EU-Minderheiten: Sprachen schützen sich nicht selbst

ELEN fordert Unterstützung für die Minderheitensprachen

Das minoritäre Sprachennetzwerk ELEN wirbt mit seiner Kampagne für die Anerkennung und Förderung der Minderheitensprachen. Foto: ciemen.cat

Das minoritäre Sprachennetzwerk ELEN wirbt mit seiner Kampagne für die Anerkennung und Förderung der Minderheitensprachen. Foto: ciemen.cat

Von Simon Constantini

 

Das European Language Equality Network (ELEN) hat in den sozialen Medien eine Kampagne zum Schutz minorisierter Sprachen gestartet. Unter dem Motto „Sprachen schützen sich nicht selbst“ wird thematisiert, „warum institutionelle Unterstützung für den Schutz und die Förderung minorisierter Sprachen ausschlaggebend ist“:

 

Schützen und Bewahren: Eine Frage der Rechte

Minorisierte Sprachen starten nicht aus einer Position der Gleichheit. Für Jahrzehnte — oder sogar Jahrhunderte — waren sie von Schulen, öffentlicher Verwaltung, Justizsystem und Medien ausgeschlossen. Das ist der Grund, warum es ohne institutionelle Unterstützung eine sogenannte „Wahlfreiheit“ nicht wirklich gibt: was es gibt, ist strukturelle Ungleichheit.

Eine Sprache zu schützen und zu bewahren, heißt sicherzustellen, dass sie ohne Benachteiligung und ohne Hürden benutzt werden kann und dass ihre Sprecher:innen sie nicht aufgeben müssen, um vollständig an der Gesellschaft teilzuhaben.

 

Überleben allein reicht nicht: Eine Sprache muss im Alltag nutzbar sein

Eine Sprache darf nicht auf die Familie oder auf eine symbolische Ebene beschränkt bleiben. Um eine Zukunft zu haben, muss sie in allen Bereichen und Räumen des Alltags präsent sein: Bildung, Kultur, Wissenschaft und digitale Welt, aber auch im Umgang mit öffentlichen Institutionen, im Justizsystem, beim Arztbesuch, bei der Erledigung von Verwaltungsangelegenheiten, beim Einholen von Informationen, beim Einreichen von Beschwerden, beim Konsum von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten, beim Einkaufen, Informiertbleiben und bei der normalen Teilnahme am täglichen Leben.

Institutionelle Unterstützung erlaubt es einer Sprache, normal, nutzbar und sichtbar zu sein — nicht nur toleriert.

 

Sprache, Gemeinschaft und Demokratie

Die Unterstützung einer minorisierten Sprache nimmt niemandem etwas weg, noch schafft sie oder sollte sie Konflikte schaffen. Im Gegenteil: Sie behebt Ungleichheiten und erweitert Rechte, denn die Verteidigung einer minorisierten Sprache bedeutet auch, ihre Gemeinschaft zu verteidigen und sicherzustellen, dass sie in allen Lebensbereichen präsent sein kann.

Sprachen verschwinden nicht von alleine: sie verschwinden, wenn Institutionen es verabsäumen, sie zu schützen. Ohne institutionelles Engagement gibt es keine sprachliche Gerechtigkeit. Und ohne sprachliche Gerechtigkeit gibt es keine vollständige Demokratie.

Wie unter anderem einige der Links belegen, die ich in den Text eingefügt habe, ist vieles von dem, was die Sprach-NRO fordert, in Bezug auf die deutsche Sprache in Südtirol nicht oder nicht vollständig umgesetzt. Wenn wir hingegen an die ladinische Sprache denken, ist fast nichts davon gewährleistet.

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