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Von Wolfgang Mayr

Die westeuropäische Öffentlichkeit kümmert sich kaum um den Krieg in Äthiopien der Zentralregierung gegen den Rest. Die TAZ stellt fest, dass die Verfolgung der Tigrayer forciert wird. Die Parallelen zur Vorbereitung des Genozids an Ruandas Tutsi 1994 sind unübersehbar.

Die Tageszeitung formuliert unbequeme Fragen: „Wann beginnt ein Völkermord? Mit dem organisierten Abschlachten? Oder schon mit der Vorarbeit?“

Tigrayer behaupten, ein Völkermord an ihrer Nation sei im Gange. Sie verweisen auf Massaker, Luftangriffe, die Blockade von Lebensmittellieferungen, Hassreden und ethnische Verfolgung. Die äthiopische Regierung winkt ab, spricht von einer Kampagne einer Terrororganisation, die von eigenen Verbrechen ablenken und eine legitime Regierung untergraben wolle.

Die TAZ zitiert Diplomaten, die unüberbrückbare Differenzen ausmachten. Dialog scheint nach den Brutalitäten, den Kriegsverbrechen, kaum möglich zu sein. Dieses große afrikanische Land mit einer der ältesten Weltzivilisationen steuert, so die TAZ-Analyse, auf ein Genozid zu – wie Ruanda 1994.

Der Zentralstaat hatte in Vorbereitung zum Krieg die Tigrayer als eine ethnisch definierte Gruppe zum Feind erklärt, ihre Angehörigen zum „Abschuss“ freigegeben. Tigrayer gelten als Ungeziefer und Krebsgeschwür. Ministerpräsident Ahmed kündigte an, den Feind mit „unserem Blut und unseren Knochen zu begraben“. Die Tigrayer sollten „aus dem menschlichen Gedächtnis und Bewusstsein und aus den Geschichtsbüchern ausgelöscht“ werden und „die letzten ihrer Spezies“ sein, heißt es aus dem Umkreis der Staatspräsidenten.

Tausende Tigrayer wurden verschleppt, viele verloren ihre Arbeitsplätze, Bankkonten und Geschäftszulassung wurden eingezogen. Bei Straßenkontrollen sollen Bewaffnete Tigrayer aus Sammeltaxis holen und verhaften.

Die Regierung in Adis Abeba rief die BürgerInnen auf, sich zu bewaffnen. Im Bundesstaat Amhara, nördlich von Tigray, erhalten Jugendliche Machten. Vorbild Ruanda? Die TAZ kommentiert: „Dieses düstere Vorbild sollte jeder im Kopf behalten, der heute Äthiopien befrieden will.“

Bewaffnete Konflikte in Äthiopien (gfbv.de)

MemoÄthiopien112021.cdr (gfbv.de)

Der Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 (gfbv.de)

Ruanda: Zwischen Traum und Trauma, von Simone Orlik, 18.12.2003 (gfbv.it)

Die Auseinandersetzungen in Ruanda. Ein uralter Stammeskrieg? Oktober 2000 (gfbv.it)

Die Wunden des Schweigens. Fotoaustellung von Yolande Mukagasana und Alain Kazinierakis (gfbv.it)

Dörfer der Versöhnung in Ruanda (gfbv.de)