Shaheed Minar in Dhaka, Bangladesch. Das Denkmal in Dhaka wurde zum Gedenken an die Opfer der Demonstrationen der Bengali-Sprachbewegung von 1952 errichtet. Foto: Mostaque Ahammed - Flickr, CC BY-SA 2.0
Shaheed Minar in Dhaka, Bangladesch. Das Denkmal in Dhaka wurde zum Gedenken an die Opfer der Demonstrationen der Bengali-Sprachbewegung von 1952 errichtet. Foto: Mostaque Ahammed - Flickr, CC BY-SA 2.0
Shaheed Minar in Dhaka, Bangladesch. Das Denkmal in Dhaka wurde zum Gedenken an die Opfer der Demonstrationen der Bengali-Sprachbewegung von 1952 errichtet. Foto: Mostaque Ahammed - Flickr, CC BY-SA 2.0

Die katalanische NGO Ciemen erinnerte mit einer Artikelserie auf ihrer online-Plattform „nationalia“ an die Sprachenvielfalt im eigenen Land. Anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache (am 21. Februar), vor 25 Jahren von der UNESCO „ausgerufen“, stellte „nationalia“ vier Sprachgemeinschaften Kataloniens vor: Amazigh, Soninke, Quechua und Kurdisch.

In seiner Serie wirbt Víctor Yustres für die Bewahrung von Sprachen, sind sie doch grundlegend für die Vielfalt, Kultur und Identität der Völker, in diesem Fall für Amazigh, Soninke, Quechua und Kurdisch.

 

Quechua

In Katalonien muss sich das Katalanische behaupten, gegen die kastilische Staatssprache. Gleich vier weitere Sprachen werden in der autonomen Region gesprochen, Quechua beispielsweise von Migranten aus den Anden. In der Diaspora, kommt Víctor Yustres zum Schluss, finden diese Migrant:innen zurück zu ihren Quechua-Wurzeln.

In ihren Ursprungsländern in den Anden verdrängt die importierte kastilische Amtssprache das Quechua. Die Folge ist eine Unterbrechung der generationenübergreifenden Sprachübertragung. Es öffnet sich eine Kommunikationslücke zwischen älteren und jüngeren Menschen, beschreibt Yustres das Schrumpfen der Quechua-Sprache.

Mehr als 10.000 Migrant:innen aus den Anden-Staaten sprechen in Katalonien Quechua, auch oder trotz erfahrener Diskriminierung im autonomen Land. Yustres bedauert, dass die Konsulate von Peru und Bolivien keine Sprachkurse für Quechua anbieten.

 

Soninke

Neben Quechua spricht eine überschaubaue Community Soninke. Eine auch im Exil verborgene Sprache. Eine afrikanische Sprache, ergänzt Víctor Yustres, die zwischen den Grenzen der Staaten Mali, Mauretanien Senegal und Ostgambia aber auch an der Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Ghana und Burkina Faso gesprochen wird. Eine Sprache zwischen den Grenzen, findet Yustres.

Die Soninkes gelten als die Gründer des Ghana-Reiches, sie gehören zur Gruppe der Mandano-Sprachen wie Mandinga, Bozo oder Diula. Die Willkür kolonialer Grenzen, die die Staaten Afrikas trennen und nichts mit kulturellen oder sprachlichen Grenzen zu tun haben, macht Soninke in diesen Ländern zu einer Minderheitensprache. Seit 2023 ist sie Amtssprache in Mali.

In afrikanischen Staaten wird immer unterschieden, zwischen National- und Amtssprachen. „Die Amtssprachen in Afrika sind die Kolonialsprachen, die bisher von staatlichen Institutionen wie Regierung, Justiz oder Universitäten verwendet wurden. In Westafrika also Französisch, Englisch, Arabisch oder Portugiesisch“, erklärte Albert Badosa von der Universität Barcelona.

Badossa erinnert aber auch daran, dass eine Amtssprache nichts mit der sozialen Präsenz dieser Sprachen zu tun hat. Fakt ist, dass in den erwähnten westafrikanischen Staaten die am häufigsten verwendeten Sprachen die sogenannten nationalen, indigene Sprachen sind, die in der Grundschule, in lokalen Verwaltungen oder auf dem Markt verwendet werden.

Ziel der Soninke in Katalonien ist es, ihre Sprache auch im Asyl am Leben zu erhalten.

 

Amazighen

Katalanische Organisationen unterstützen immer wieder die Nationalbewegung der Amazighen in Nord-Afrika. Die Amazighen scheinen in Katalonien angekommen zu sein. Sie leben dort die Vielfalt, würdigte Víctor Yustres die Selbstbehauptung der Amazighen.

Das Amazigh ist deshalb auch in der digitalen Welt vertreten, das erreichte Ziel der Awal-Kampagne. Das Projekt wird getragen von Col·lectivaT, der Casa Amaziga de Catalunya und Ciemen. An der Digitalisierung des Amazigh beteiligten sich auch Angehörige der amazighsprachigen Gemeinschaft.

Awals ursprüngliches Ziel war es, einen Amazigh-Online-Übersetzer zu entwickeln. Google kam Awal zuvor, Awal konzentrierte sich deshalb auf die Entwicklung eines KI generierten Sprachen-Tools. Es werden Texte auf Amazigh übersetzt.

 

Kurdisch

Eine enge Verbindung gibt es zwischen kurdischen Migrant:innen und Katalonien. Die verschiedenen katalanischen NGO und Parteien sponsern die unterschiedlichen kurdischen Organisationen im Nahen Osten. Die Freiräume, die die autonome katalanische Gemeinschaft bietet, nutzt die kurdische Diaspora zur Wiederbelegung ihrer Sprache.

Für Freiräume sorgen seit den 1980er Jahren Ciemen und das katalanisch-kurdische Partnerschaftskomitee. Dieses Komitee informiert über die Lage in Kurdistan und dient als Begegnungs-Forum für Kurd:innen und Katalan:innen in Katalonien.

Letzthin engagiert war die katalanische Linke für das politische Projekt von Rojava in Nord-Syrien, das inzwischen von den siegreichen Islamisten in Zusammenspiel mit der Türkei und den USA abgewürgt wurde.

Die kommunalen Partnerschaften zwischen Katalonien und Rojava erleichtern der kurdischen Diaspora das Pflegen der eigenen Sprache.