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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Wolfgang Mayr

Im Report 310 forderte der US-Senat 1943 die sogenannte Termination, die Auflösung der Indianer-Reservate, der Stämme, die Aufhebung des Treuhandverhältnisses zwischen Bund und Stämmen. Ein Report, formuliert ausgerechnet vom Ausschuss für Indianerangelegenheiten. Republikanische Bundesregierungen setzten autoritär zwischen 1953 und 1958 die „Auflösung“ der indianischen Welt um. Die Termination blieb bis Ende der 1960er Jahren in Kraft. Mit dramatischen Folgen für die First Nations.

Die Termination ist die Fortsetzung des „General Allotment Act“ von 1887. Nach der militärischen Unterwerfung der Ureinwohner wurden die Überlebenden in Reservate zusammengetrieben. Sie hatten den größten Teil ihres Landes bereits an die Invasoren verloren. Trotzdem, die Gelüste der weißen Landeroberer auf das vertraglich zugesicherte Land waren groß, der republikanische Senator Henry L. Dawes brachte diese Land-Gelüste ausgeklügelt zu Papier. Der Kongress genehmigte mit dem „General Allotment Act“ den legalen Raub des verbliebenen Indianer-Landes. Zwei Drittel der 1887 verbliebenen Gebiete wurden „gestohlen“.

Zwei bürokratische Dokumente, mit denen US-Regierungen sich der Zeugen der weißen Eroberung entledigen wollte. Auf den Genozid während der militärischen „Landnahme“ folgte eine Politik des Ethnozids. „Lebensraum West“, aus dem die ersten Amerikaner verschwinden sollten.

70 Jahre danach drängt Deb Haaland, Puebla, Innenministerin in der Regierung von Joe Biden, auf Wiedergutmachung. Auf die Rückgabe gestohlenen Landes. Haaland agiert nicht allein, der National Congress of Amercian Indians, der Native American Rights Funds im Auftrag vieler Reservatsregierungen und das land back-movement bewegen sich zwischen Prozessen um Landrechte und Landbesetzungen. Manche Bundesstaaten legten eigeneLandrückkauf-Programme auf, das Innenministerium trägt das Bay-Back-Program for Tribal Nations.

Letzthin gab Honeywell im Rahmen des NRDAR-Programms (Natural Resource Damage Assessment and Restoration) mehr als 1.000 Hektar angestammtes Land an die Onondagaim Bundesstaat New York zurück. Laut Indian Country Today eine der größten Landrückgaben an eine indigene Nation durch einen Staat.

Vier Jahre nach der erzielten Vereinbarung zwischen dem Natural Resource Trustees, Honeywell International, U.S. Fish and Wildlife Service und dem New York State Department of Environmental Conservation wurde das Land übertragen. Die Onondaga verpflichteten sich, das teilweise „beschädigte“ Land – Wasserableitungen, Stromproduktion, usw – zu renaturieren und das restliche unberührt gebliebene Land naturnah zu verwalten. Für Innenministerin Haaland ein Modell für das ganze Land, einerseits werden traditionelle Gebiete an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben, andererseits geht es um die regionale Umsetzung des Naturschutzprogramms America the Beautiful von Präsident Biden.

Gouverneurin Kathy Hochul nannte den Tag der Landrückgabe als historisch und als späte Anerkennung der Onondaga als die ursprünglichen Verwalter dieses Landes.

Tadodaho Sidney Hill begrüßte die Rückgabe des ehemaligen Onondaga-Landes als einen wichtigen Schritt der Heilung zwischen seiner First Nation und den Nachfahren der europäischen Einwanderer und Eindringlinge. Hill würdigte die Zusammenarbeit mit der US-Regierung und versicherte den Erhalt und Schutz des Landes.

Die Tully Valley-Region umfasst das Quellgebiet des Onondaga Creek, mehr als 45 Hektar Feucht- und Überschwemmungsgebiete sowie 980 Hektar Wald. Das zusammenhängende Waldgebiet ist Heimat vieler Wildtiere, ein Naturreservat. Die Vereinbarung erlaubt die naturnahe Bewirtschaftung und eine überschaubare touristische Nutzung.

Honeywell International verpflichtet sich, 18 Renaturierungsprojekte zu finanzieren sowie mit weiteren fünf Millionen Dollar die Wasserscheide des Onondaga Lake wieder herzustellen. Honeywell übertrug bereits 100 Hektar renaturiertes Grasland, 200 Hektar renaturierte Feuchtgebiete sowie 850 Hektar im Einzugsgebiet des Onondaga-Lakes.

Vor 70 Jahren sorgte das Bureau of Indian Affairs dafür, dass das nach Kriegen und anschließendem Landraub wiederauferstandene indian country abgewickelt wurde. 70 Jahre danach bekennt sich das für das BIA verantwortliche Innenministerium ausdrücklich zu seiner Verpflichtung gegenüber den tribal nations. Der Fall der Onondaga ist ein Beispiel dafür. Ein weiteres könnte die Prairie Band Potawatomi Nation südwestlich von Chicago werden. Vor mehr als 150 Jahren wurden die Potawatomi aus ihrer Heimat im heutigen Illinois verjagt.

Sie sollen jetzt wieder einen Teil ihres Landes zurückerhalten, das sieht ein im US-Kongress aufliegender Gesetzentwurf vor. Die Potawatomi sollen laut den demokratischen Einbringern die Möglichkeit erhalten, mehr als 1.100 Hektar Land in der Nähe des Shabbona State Park60 Meilen südwestlich von Chicago zu erwerben. Land, das die US-Regierung 1849 an weiße Siedler verschenkte.

Der Vorsitzende der Potawatomi, Joseph Rupnik, hofft auf die Annahme des Gesetzentwurfes. Seit ihrer Vertreibung versuchen die Potawatomi die Geschichte des Landraubs zurückzudrehen. Rupnick ist ein direkter Nachkomme von Shab-eh-nay, der sich 1849 erfolglos gegen den Landraub gewehrt hatte.

An das Gesetz ist eine Entschädigungszahlung für den Landraub in der Höhe von 10 Millionen Dollar gekoppelt. Während die Onondaga ihr Land zurückerhalten, erhält die Prairie Band Potawatomi Bundesgelder, um Land zurückzukaufen. Die Potawatomi und ihr Land. Ein Paradebeispiel der US-amerikanischen Kolonialisierung des sogenannten Westens. 1829 trat der Stamm fünf Millionen Morgen Land an die Bundesregierung ab, erhielt im Gegenzug zwei Parzellen in der Größe von 1.280 Hektar.

1849 besuchte Shab-eh-nay seine Verwandten in Kansas. Seine Abwesenheit nutzte die US-Regierung für die Versteigerung des Landes an landhungrige Siedler. Als Shab-eh-nay nach Hause zurückkehrte, war sein Land von weißen Siedlern besetzt worden.

Shab-eh-nay kämpfte erfolglos für die Rückgabe des gestohlenen Landes, Generationen seiner Nachkommen setzten seine Bemühungen fort. 2001 entschied das US-Innenministerium, dass die Prairie Band Potawatomi Nation einen legitimen Anspruch auf das Land hat. 21 Jahre später wollen nun die beiden demokratische Kongress-Abgeordneten Jesus Garcia und Lauren Underwood in Absprache mit den Potawatomi den legitimen Anspruch umsetzen. Mit den zehn Millionen Dollar sollen mehr als 1.000 Hektar angekauft werden. 130 Hektar bilden derzeit das Herz der „Band“.

Im County DeKalb, in dem Prairie Band Potawatomi Nation siedelt, gibt es aber auch Widerstand.  Der County-Rat lehnte mit knapper Mehrheit eine Unterstützung der Potowatomi ab. „Es liegt nun am Kongress, dies zu korrigieren“, hofft Rupnick auf die Zustimmung zum Gesetzesentwurfes.

In Teil 2 der Serie „Vom Allotment Act zur Temination – Die Fortsetzung der ´Indianer-Kriege` mit bürokratischen Mitteln“ stellt Voices den General Allotment Act vor.