Über die Mühen der Ebenen: Tokata und der Kampf um Leonard Peltiers Freiheit

Von Michael Koch

Als im Sommer 2000 die beiden Gründungsmitglieder von Tokata-LPSG RheinMain nach ihrer Rückkehr aus dem Hinterland der kanadischen Provinz Saskatschewan und einem Kulturcamp bei den Deneh in Saskatoon ein Flugblatt zur weltweiten Begnadigungskampagne für den damals seit 24 Jahren inhaftierten indigenen politischen Gefangenen Leonard Peltier fanden, sollte dieser Moment ihr bisheriges Leben nicht gerade wenig verändern.

Noch in der gleichen Nacht beschlossen sie, zurück in Deutschland eine Unterstützergruppe aufzubauen, die Leonard Peltier Support Group RheinMain, Vorläufer des heute gemeinnützigen Vereins „TOKATA – LPSG RheinMain (Verein zur Unterstützung indigener Sozial-, Kultur-, Umwelt- und Menschenrechtsprojekte und Leonard Peltier Support Group). Autorisiert durch das Leonard Peltier Defence Committee (LPDC) in den USA legte die kleine Initiative auch sofort los und im wahrsten Sinne des Wortes mit einer internationalen Emailkampagne die Server des Weißen Hauses fast lahm.

Heute, 21 Jahre später haben sich Aktionsradius und Aktivitätenprofil des Vereins erheblich erweitert: Konzerte, Vorträge und Lesungen mit indigenen Künstler*innen und Aktivist*innen, deutsch-indigene Jugendbegegnungen und Erwachsenenreisen, Projekte in Reservationen oder Kooperationen mit bestehenden Projekten.

Der Verein veröffentlicht Fachartikel und ist Herausgeber des Buches „Ein Leben für die Freiheit – Leonard Peltier und der indianische Widerstand“ (TraumFänger Verlag, Deutschland), unterstützt Kampagnen gegen Todesstrafe und Rassismus in den USA, leistet solidarische Hilfe an indigene Gruppen in Mittel- und Südamerika bei deren Kampf für Selbstbestimmung und gegen Umweltzerstörung und Völkermord, unterstützt zahlreiche indigene Jugendprojekte, fördert indigene Gesundheitsprojekte gerade im Kontext von COVID 19, referiert vor Schulklassen zum Thema „Indigene in Amerika“ usw.

Möglich ist dies alles nur, weil die Vereinsverantwortlichen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement über ein stets wachsendes Kontakt- und Kooperationsnetzwerk verfügen, in zahlreichen weiteren gesellschaftspolitischen Zusammenhängen aktiv sind und aufgrund der Transparenz ihres Mitteleinsatzes bislang immer auch die für diese Solidaritätsarbeit notwendigen Spenden akquirieren konnten, die vor allem indigenen Projekten zu Hilfe kommen.

Hinzu kommt die Solidaritätsarbeit für den seit 1976 inhaftierten politischen Gefangenen und Aktivisten des American Indian Movements Leonard Peltier:

  • Direkte (symbolische) Aktionen: Besetzungen, Sitz- & Hungerstreiks, Plakatierungs- und Klebeaktionen …
  • Direkte legale politische Aktionen: Mahnwachen, Kundgebungen, Demonstrationen, ….
  • Rechtliche und politische Kampagnen: Petitionen, Unterschriftenaktionen, Unterstützung der anwaltlichen Verteidigung, Kontaktierung von Politiker*innen & VIPs, Kontaktierung des Fed. Bureau of Prisons, des Federal Parol Boards, der Haftanstalt usw….
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit: Website, Social Media, Newsletter, Zeitungsartikel & -werbung, Buchherausgabe, Lese- & Vortragstouren, Konzerte, Infostände bei diversen Veranstaltungen, Flugblätter, Ausbau der Vereinsarbeit
  • Kooperation & Netzwerkarbeit; Integration in intersektorale Strategien internationaler Solidaritätsarbeit: deutschland-, europa- und weltweit; Verbindung unterschiedlicher politischer Diskurse wie Umwelt, Menschenrechte, soziale Fragen, indigene Belange; antirassistische, -kolonialistische & -kapitalistische Kämpfe, Ausbau internationaler Solidaritätsarbeit und von weltweiten Aktionen……..

Mit Ausnahme von Besetzungen und Sitzblockaden zählen die angeführten Aktionsformen, Aktivitäten und Kampagnen zur regelmäßigen Vereinspraxis im Kampf für Peltiers Freiheit.  In drei deutschen Städten finden seit Jahren monatliche Mahnwachen und Kundgebungen für Leonard Peltier statt, oftmals verbunden mit weiteren Themen (missing & murdered indigenous women, Massengräber indigener Internatsschüler*innen, Pipeline-Proteste, Black Lives Matter, Todesstrafe, Mumia Abu-Jamal, Zapatisten…). In anderen Städten finden solche Aktionen unregelmäßig aber auch jährlich statt.

Es gibt fortlaufende Unterschriften-Sammlungen bei denen weit über 10.000 Unterschriften bislang an das Weiße Haus gesendet wurden. Und aktuell gibt es eine weltweite Postkarten-Aktion, in deren Verlauf bislang 55.000 Postkarten gedruckt und von Gruppen aus 13 Staaten an das Weiße Haus gesendet wurden.

Ausgehend von dem bereits oben genannten Buch finden seit 5 Jahren Lesereisen statt. Und außerdem wurde hierzu eine Soli-CD produziert, auf der die indigenen Musiker Mitch Walking Elk und Wade Fernandez gemeinsam mit dem Buchautor musikalisch Peltiers Freiheit fordern.

Im Laufe der Jahre wurden Peltier-Supportgroups in den USA und der Rechtsfond mit Spenden unterstützt und eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit (Website, Social Media, Flugblätter, Plakate, Banner, Zeitungsartikel, Radio- und YouTube-Beiträge) und gezielte Kooperationsarbeit in Europa und auch über Europa hinaus tragen ständig zur Verbreitung von Informationen im Kontext Peltiers bei.

Es ist längst zu einem ehrenamtlichen Fulltime-Job geworden. Und ohne   regelmäßige Spenden wäre diese Arbeit kaum zu leisten.

Kontakt: lpsgrheinmain@aol.com oder Tokata-LPSG Rhein Main, Aschaffenburger Str. 135, D-63500 Seligenstadt  und www.leonardpeltier.de, https://www.facebook.com/LPSGRheinMain,  https://twitter.com/howlingwolf123

 

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