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Von Jan Diedrichsen

Beim Nordischen Rat treffen sich einmal im Jahr Abgeordnete aus allen skandinavischen Staaten, aus Finnland, Färöer, Grönland und den Ålandinseln sowie zahlreiche Gäste. In der vergangenen Woche fand das Treffen im dänischen Parlament, Folketing, statt. Alle Regierungschefinnen (es sind vor allem Frauen) stellten sich den Fragen der ParlamentarierInnen. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen musste sich kritische Fragen gefallen lassen. Ein Abgeordneter aus Norwegen forderte sie unverblümt dazu auf, eine vor 300 Jahren geraubte Schamanen-Trommel an die Sami, der Urbevölkerung des Nordens, zurückzugeben.

Sowohl die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen als auch ihr Minister für nordische Zusammenarbeit meisterten die Fragen zur Rückgabeforderung wenig souverän; sprachen von „internationalen Fragen“ und den guten Beziehungen, die man im Norden habe. Das sehen die Sami in dem Punkt jedoch anders. Sie sind verärgert und wollen die Trommel zurück. Vor der Intervention beim Nordischen Rat hatte sich das Sami-Parlament bereits schriftlich an Königin Margrethe um Hilfe gewandt.

Seit 1979 befindet sich die Trommel als Leihgabe im RiddoDuottarMuseat, dem Sami-Museum in Karasjok. Der Leihvertrag mit dem Dänischen Nationalmuseum läuft am 1. Dezember 2021 aus. Jetzt will das Parlament der Sami den Kulturschatz behalten, der nach einem bestialischen Axt-Mord im Jahr 1692 von den Dänen geraubt wurde.

„Es ist unwürdig. Sollen wir betteln und lächeln wie kleine Jungs, um unsere eigenen Kulturgüter behalten zu dürfen“, erklärt Sami-Präsident Aili Keskitalo in einem Zeitunginterview kämpferisch.

Wie sich die dänische Königin oder die dänische Regierung in dieser Sache weiter verhalten, wird mit Spannung verfolgt. Denn es ist kaum der letzte Kulturschatz, der im Nationalmuseum oder der königlichen Kunstkammer lagert, der eine umstrittene Provenienz vorweist.

Schamanen-Trommel und Hexerei-Prozess

Der Ursprung des Streits liegt Hunderte von Jahren zurück und betrifft eine sog. Ritualtrommel, der eine magische Kraft zugeschrieben und in samischen Ritualen verwendet wurde. Die Trommel gehörte dem Schamanen (Noaide) Anders Poulsson (Poala-Ánde), der 1692 im Rahmen von Hexerei-Prozessen verhaftet wurde.

Im Verhör sagte Poulsson aus, er habe die Trommel benutzt, um der Rentierherde Glück zu bringen und Schmerzen zu lindern. Die Trommel wurde daraufhin beschlagnahmt und an die Kunstkammer des dänischen Königs in Kopenhagen geschickt.

Der dänische Richter Niels Knag bearbeitete den Fall und war der Meinung, dass es sich um „Bosheit“ und „Teufelei“ handele, und er wollte ein „abscheuliches Beispiel“ statuieren. In der Anklageschrift hieß es, der Schamane habe „die verruchte und gottlose Kunst der Zauberei“ ausgeübt. Doch bevor Poulsson ein Urteil erhielt, wurde er in seinem Bett von einem Diener, der den samischen Schamanen für einen Zauberer hielt, mit einer Axt erschlagen.