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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Endlich gute Nachrichten in dem nimmer endenden Schwarm der täglichen Schreckensmeldungen: Der Ausgang der brasilianischen Präsidentschaftswahlen könnte sich als wichtiger Meilenstein im Kampf für das Weltklima erweisen. Das Land steht nach der katastrophalen Regierungszeit von Jair Bolsonaro vor einem Neustart; die grassierende katastrophale Abholzung des Amazonas-Regenwaldes muss gestoppt werden und Brasilien endlich wieder eine Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen. Der äußerst knappe Sieg von Luiz Inácio Lula da Silva gegen den erklärten Scharfmacher und Feind der indigenen Bevölkerung sowie Leugner des Klimawandels, Jair Bolsonaro, macht Hoffnung.

Der Linke da Silva, der als „Lula“ bekannt ist, führte das Land bereits von 2003 bis 2010. Der 77-Jährige hat mehrmals feierlich beteuert, die Abholzung des Amazonasgebiets bekämpfen zu wollen und gegen illegale Goldgräber, Holzfäller und Viehzüchter anzutreten, die täglich in indigenes Land einfallen, weitreichende Umweltzerstörungen verursachen und auch vor Morden nicht zurückschrecken. „Brasilien ist bereit, seine Führungsrolle im Kampf gegen die Klimakrise zurückzuerobern“, sagte Lula in seiner Siegesrede in Sao Paulo. „Brasilien und der Planet brauchen einen lebendigen Amazonas.“

Sein Versprechen, die Abholzung des Amazonas einzudämmen, ist wichtig, damit die Ziele des Pariser Klimagipfels eingehalten werden können, die darauf abzielen, die globale Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu drücken, um somit irreversible Auswirkungen auf das Ökosystem unseres Planeten zu begrenzen. Es darf jedoch nicht bei Versprechungen bleiben. Lula muss liefern!

Während der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro wurde der Amazonas-Regenwald allein als wirtschaftliche Ressource betrachtet, die zum geldwerten Vorteil auszubeuten ist. Keine Rücksicht wurde auf den Umwelt- oder Artenschutz genommen. Im Amazonas wuchs der Straßenausbau von 2019 bis 2020 um 25 Prozent und von 2020 bis 2021 um 16 Prozent. Straßen sind die schädlichste Infrastruktur im tropischen Regenwald, denn sie führen zur Abholzung der Wälder und haben eine Vielzahl von negativen kulturellen sowie ökologischen Auswirkungen.

Untersuchungen zeigen, dass die indigenen Gebiete für den Schutz der Waldökosysteme von entscheidender Bedeutung sind. Die Gebiete, in denen die Ureinwohnerinnen und -einwohner leben, machen etwa ein Drittel des Amazonasgebiets aus. Sie wirken als Puffer gegen die Ausdehnung der Straßen und reduzieren sowohl die Abholzung als auch die Waldbrände, die immer stärker in den Gebieten wüten. Doch die indigenen Gemeinschaften, die vor allem nahe der Grenze zwischen Peru und Brasilien leben, mussten in der Regierungszeit von Bolsonaro einen mehr oder weniger offenen Angriff auf ihre Heimat abwehren. Illegale Straßenbauer, Holzfäller, Bergleute und Menschenhändler stellen weiterhin eine tägliche Lebensgefahr für indigene Menschen im Amazonas dar. Durch Bolsonaros umwelt-, indigenen- und wissenschaftsfeindliche Rhetorik wurden Verbrecher zu ihren Gewalttaten angestachelt.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre treibt den Amazonas auf einen gefährlichen Kipppunkt zu, der den größten Regenwald der Welt und das größte Reservat terrestrischer Biodiversität in nur wenigen Jahrzehnten in eine waldarme Savanne verwandeln könnte. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner in den Gebieten.

Optimistisch stimmt, dass die indigenen Vertreterinnen in Brasilien immer besser ihre Rechte zu verteidigen wissen. Bei den brasilianischen Wahlen traten mehr indigene Kandidatinnen und Kandidaten an als je zuvor in der brasilianischen Geschichte – 186 wurden gezählt, ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zur Wahl 2018. Zwei indigene Frauen mit starken Anti-Bolsonaro-Botschaften gingen aus der Wahl als Bundesabgeordnete hervor: Sônia Guajajara im Bundesstaat São Paulo und Célia Xakriabá in Minas Gerais.

Ob Lula in Brasilien Wort hält, wird sich schnell zeigen. Denn eines steht fest, wir brauchen alle einen gesunden Amazonas, sonst ist der Kampf gegen den Klimawandel vergebens. Am besten schützen wir den Amazonas, indem wir den Urbewohnerinnen und Urbewohnern ihr Land unbeschadet überlassen. Der Schutz der indigenen Völker ist aktiver Klimaschutz.