USA-Minnesota: Die Rückkehr der AIM-Streifen

Die urbane indianische Bevölkerung reagiert mit eigenen Patrouillen auf den Terror der ICE-Agenten

Das American Indian Movement ist wieder aktiv, in Minneapolis gegen die übergriffigen ICE-Beamten. Foto: John Arthur Anderson

Das American Indian Movement ist wieder aktiv, in Minneapolis gegen die übergriffigen ICE-Beamten. Foto: John Arthur Anderson

Von Wolfgang Mayr

 

Vor einem halben Jahrhundert gründeten in Süd-Minneapolis junge Angehörige der Indianer-Diaspora das American Indian Movement. Eine Art Miliz, um ihre Verwandten vor Polizeiübergriffen zu schützen.

Nachdem ICE-Agenten in die Stadt einfielen, der ehemalige Pro-Trump-Podcaster Joe Rogan betitelte sie als Trumps Gestapo, reagierte die Community mit der Aufstellung von Patrouillen. Sie verteidigen Jugendliche und ältere Menschen gegen die Beamten der Einwanderungsbehörde entlang der Route, die als American Indian Cultural Corridor bekannt ist.

„Die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich aber“, findet Heather Bruegl, Aktivistin, Historikerin und Bürgerin der Oneida von Wisconsin. Und wenn sich die Geschichte reimt, tauchen bekannte Namen auf, schreibt „Indian Country Today“.

Wie Crow Bellecourt, Angehörige der Bad River Band of Chippewa, war in letzter Zeit auf Patrouillen. Ihr Vater, der verstorbene Clyde Bellecourt, gehörte 1968 zu den Gründern von AIM.

„Ich bin in der Bewegung aufgewachsen“, erzählt Bellecourt vom Indigenous Protector Movement „Indian Country Today“. „Ich sage immer: Ich bin zweite AIM-Generation. Für mich schließt sich der Kreis.“

 

ICE gegen Indianer

In die Auseinandersetzungen zwischen den Strafverfolgungsbehörden und Demonstranten in Minneapolis – einschließlich der Ermordung der 37-jährigen Renee Good – waren und sind auch viele Indigene verwickelt. „Wir sind von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends unterwegs“, sagt Bellecourt „Indian Country Today“. Manche sind auch – bei Bedarf – bis Mitternacht auf den Straßen.

Und genau wie 1968 wollen die Patrouillen die Gemeindemitglieder vor Übergriffen verteidigen, Verhaftungen verhindern. „Es ist wirklich beängstigend hier“, bestätigt Mary LaGarde vom Minneapolis American Indian Center. Laut LaGarde sind die Bundesbeamten der Einwanderungs- und Zollbehörde in die Twin Cities feindselig eingedrungen. Amtliches Ziel, Korruption und Kriminalität in den migrantischen Bevölkerungsgruppen zu bekämpfen.

„Diese ICE-Agenten sind überall in unserer Nachbarschaft. Ich habe Angst um unsere alten Leute und die Jungen, die einfach nur den Stadtbus zum Supermarkt nehmen wollten. … Ich mache mir Sorgen, dass sie von ICE abgeholt werden“, beschreibt Bellcourt die Angst in der indigenen Community. Die ICE-Beamten schrecken auch davor nicht zurück, Kinder zu verhaften.

LaGarde, Angehörige der White Earth Band of Chippewa, kennt dieses Gefühl. „Unsere Ältesten haben Angst. Auch unsere jungen Leute. Das wirkt sich auf unsere Kinder aus“, kritisiert LaGarde das Vorgehen der ICE-Agenten. Die Patrouillen von AIM-Mitgliedern und Mitgliedern der Many Shields Warrior Society sind deshalb notwendig, ergänzt LaGarde.

Immer mehr Freiwillige melden sich, sie kommen aus South Dakota, Wisconsin, benachbarten Bundesstaaten sowie aus Oklahoma, zählt Bellecourt auf.

 

AIM schützt die community

Wie früher versammeln sich AIM-Mitglieder entlang der Franklin Avenue, so wie sie sich 1969 zur Besetzung von Alcatraz in San Francisco, dem Hauptquartier des Bureau of Indian Affairs 1972 in Washington und der Besetzung von Wounded Knee 1973 versammelt haben. AIM-Mitglieder erschienen 2020 auch in großer Zahl in Minneapolis, nachdem George Floyd in „Polizeigewahrsam“ gestorben war.

Die indigene Community und ihre Institutionen in Minneapolis sind effizient organisiert, leicht lassen sich Engagierte „mobilisieren“. Wie in der Frühzeit von AIM. „Wir hatten diese Handys und die sozialen Medien damals nicht“, sagte Bellecourt. „Alle riefen über Haustelefone an und es war erstaunlich, wie viele Leute kamen. Mein Vater nannte es den Mokkasin-Telegraphen und wo immer sie Leute brauchten, tauchten alle auf.“ Sie kamen, um zu helfen. Damals wie heute.

Bruegel erinnert sich an die ersten AIM-Aktivitäten auf den Straßen von Minnepolis. Wurden Indianerinnen und Indianer von Polizisten aufgehalten, waren die Patrouillen zur Stelle, drängten auf die Einhaltung von Gesetzen, drängten darauf, dass die Polizei die Rechte der Angehaltenen respektierte.

„Und wir sehen, dass das jetzt wieder passiert, weil die Rechte der Menschen verletzt werden. Wir sehen, dass Angehörige indigene Völker, Stammesmitglieder inhaftiert werden“, entrüstet sich Bruegl. „Es ist wichtig, dass Gruppen wie AIM und andere Gruppen wieder aktiv werden, um die Gemeinschaft und ihre Mitglieder zu schützen.“

Die beschriebene Angst ist verständlich. Nicht nur „Indian Country Today“ berichtet über die Verhaftung und geplante Ausweisung von Angehörigen verschiedener indigener Nationen. Die Nachfahren der ersten Amerikaner sind im Visier der Nachkommen der illegalen Einwanderer aus Europa.

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