Trump poltert, Biden zückt das Scheckbuch – beide wollen sie Grönland

By <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/people/46218178@N02">Ray Swi-hymn</a> from Sijhih-Taipei, Taiwan - <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/photos/swi-hymn/48480740237/">20190626_Harbor_0308</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0">CC BY-SA 2.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81194354">Link</a>

Von Jan Diedrichsen

Als Donald Trump vor seinem angekündigten und dann kurzerhand über Twitter abgesagten Dänemarkbesuch die Idee geäußert hatte, er wolle Dänemark kaufen, blieb sicher auch der Regierungschefin Frederiksen das Lachen in der Kehle stecken. Sie hat kühl geantwortet, die Insel stünde nicht zum Verkauf. Darauf die Absage aus dem Weißen Haus.

Trump ist weg, die US-Politik bleibt, nur in einem freundlicheren Gewandt. Auf der Titelseite der größten dänischen Tageszeitung „Politiken“ wird heute berichtet, dass US-Präsident Joe Biden weitere 65 Millionen Kronen (8,3 Millionen Euro) in die Zusammenarbeit mit Grönland investieren will. Dieser Betrag kommt zu den 75 Millionen Kronen (10 Millionen Euro) hinzu, die die Trump-Regierung letztes Jahr nach Nuuk geschickt hat.

Die dänische Politik is „not amused“: Die Sozialisten (SF) warnt nun davor, dass dies die Gemeinschaft des Königreichs (rigsfaelleskabet) spalten könnte. Karsten Hønge von SF, der sich in der Vergangenheit nicht mit Kritik am Einfluss der USA in Grönland zurückgehalten hat, bezeichnet dies als „provokativ“.

Søren Espersen von der Dänischen Volkspartei ist ebenfalls besorgt über die Entwicklung, die er ebenfalls als „provokativ“ bezeichnet. Er ist jedoch nicht überrascht und bezeichnet den Betrag als „lächerlich gering“ im Vergleich zu Dänemarks Blockzuschuss von fast vier Milliarden Kronen (540 Millionen Euro) .

„Die USA wollen sich Popularität erkaufen und sich bei den Grönländern einschmeicheln. Es ist nicht hinnehmbar, dass die USA versuchen, Einfluss zu gewinnen“, sagt Søren Espersen.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass Präsident Biden schon mal von Kalaallit Nunaat gehört hat. Das ist der grönländische Name der größten Insel der Welt. Die Insel, die Trump am liebsten kaufen würde. Kalaalist, so nennt sich die rund 60.000 Menschen umfassende indigene Bevölkerung Grönlands.

Die Tatsache, dass sich bei der von Trump angestoßenen Diskussion über einen möglichen Verkauf Grönlands alle Blicke nach Kopenhagen richteten, (die dänische Tageszeitung Politiken schlug witzelnd vor, man könne ja Grönland mit Manhattan tauschen) ist als Botschaft an sich schon bezeichnend. Grönland gehört zwar zur dänischen Reichsgemeinschaft (rigsfœlleskabet) ist aber de jure für die meisten Belange selbstverwaltend verantwortlich. Ohne eine Zustimmung der indigenen Bevölkerung und der gewählten Selbstverwaltung, würde diese Idee erst gar nicht (völkerrechtlich) in Betracht kommen. Dennoch wird Grönland häufig wie selbstverständlich als „Besitz“ Dänemarks wahrgenommen. An den Reaktionsmustern aus Presse und Politik lassen sich durchaus koloniale Reaktionsmuster ablesen.

Ein Blick auf die Landkarte reicht, um die enorme geopolitische Bedeutung der Region zu erfassen. Grönland ist das europäische Tor zur Arktis: Die Arktis, also das Gebiet zwischen Polarkreis und Nordpol, liegt an der Schnittstelle dreier Weltregionen: Nordamerika, Russland und Europa.  Die Insel ist seit dem 2. Weltkrieg für die Amerikaner von besonderem militärischem Interesse. So gibt es auch nach der Aufgabe der Thule-Base -vor allem mit Blick auf die interkontinentale Raketenabwehr – starke US-amerikanische Interessen. Auch China mischt immer stärker mit. Es bedurfte undiplomatischer Einmischung der Regierung in Kopenhagen, (Washington machte gehörig Druck) damit der bereits durch die grönländische Selbstverwaltung in Auftrag gegebene Ausbau des Hafens in Nuuk, an eine chinesische Firma, wieder rückgängig gemacht wurde.

Nicht zu vergessen sind die Bodenschätze, die durch den Klimawandel zugänglicher werden. Sollte der Nordpol im Zuge des Klimawandels eisfrei und eine direkte Durchquerung des Arktischen Ozeans möglich werden, dann wäre Grönland– so die Überlegung der Strategen – der ideale Standort für den Ausbau einer arktischen Infrastruktur. Im Rennen um den Nordpol, der sich seit einigen Jahren anbahnt, werden Grönland neben Kanada und Russland die besten Chancen auf Anerkennung erweiterter Gebietsansprüche im Arktischen Ozean eingeräumt, sofern völkerrechtliche Maßstäbe angesetzt werden.

Kalaallit Nunaat

Daten und Fakten

Grönland heißt auf Inuit Kalaallit Nunaat, „Land der Grönländer“.

Grönland ist die größte Insel der Erde. Mehr als zwei Drittel  des Landes ist von einer Eisdecke und von Gletschern bedeckt. Obwohl das eisfreie Land nur einen

Bruchteil ausmacht, ist diese Fläche so groß wie Schweden.

Die fast 56.000 EinwohnerInnen leben mehrheitlich an der klimatisch wärmeren Westküste.

Das Inuit-Idiom Kalaallisut ist seit 2009 alleinige Amtssprache. Daneben wird auch dänisch gesprochen, von  12 % der Bevölkerung.

Weitere Dakten und Fakten aus der Sendung „minet“ von Rai Südtirol: Minet – Grönland – Daten und Fakten (minet-tv.com)

Grönlands Projekt Unabhängigkeit – Ambitionen und Aussichten nach 300 Jahren Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark (swp-berlin.org)

Grönland wählt: Es geht um Seltene Erden und Unabhängigkeit | Euronews

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