Vorbild Chile

Wählen die KolumbianerInnern für den Wandel, für ein plurinationales Land, für Landreformen und soziale Gerechtigkeit?

Von Wolfgang Mayr

An diesem Sonntag wird in Kolumbien der 167-köpfigen Kongress gewählt. Drei Blöcke stehen sich gegenüber, die herrschende traditionelle Elite der städtischen Bürgerlichen, der Großgrundbesitzer, der Drogenbarone und sonstigen Profiteure, der sogenannte „Historische Pakt“ und das „Zentrum der Hoffnung“.

Setzt sich wieder die herrschende Elite durch, wird es keine – wie von den sozialen Bewegungen gefordert – Veränderungen geben. Die herrschende Klasse verteidigt ihren Besitzstand, Präsident Duque setzt die schmutzige Politik seines Vorgängers Àlvaro Uribe fort. Die Chancen auf einen Wandel sind laut dem politischen Analysten Pedro Santana Rodríguez nur dann gegeben, wenn es eine Zusammenschau der Reformkräfte und der vielfältigen sozialen Bewegungen gibt.

Das von den USA und der EU hofierte Kolumbien zählt für politische und sozialeAktivistInnen zu den gefährlichsten Ländern Lateinamerikas. Die Liste ermordeter Aktivisten wird wöchentlich länger. Der rechtskonservative Präsident Ivan Duque ließ und lässt Proteste brutal niederknüppeln. In den Land-Gemeinden wehren sich die Dörfler friedlich gegen die staatliche Repression.

Ein kompliziertes Wahlgesetz regelt die Kongress-Wahl. 167 Mandate werden vergeben, eines steht den Auslands-Kolumbianern zu, ein weiteres Afrokolumbianischen und ein weiteres Mandat indigenen Gemeinden. 16 Mandate werden nach einem Verfahren vergeben, das im Friedensabkommen zwischen dem Staat und der ehemaligen Farc-Guerilla vereinbart wurde.

Der kolumbianische Staat verhält sich gegenüber den Nachfahren der Ureinwohner im gemäßigten Fall paternalistisch, bevormundend. In der Provinz Cauca hingegen zeigt der Staat seine „Stärke“, werden „Sicherheitskräfte“ zu Eroberungstruppen. Ständig missachten staatliche Organe das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und nicht nur. In dieser Provinz richtet sich die Staatsgewalt gegen die indigenen Bevölkerungen.

Der indigene Anteil der Bevölkerung ist in dieser Provinz mit 190.000 Menschen am höchsten; in 26 von 39 Landkreisen gibt es indigene Gemeinden, in denen acht offiziell anerkannte Ethnien leben: Paez, Totoró, Guambiano, Yanakona, Kokonuco, Inga, Pubenense und Eperara Siapidara. Sie fordern, wie die Mapuche in Chile, die Entkolonialisierung Kolumbiens. Eine Kampfansage an die Nichten und Neffen der spanischen Eroberer.

2017 ermordete die Sonderpolizei Esmad die Journalisten María Efigenia Vásquez Astudillo vom Sender Renacer Kokonuco (HJZ87 90.7 FM und Tunei.com) tätig. Der Interamerikanische Gerichtshofs für Menschenrechte (Corte Interamericana de Derechos Humanos) drückte in seiner Presseerklärung seine “tiefe Besorgnis angesichts der Ermordung von Vásquez Astudillo“ aus.

2021 wurde Daniela Soto von den Nasa bei einem Angriff von bewaffneten Zivilisten auf die Minga-Bewegung in Cali schwer verletzt. „Daniela ist eine Frau vom Volk der Nasa mit Ideen und Taten, die sich gegen jegliche Form von Rassismus, Faschismus und Machismo richten“, schrieben Aktivistinnen. „Eine, die aufrichtig für Veränderung kämpft… Ursprünglich aus der widerständigen Region Sath Tama Kiwe-Caldono, muss sie durch alle Schutzgebiete des Cauca und viele andere Departamentos gewandert sein, denn sie ist eine unerschrockene Abenteurerin und eine von denen, die diese Gabe nutzt, um Kämpfe und Menschen miteinander zu verbinden“.

Der Nachrichtenpool Lateinamerika griff diesen Mordversuch in seiner Berichterstattung auf: „Viral gegangene Videos des Vorfalls zeigen, wie zivil gekleideten Bewaffnete die Guardia Indígena, UN-Women, das Büro des Bürgerbeauftragten sowie die norwegische Botschaft bedroht und beschossen haben, während diese gerade die vorangegangenen Gewalttaten verurteilten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite