23-07-2025
Katalonien-Barcelona: Comissionada del català
Eine Sprachbeauftragte soll das Schrumpfen der katalanischen Sprache stoppen

In Katalonien schrumpft seit Jahren die Zahl der Katalanischsprechenden. In Barcelona soll eine Sprachenbeauftragte dagegen steuern
Von Simon Constantini
Das Sprachern-Amt ist direkt dem Bürgermeister unterstellt und wird Maßnahmen ergreifen, die den Niedergang der katalanischen Sprache in der Hauptstadt von Katalonien stoppen und umkehren sollen. Angekündigt hatte Jaume Collboni (PSC), der sozialistische Bürgermeister von Barcelona, die Einrichtung eines Sprachbüros im Dezember 2024. Rund ein halbes Jahr später ist es so weit.
Zuvor war in der Metropole ein Rückgang derer, die als ihre Hauptsprache Katalanisch angaben, von 37 auf 36 Prozent bekannt geworden. Politischen Druck, daraufhin ein Büro zur gezielten Förderung der Landessprache einzurichten, kam vor allem von der katalanischen Linken ERC.
Zur ersten Comissionada del català, also Katalanisch-Beauftragten der Stadtregierung wurde die Kulturjournalistin und -aktivistin Marta Salicrù ernannt. Ihre größte Aufgabe wird es nun sein, das Katalanischbüro aufzubauen und ein bereits zwischen PSC und ERC ausverhandeltes erstes Maßnahmenpaket zugunsten der katalanischen Sprache umzusetzen.
In einer ersten Stellungnahme sprach Salicrù davon, dass Katalanisch die Identität von Barcelona präge. Es sei für sie nun prioritär, die Rolle der Sprache auf den Straßen und im Alltag der Stadt zu stärken. Hierzu werde sie auch darauf achten, dass die Rechte der Katalanischsprachigen — zum Beispiel Handel und Gastgewerbe — vollumfänglich respektiert werden.
Zusätzlich zu “traditionellen” sprachpolitischen Maßnahmen soll aber ein besonderes Augenmerk auch auf digitale Inhalte und “innovative” Maßnahmen gelegt werden, um insbesondere die jüngeren Zielgruppen zu erreichen. Trotz des konstatierten Rückgangs der Landessprache als Erstsprache sei jedoch ein positiver Befund, dass schon jetzt immer mehr Jugendliche auf die katalanische Sprache für kreative Zwecke im Digitalbereich oder in der Musik setzten — ein Trend den es zu unterstützen gelte.
Wie schon im Dezember angekündigt, wird der Sprachbeauftragten in dieser Amtsperiode ein Budget von vier Millionen Euro zur Verfügung stehen, um das Band zwischen Landeshauptstadt und Landessprache zu festigen. Defätismus sei jedenfalls keine Option, so Salicrù.
Siehe auch:
– Ministerium für Sprachpolitik
– Neuer Pakt für die katalanische Sprache
– Koloniales Kulturverständnis in Bozen
– Il Canada ha un ministro alle lingue ufficiali
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