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Von Jan Diedrichsen

Die Nerven liegen blank in dieser neuen Hochphase der Corona-Pandemie. Durch die Gazetten schwurbelt derzeit Novak Đoković, der mit immer neuen Volten aus Australien die Medien flutet. Đoković ist ein brillanter Tennisspieler, der sich mit serbischen Nationalisten und Genozid-Leugnern in denkbar schlechter Gesellschaft befindet.

Es ist bezeichnend, dass die Einreise von Novak Đoković nach Australien, um an einem Tennisturnier teilzunehmen, die Medien zum hyperventilierten lässt. Der Vater und Bruder des serbischen Tennisstars, sowie seine Fans heizen den Kessel der Corona-Leugner gehörig an. Ein neuer Star der Querdenkerszene scheint geboren. Das könnte man als kollektive COVID-Neurose, von denen wir derzeit einige erleben, abharken. Doch wer sich dem Tennisspieler aus Serbien nähert, dem wird aus ganz anderem Grunde mulmig:

„Novak Đoković als kontroverse Figur zu bezeichnen, klänge, als würde man die Wahrheit sanft ummanteln. Das Drama um die vorerst verhinderte Einreise in Australien, wo der Serbe sich bei den Australian Open zum erfolgreichsten Tennisspieler der Geschichte aufschwingen möchte, beleuchtet dabei nur einen Aspekt der Reizfigur“, wie Jakob Böllhoff in der Frankfurter Rundschau schreibt. Eine weitere Facette des 32-Jährigen ist die des serbischen Nationalismus und seine wiederholten Treffen mit Genozid-Leugnern und Kriegsverbrechern.

 

Hörempfehlung:

Der Podcast „Neues vom Ballaballa Balkan“ der sich in der 55 Folge der „Đoković Passion“ widmet.

 

Was macht den Tennisspieler zu einer so unangenehmen Figur: Am 22. September des vergangenen Jahres hat er sich an der Seite eines ehemaligen Kommandeurs der berüchtigten paramilitärischen Einheit der Drina-Wölfe gezeigt. Die Drina-Wölfe waren eine militärische Einheit der Armee der Republika Srpska, die an der Massentötung  in Srebrenica beteiligt war, die später von internationalen Gerichten als Völkermord eingestuft wurde. Die im September geposteten Bilder zeigten Đoković an einem Tisch neben Milan Jolović, dem ehemaligen Kommandeur, der den Spitznamen „Legende“ trägt. Viele Serben feiern Jolović dafür, dass er dem verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladic während des Krieges in Bosnien Anfang der 1990er Jahre das Leben gerettet hat.

Bei einem Besuch in Bosnien wurde Đoković kürzlich auch dabei gesehen, wie er auf einer Hochzeit mit dem serbischen Mitglied der bosnischen Präsidentschaft, Milorad Dodik, sang. Dodik ist ein bekannter Völkermordleugner, der sich regelmäßig für die Abspaltung der serbisch geführten bosnischen Entität Republika Srpska einsetzt.

 

VOICES berichtet

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Während sich die gesamte Weltpresse über den Tennisspieler in Australien echauffiert und die sozialen Medien heiß laufen, berichten nur wenige darüber, was am vergangenen Wochenende sonst so noch geschah, als die bosnischen Serben einen verbotenen Feiertag, den „Tag der Republika Srpska“, begangen.

Die Paraden und das Singen nationalistischer Lieder verschärften die Spannungen – die einige Beobachterinnen an die Stimmung beim Ausbruch des Bosnienkriegs 1992-95 erinnerte. Zahlreiche Zwischenfälle begleiteten am Sonntag die „Feierlichkeiten“ zu diesem „Festtag“, den das bosnische Verfassungsgericht bereits zweimal für rechtswidrig erklärte.

Während des gesamten Wochenendes strömten Tausende auf die Straßen und sangen serbisch-nationalistische Lieder, in denen häufig der bosnisch-serbische Militärkommandant Ratko Mladic gehuldigt wurde, der vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde, darunter das völkermörderische Abschlachten von 8.000 Bosniern in Srebrenica.

Die Polizeikräfte der Republika Srpska, die am Sonntag in Banja Luka aufmarschierten, sangen ebenfalls serbische nationalistische Lieder unter den Augen des bosnischen Serbenführers Milorad Dodik und der übrigen Führung der Republika Srpska, einer Delegation aus Serbien sowie des russischen und des chinesischen Botschafters in Bosnien und Herzegowina.

Am vergangenen Donnerstag fielen Schüsse in der Nähe einer Moschee in Janja im Nordosten Bosniens, wo einheimische bosnische Muslime auf dem Rückweg vom Gebet verspottet und bedroht wurden.

Das Helsinki-Komitee für Menschenrechte in Serbien und die Gesellschaft für bedrohte Völker in Bosnien warnten am Sonntag vor einer „intensiven Hasskampagne gegen Bosnier.“ Die Menschenrechtlerinnen der GfbV und andere Nichtregierungsorganisationen machen für die erneuten ethnischen Spannungen in der Region auch den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und seine Idee einer „serbischen Welt“ verantwortlich, die als neuer Vorstoß zur Vereinigung aller serbisch besiedelten Gebiete auf dem Balkan verstanden wird.

 

VOICES berichtet:

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