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(c) frammentirivista.it

Von Wolfgang Mayr

Der aus dem bulgarischen Plovdiv stammende Ovadia pflegt die jiddischen Traditionen aus Ost-Europa.  Sein Vater stammte aus dem griechisch-türkischen Kulturkreis, seine Mutter war Serbin. Ovadia engagierte sich in der jüdischen Gemeinde von Mailand, die er aus Protest verließ. Er warf der Gemeinde vor, das Propaganda-Büro Israels zu sein. Israel versucht das Judentum zu „israelisieren“, seine Kritik.

Ovadia verortet sich sehr links, legt sich streitbar mit der italienischen Rechten an. Dieser wirft er vor, nicht antifaschistisch zu sein. Die Gaullisten in Frankreich sind antifaschistisch, die CDU und die englischen Konservativen sind antifaschistisch, nicht aber die italienischen Rechtsparteien.

Üble italienische Rechte

Die italienische Rechte pflegte das Bild „der braven italienischen Leute“, „italiana brava gente“, der Faschismus baute Häuser, Fabriken und Straßen, die gute Seite, der Antisemitismus war ein Fehler, so agiert die italienische Rechte, schimpft Ovadia. Der Linken wirft er vor, den Antifaschismus nur als Ritual gepflegt zu haben.

Ovadia stritt sich mit dem ehemaligen Innenminister Salvini von der Lega, der die Morde der jugoslawischen Partisanen, slowenischen und kroatischen Nationalisten an den italienischen Istriern – die Massaker der Foibe im istrischen Karst – mit Auschwitz verglich. Diese These vertrat einst Francesco Storace, neofaschistischer Politiker,  Gesundheitsminister unter Silvio Berlusconi von der nationalliberalen Forza Italia. Storace gehört heute der rechtsradikalen Partei Fratelli d´Italia an.

Das Königreich Jugoslawien ist laut Ovadia Opfer der deutschen Nazis, der italienischen Faschisten und der kroatischen Ustascha geworden. Die Gräuel der Tito-Kommunisten und der königstreuen serbischen Tschetniks fehlen in der jugoslawischen Betrachtung von Ovadia.

Kürzlich sorgt Ovadia für eine handfeste Aufregung innerhalb der Linken. Er lobte Giorgia Meloni von den rechtsradikalen Fratelli d´Italia für ihre Kritik an der Regierung Draghi. Meloni ist laut Ovadia eine Führungspersönlichkeit von höchstem Niveau. Für viele Sympathisanten und Freunde völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar.

Künstler für Menschenrechte

Unverständlich deshalb, weil er als Künstler immer wieder an die Verletzung der Menschenrechte weltweit erinnert, sich für die Menschenrechte engagiert. Ein Beweggrund, nach dem Universitätsstudium nicht die akademische Laufbahn einzuschlagen, sondern die holprige Laufbahn eines Künstlers, Schriftstellers, Musikers. 1984 begann seine künstlerische Reise durch das Theater, mit Bolek Polivka, Tadeusz Kantor oder Franco Parenti, dann wechselte er zur Musik, zur Musik der europäischen Juden.

Er begann sein „kulturelles Wandern“ durch die jüdische Landschaft Europas, er ist Sohn dieses jüdischen Volkes und fühlt sich als Vertreter jüdischer Belange. Verschiedene Sprachen und unterschiedliche Klänge und Töne zeichnen das Judentum aus, erzählt Obvadia begeistert. Diese jüdische Kultur wollten die Diktaturen und die totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts zerstören.

Moni Ovadia zählt zu den anerkanntesten italienischen Künstlern. Sein Theater wurde von der jiddischen Kultur stark beeinflußt, er seinerseits sorgte für eine Renaissance des Jiddischen in Italien.

Neben seinen vielfältigen künstlerischen Aktivitäten ist Moni Ovadia auch politisch engagiert. Für die Menschenrechte, für die Friedenspolitik. Ttrotz seines Alters, er ist 75, ist Ovadia für die junge Linke  ein überzeugender Bezugspunkt. Es verwundert deshalb nicht, dass Ovadia gemeinsam mit verschiedenen italienischen NGO für die Freilassung des AIM-Aktivisten Leonard Peltier eintritt.

moni ovadia – official site

MONI OVADIA – YouTube

Moni Ovadia (wikicore.net)

Slec: Liliana Segre e la destra italiana – Moni Ovadia (stanlec.blogspot.com)

Moni Ovadia: «La Meloni è un leader di altissimo profilo. Sono di sinistra, ma i fatti parlano» – Secolo d’Italia (secoloditalia.it)

Auschwitz e le Foibe di Salvini – Moni Ovadia – (remocontro.it)