Laut dem Politikwissenschaftler (Südtirol-Baskenland) Matthias Scantamburlo (links im Bild) ist Südtirols Autonomie trotz Reform ausgedünnt. Foto: Marco Manfrini
Laut dem Politikwissenschaftler (Südtirol-Baskenland) Matthias Scantamburlo (links im Bild) ist Südtirols Autonomie trotz Reform ausgedünnt. Foto: Marco Manfrini
Laut dem Politikwissenschaftler (Südtirol-Baskenland) Matthias Scantamburlo (links im Bild) ist Südtirols Autonomie trotz Reform ausgedünnt. Foto: Marco Manfrini

Die „dynamische Autonomie“ sei ein wenig aussagekräftiger Slogan, der nicht darüber hinwegtäuschen könne, dass Südtirols Selbstverwaltung in den vergangenen Jahrzehnten vor allem geschwächt worden sei. Dies schreiben die Politikwissenschafter Matthias Scantamburlo und Felix Schulte sinngemäß in einem Beitrag für die renommierte und einflussreiche London School of Economics (LSE – European Politics).

Der Begriff der dynamischen Autonomie werde so inflationär verwendet, dass er kaum noch Erklärungswert habe. Schließlich sei jede Autonomie in irgendeiner Form dynamisch. Entscheidend sei zudem, in welche Richtung die Entwicklung geht. Im Fall von Südtirol hat die Dynamik seit 1992 überwiegend zu einem Verlust von Zuständigkeiten geführt.

Der »Brennstoff« für eine stärkere sezessionistische Mobilisierung sei vorhanden, argumentieren die Forscher. In Katalonien und auf den Färöern hätten separatistische Kräfte vor ihren jeweiligen Aufschwüngen, die durch konkrete Ereignisse ausgelöst wurden, über weniger Unterstützung verfügt als heute in Südtirol. Was hierzulande bislang fehle, sei lediglich ein konkreter Anlass – ein »Funke«, der bestehende Unzufriedenheit bündeln und eine breitere Bewegung auslösen könnte.

Die jüngst beschlossene Autonomiereform bewerten Scantamburlo und Schulte nicht als ausreichende Antwort auf diese Entwicklung. Statt die beruhigende Erzählung von der dynamischen Autonomie zu pflegen, müsste man sich wennschon mit den tieferliegenden Ursachen auseinandersetzen.