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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Jan Diedrichsen

Am Dienstag erschütterten mehrere Explosionen die Ganztagsschule Abdul Rahim Shahid und das nahe gelegene Mumtaz Education Centre, die sich beide im Gebiet Dasht-e-Barchi in einem schiitischen Hazara-Viertel im Westen Kabuls befinden, und forderten Dutzende von Toten und Verletzten.

VOICES berichtet:

Hazaras in Afghanistan: Ein Genozid im Werden? Gedenken an den Völkermord vor 128 Jahren

Warnungen vor Genozid an Hazara in Afghanistan

Hazara: Eine Minderheit in Afghanistan in Todesangst

 

Dasht-e-Barchi und insbesondere die dortigen Schülerinnen und Schüler werden immer wieder von Terroranschlägen heimgesucht; allein in den letzten vier Jahren wurden fünf Anschläge auf die Schulen des Viertels verübt, bei denen mehr als 150 Kinder getötet und Hunderte verletzt wurden. Beim jüngsten Anschlag am Dienstag hinterließ ein mutmaßliches Mitglied von ISIS-K, einem lokalen Ableger von ISIS, improvisierte Sprengsätze vor einer Jungenschule und einem nahe gelegenen Nachhilfezentrum.

Die Taliban, Afghanistans neue Regierung, haben den Anschlag verurteilt und zur nationalen Einheit aufgerufen. Viele Afghanen bezweifeln jedoch zu Recht das Engagement der neuen Machthaber. Bevor die Taliban die Macht übernahm, schien die Vorstellung, dass sie die Hazara beschützen würden, unmöglich – denn über viele Jahre lang waren es just die Taliban, vor denen sie geschützt werden mussten.

Amnesty International hat bereits früher die gezielte Tötung von Mitgliedern der ethnischen Gemeinschaft der Hazara nach der Übernahme Afghanistans durch die Taliban im vergangenen Jahr dokumentiert.

2021 veröffentlichte das United States Holocaust Memorial Museum eine Erklärung, in der es vor der Gefahr eines Völkermords und von Verbrechen gegen die Menschlichkeit an den Hazara warnte.

In der Tat sind solche Angriffe auf Hazara in Afghanistan nicht neu. So wurden beispielsweise am 8. Mai 2021 bei Explosionen vor einer Schule in Kabul mindestens 85 Menschen getötet und über 240 verwundet. Bei diesem Anschlag waren die meisten Opfer Mädchen, die die Syed Al-Shahda-Schule für Mädchen im Kabuler Stadtteil Dasht-e-Barchi besuchten. Am 12. Mai 2020 verübten drei bewaffnete Männer einen weiteren Anschlag auf eine Entbindungsklinik in einem schiitischen Hazara-Viertel in Kabul. Sie töteten 24 Mütter, Neugeborene und eine medizinische Fachkraft. Am 6. März 2020 wurden 32 Mitglieder der Gemeinschaft bei einer Zeremonie getötet. Am 24. Oktober 2020 tötete ein Bombenleger 40 Personen in einem Bildungszentrum in einem Hazara-Viertel von Kabul. Der IS-K bekannte sich dazu. Über 70 Personen wurden verletzt. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Trotz der anhaltenden gezielten Angriffe auf die Hazara in Afghanistan schenkt die internationale Gemeinschaft der leiderprobten Gruppe wenig Aufmerksamkeit. Um diesem Schweigen und dem Mangel an politischem Willen zum Handeln entgegenzuwirken, haben britische Parlamentarier im April 2022 eine parlamentarische Untersuchung über die Lage der Hazaras in Afghanistan und Pakistan eingeleitet. Ziel der Untersuchung ist es, die Situation der Hazaras in Afghanistan und Pakistan zu untersuchen und die gegen die Gruppe verübten Verbrechen aufzuzeichnen, insbesondere wenn es sich um Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord handelt.