USA-Iran: Und die Kurden?

Präsident Trump forderte die Kurden zur Offensive gegen den Iran auf, jetzt rudert er zurück

Soldaten der Armee der Islamischen Republik Iran marschieren während der Parade zur Woche der Heiligen Verteidigung 2011 vor den höchsten Befehlshabern der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran. Foto: Reza Dehshiri, CC BY 4.0

Soldaten der Armee der Islamischen Republik Iran marschieren während der Parade zur Woche der Heiligen Verteidigung 2011 vor den höchsten Befehlshabern der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran. Foto: Reza Dehshiri, CC BY 4.0

Von Wolfgang Mayr

 

US-Präsident Trump lehnt eine kurdische Offensive gegen das angegriffene iranische Regime ab. Eine kurdische Einmischung bedeutet mehr Komplikationen, begründet Trump seine Ablehnung, deshalb will er nicht, „dass Kurden dorthin gehen“.

Es war Trump, der Milizen der autonomen Region Kurdistan im Nord-Irak aufgefordert hatte, eine Offensive gegen die Islamische Republik zu starten. Nicht von ungefähr, attackiert doch die iranische Armee kurdische Stellungen im nördlichen Irak. Pro-iranische Milizen in der autonomen Kurden-Regionen kündigten weitere Angriffe auf kurdische Einrichtungen an.

Konfliktforscherin Dastan Jasmin kann sich nicht vorstellen, dass die „irakische“ Kurden sich in den Krieg der USA und Israels gegen den Iran hineinziehen lassen. Das vordergründige kurdische Ziel ist, erläuterte Jasmin im ZDF, „unversehrt“ zu bleiben.

In seinem ersten Gedankenspiel dachte Trump wohl, die kurdischen Milizen als Bodentruppen einzusetzen. Laut israelischen Medien rüsten die USA und Israel außerdem in den kurdischen Regionen im Iran Widerstandsgruppen auf. Die Kurden als Kanonenfutter?

Wahrscheinlich auf Druck des NATO-Staates Türkei gab Trump sein kurdisches Planspiel auf. Offensichtlich fiel dem selbsternannten Friedenspräsidenten gar nicht auf, dass er die Kurden bereits mehrere Mal verraten hat.

 

Remember Afrin

So „genehmigte“ Trump in seiner ersten Amtszeit 2018 den Einmarsch der türkischen Armee und ihrer islamistischen Helfershelfer in die kurdische Enklave Afrin im nordwestlichen Syrien. Drei Jahre nach der türkischen Besetzung war die Enklave „ethnisch gesäubert“, mehr als 300.000 kurdische Bürger:innen flohen vor den Besatzern und/oder wurden vertrieben, recherchierte 2021 die GfbV. Fazit der GfbV: Die Besetzung Afris und die Vertreibung der Kurd:innen war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Ermöglicht damals von US-Präsident Trump.

Vor einem Jahr startete das islamistische syrische Regime seine Offensiven gegen Alawiten, Drusen, Christen und Kurden. Mit aller Härte ging die „neue“ syrische Armee gegen die minderheitlichen Bevölkerungsgruppen vor, signalisierte unmissverständlich, dass es keine Autonomie geben wird. Die westlichen Staaten, allen voran die USA, zeigten Verständnis für den Krieg „niedriger Intensität“ gegen die Minderheiten.

 

Die Zerschlagung von AANES

Die ehemaligen US-amerikanischen Verbündeten ließen auch ihre kurdischen Partner fallen. Nach den islamistischen Anschlägen in Westeuropa 2015 griffen Kampfjets mehrerer westlicher Staaten den „Islamischen Staat“ in Syrien an. Die PYD-Milizen von Rojava agierten als Partner am Boden, als Bodentruppen gegen die IS-Terroristen. Den syrischen Kurden gelang es in Kooperation mit der westlichen Luftwaffe, den IS zu besiegen.

Trotzdem ließ US-Präsident Trump die Kurden fallen, er arrangierte sich – wie die EU auch – mit den neuen islamistischen Machthabern in Damaskus. Die syrische Armee rückte in das kurdische Autonomie-Gebiet AANES im nördlichen Syrien vor, zerschlug die Autonomieverwaltung. Die kurdischen Milizen sollen in die islamistische Armee integriert werden. Kurdische Forderungen nach politischer Autonomie lehnen die vom Westen unterstützten Islamisten strikt ab.

Die USA setzen kompromisslos auf die neuen Machthaber, Afrin wiederholte sich in großem Maßstab. Für Trump spielen die Kurden in Syrien keine Rolle mehr. Er opferte sie seiner Geopolitik.

Zynisch mutete deshalb der Appell Trumps an die Kurden an, sich an seinem Krieg gegen die islamofaschistische Diktatur im Iran zu beteiligen. Möglicherweise wären die Kurden wieder zu einem Machtfaktor geworden, davor warnte offensichtlich der türkische Partner.

Pech oder Glück für die Kurden. Wohl eher Glück, um die Konfliktforscherin Dastan Jasmin zu zitieren. In erster Linie geht es den Kurden, den Krieg unversehrt zu überstehen. Das wäre als Kanonenfutter der USA und Israels nicht machbar.

 

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