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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Jan Diedrichsen

Amerikas oberster General schätzt, dass 100.000 russische Soldaten in der Ukraine getötet oder verwundet wurden und dass die Kiewer Streitkräfte in diesem Krieg „wahrscheinlich“ ähnlich viele Opfer zu beklagen haben. General Mark Milley geht außerdem davon aus, dass bis zu 40 000 ukrainische Zivilisten getötet wurden,nachdem sie in den Konflikt verwickelt waren.

Auf russischer Seite werden immer wieder Angehörige der ethnischen Minderheiten und Nationalitäten sowie der indigenen Völker als Kanonenfutter an die Front beordert und getötet.

 

VOICES berichtet

Kanonenfutter: Indigene werden in einem verbrecherischen Krieg verheizt

Eine Voices-Podcast von Wolfgang Mayr: Kanonenfutter, isoliert und abgedrängt, die Itilmenin Tjan Zaotschnaia über die Lage der kleinen Völker Sibiriens

 

Sebastian Hoppe von der  „Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hat sich anhand russischer Medienberichten und Quellen einen genaueren Überblick verschafft.

Die Verteilung der Gefallenen auf russischer Seite folgt den regionalen Mustern der Rekrutierung. Gleichzeitig verschweigt der Kreml seit dem Beginn der Invasion das tatsächliche Ausmaß des Krieges und die Zahl der Toten vor der Öffentlichkeit.

Schätzungen zufolge ver­zeich­neten bis April 2022 die Regionen Dagestan, Inguschetien und Nordossetien im Kau­kasus und Burjatien, Tschukotka und Tuwa im russländischen Fernen Osten die höchs­ten Verlustzahlen, berichtet Sebastian Hoppe von SWP.

Nach Angaben von Jour­nalisten der Plattform »Menschen des Bai­kals«, die offen zugängliche Daten zu gefal­lenen Soldaten ausgewertet haben, sei in den ersten drei Monaten des Krieges die Sterblichkeitsrate burjatischer Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren um 63 Prozent und die junger Männer unter 30 Jahren um 300 Prozent getiegen. Aus Moskau hingegen stamm­te keiner der ermittelten Toten.

Um die öffentliche Verbreitung der tat­sächlichen Todeszahlen in den Regionen zu unterbinden, geht die russländische Füh­rung mit Hilfe des Inlandsgeheimdiensts FSB hart gegen lokale Medien und kritische Journalistinnen und Journalisten vor. So blockierte etwa Roskomnadzor, Moskaus Zensurbehörde, bereits im April den Zu­gang zum lokalen Medienportal Ljudi Baikala, dessen Reporterinnen und Reporter zuvor über die massiv gestiegene Sterblichkeit unter jungen Männern in Burjatien berichtet hatten.

Zensur und Repression können jedoch nicht verhindern, dass sich das Unbehagen über das Solda­tensterben auf der Ebene der lokalen Öffentlichkeiten Bahn bricht, wo regelmäßig Ehefrauen die Heimkehr ihrer Männer fordern. Die Überrepräsentation ethnischer Minderheiten unter den Gefal­le­nen verstärkt in den betroffenen Bevölkerungsgruppen das Gefühl, für die Kriegsabenteuer eines imperialen Zentrums in­strumentalisiert zu werden, schreibt Sebastian Hoppe.

Im Gegensatz zu den urbanen Ballungsräumen Moskau und St. Petersburg, wo sie auf paradoxe Weise abwesend ist, lässt sich die Realität des Krieges durch die täglich stattfindenden Beerdigungen in anderen Regionen nicht vor der Öffentlichkeit verbergen.

Die von Teilen der ethnischen Minderheiten empfun­dene innerrussländische Kolonialität des Krieges hat sich etwa im Verwaltungsbezirk Kazan in vereinzelten Unmutsbekundungen in Form von T‑Shirt-Kampagnen unter dem Slogan »Ich bin nicht russisch!« (Ja ne russki!) geäußert. Auch die Massenproteste in Dagestan nach der Verkündung der Teil­mobilisierung stehen für den Widerwillen von Angehörigen ethnischer Minoritäten Russlands, als neo-imperiales Kanonen­futter in der Ukraine eingesetzt zu werden.