich Grönland auch vom NATO-Generalsekretär Mark Rutte verraten, der sich im aktuellen Streit zwischen Dänemark, Grönland und den USA einfach weg duckt. Trotz der unsäglichen Trump-Sager, „so oder so werden wir Grönland haben.“

Minister Nathanielsen erinnert den Zocker im Weißen Haus daran, dass die Menschen in Grönland nicht nur ein Mitspracherecht über ihre eigene Zukunft haben. „Ich hoffe, dass das Volk Grönlands ein Mitspracherecht bekommt“, hofft Nathanielsen: „Für andere mag das ein Stück Land sein, aber für uns ist es unser Zuhause.“

Das Inuit Circumpolar Council solidarisiert sich mit den Grönländer:innen. Der ICC ist eine lose Organisation der 180.000 Inuit in Alaska, Grönland und der russischen Region Tschukotka. ICC-Vorsitzende Sara Olsvig warf der USA Menschenverachtung vor. Sie findet es erschreckend, wie der US-Präsident über die Grönländer spricht. Olsvig betont, dass die Inuit nicht erneut kolonisiert werden wollen.

 

„Sucht die Einheit“

Aaju Peter, eine aus Grönland stammende Rechtsanwältin im kanadischen Inuit-Autonomie-Gebiet Nunavut, appelliert an ihre Landsleute, zusammenzustehen. „Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und nicht aus Angst zu handeln, denn genau das will Trump“, betont Peter im Gespräch mit Indian Country Today. „Wir sollten mit einer Stimme sprechen und uns gegenseitig unterstützen.“

Peter bekennt sich zur Rechtsstaatlichkeit, hofft auf die NATO und betont die unantastbaren Rechte der indigenen Völker. „Aber wenn das alles fallen würde, müssten wir neue Vereinbarungen und neue Denkweisen über die Realität schaffen, in der wir jetzt leben.“

Peter wirft Trump vor, die mögliche Gefährdung der US-Sicherheit durch Russland und China – wobei Trump sich ausgesprochen gut mit Putin versteht – als Vorwand zu benutzen. Trump geht es um die Reichtümer Grönlands, Peter wirft Trump vor, nicht ehrlich zur Welt zu sein.

Und Peter hofft auf die anhaltende Solidarität des unmittelbaren Nachbarn Kanada. Kanadas Außenministerin Anita Anand betont ganz in diesem Sinne „Kanadas standhafte Unterstützung für das Königreich Dänemark und Grönlands Souveränität und territoriale Integrität.“ Als arktische Nation beteiligt sich Kanada an der regionalen Sicherheit, richtet Ministerin Anand ihre solidarische Botschaft an Grönland.

Im Februar besucht Außenministerin Anand die grönländische Hauptstadt Nuuk und wird mit der kanadischen Generalgouverneurin Mary Simon, einer Inuk, ein Konsulat eröffnen. Ein Akt praktischer Solidarität.

 

Grönland, twice colonized

Peter engagiert sich schon seit langer Zeit für die Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark. Die Androhung einer US-Annexion erschwert den Gang in die staatliche Selbstständigkeit, wird Peter in der preisgekrönten Dokumentation „Twice Colonized“ zitiert.

Peter hofft, die grönländische Politik lässt sich von ihren Plänen nicht ablenken. Also von der Unabhängigkeit. Wegen Trump könnte dieser Prozess aber noch länger dauern, befürchtet Peter. Sie spricht sich für den grönländischen Zusammenhalt aus, nicht auf die Einschüchterungstaktiken der Trump-Regierung zu reagieren, die nur dazu dient, Angst zu schüren.

Aaju Peter und ihre Geschichte ist die Geschichte der Grönländer:innen. Sie wurde in jungen Jahren auf Schulen in Dänemark geschickt, verlernte dort ihre Muttersprache. Das war eine Art der privaten Kolonisierung, erzählt sie im Film „Twice Colonized“. Ihre Familie, wie die meisten anderen auch, litt unter häuslicher männlicher Gewalt. Sie schaffte es, aus dieser Sackgasse herauszukommen, studierte, wurde Anwältin, übersiedelte ins autonome Nunavut in Kanada und engagiert sich für Inuit-Rechte und für die grönländische Unabhängigkeit.

Auf die rabiaten Annexionspläne der USA entgegnet Aaju Peter: „Wir leben hier seit Tausenden von Jahren und gehen nirgendwohin“, die Ankündigung von Widerstand. „Wir mögen die Kälte und wir mögen unsere Kultur. Wir mögen unsere Sprache und … Wenn wir zusammenkommen, sollten wir uns gegenseitig unterstützen, und das würde uns nur Erleichterung bringen.“

Die Grönländer:innen trotzen dem Imperialisten aus dem Weißen Haus. Und die Europäer?

Die Wirtschaftswoche, kein „links-grün-versifftes“ Blatt, findet die Europäer zum Verzweifeln: „Es wird Zeit für Dänemark und die anderen Europäer, die bisherige Strategie des Appeasements zu ändern. War es im Fall Maduro vielleicht noch klug, sich hinter wachsweichen Formulierungen zu verstecken, um Trump nicht unnötig zu reizen, so findet diese Haltung ihr Ende, wenn es um die Sicherheit und Existenz eines Mitgliedsstaates der EU und der Nato geht.“

Hoffentlich hören die Europäer auf die Grönländer:innen! Ob sich die Inuit auf die Europäer verlassen können? Vermutlich nicht.

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