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Von Wolfgang Mayr

Der Journalist Deusdedit Ruhangariyo aus Uganda fasste unter dem Stichwort Global Indigenous News für Indian Country Today Nachrichten zum Thema Klimawandel und indigene Völker zusammen. Ruhangariyo schreibt nicht um den heißen Brei herum, einige drastische Beispiele, im Klartext.

KANADA: Hohe Konzentrationen krebserregender Chemikalien

Die Aamjiwnaang haben Alarm geschlagen. In ihrem Siedlungsgebiet soll die Konzentrationen krebserregenden Chemikalien (Benzol, Schwefeldioxid) in der Luft 44-mal höher sein als der Grenzwert es erlaubt, berichtete Global News.

Die in Ontario ansässige Aamjiwnaang-Nation ist von petrochemischen Anlagen umgeben. Die Daten belegen es nun, die „Chemical Valley“-Anlage setzt potenziell gefährliche Chemikalien frei. Die Daten wurden lange geheim gehalten. Erst auf Nachfrage von Global News veröffentlichte das Umweltministerium die Studie.

Janelle Nahmabin, bekannt als Red Cloud Woman und Vorsitzende des Umweltausschusses der Aamjiwnaang, wirft den Behörden vor, weiterhin am Konzept des Kolonialismus festzuhalten. Die zuständigen Behörden kümmern sich nicht um ihre „Schutzbefohlenen“, kritisiert Nahmabin.

„Wenn wir einen Minister nicht dazu bringen können, unsere Briefe zu beantworten, sagt das alles aus über das Engagement der Regierung,“ ergänzt Sharilyn Johnston, Aamjiwnaangs Umweltkoordinatorin, im Gespräch mit Global News.

PERU: Indigene Proteste gegen staatliche Ölpipeline

In der Amazonasregion Loreto protestieren Angehörige der Saramuro gegen eine leckende Ölpipeline. Diese verschmutzt den Regenwald, die Gewässer, werfen die Saramuro der staatlichen Ölgesellschaft Petroperu vor, weiß Reuters zu berichten.

Nach den heftigen Protesten evakuierte Petroperu Arbeiter aus der Region. Die Ölgesellschaft forderte die Saramuro-Völker auf, statt zu protestieren und zu demonstrieren das Gespräch zu suchen. Die Saramuro, die seit vier Jahrzehnten gegen die Pipeline kämpfen, stellten dem Konzert ein Ultimatum – schließt die Ölanlage. Die 685 Meilen lange Ölpipeline wurde seit ihrer Inbetriebnahme Dutzende Male angegriffen.

GUATEMALA: 60 indigene Minengegner festgenommen

Die Sicherheitskräfte schützen nicht die BürgerInnen, sondern die Interessen eines Konzerns. Bei den jüngsten Protesten gegen eine Nickelmine im Osten des Landes verhaftete die Polizei 60 indigene Minengegner, informierte Mongabay.com .

Die von der Mine betroffenen Maya sagen, dass sie nie über die Mine und ihre Auswirkungen auf Land und Leute konsultiert wurden. Sie befürchten, dass der Abbau von Nickel den benachbarten See – das Wasserreservoir der Region – gründlich verschmutzen könnte.

Wegen der Proteste verhängte die Regierung kurzerhand einen ,30-tägigen Ausnahmezustand, mit gehörendem Kriegsrecht.

Seit einem halben Jahrhundert wehren sich die Anrainer gegen die Nickelmine Fenix, einst im Besitz einer Tochtergesellschaft des kanadischen Bergbauunternehmens Inco.

Die Maya Q’eqchi‘-Bewohner wurden nie konsultiert und befragt. Sie wurden stattdessen – und das auch noch gerichtlich angeordnet – von den Konsultationen ausgeschlossen.

SCHOTTLAND: Indigene Klimaaktivisten verurteilen COP26-Deal

Indigene KlimaaktivistInnen kritisierten das in Glasgow „erzielte“ Klimaschutzabkommen. Mit dem sogenannten COP26-Deal opfern die Staats- und Regierungschefs die indigenenGemeinschaften den Unternehmensgewinnen. Maßnahmen zum Schutz des Klimas werden deshalb aufgeschoben, zitierte The Guardian indigene AktivistInnen.

Sie befürchten noch mehr Landraub, zunehmende Wasserknappheit und noch mehr Menschenrechtsverletzungen. Als ein großes Problem empfinden die VertreterInnen indigener Völker den globalen Emissionshandelsmarkt. Statt Emissionen zu senken, werden sie nur ausgeglichen, ein- und umgetauscht, kommentierten die indigenen Beobachter in Glasgow das Konferenz-Ergebnis. Sie erinnern daran, dass auch die „grünen“Energieprojekte wie Wasserkraftwerke die   Umwelt stark beeinträchtigen und auch zerstören.

Ernüchternder Fakts ist, die weltweiten Emissionen sind seit der Einführung von Emissionsgutschriften im Rahmen des freiwilligen Kyoto-Protokolls im Jahr 1997 weiter gestiegen.

KANADA: Regierung verzögert Reaktion auf UN-Kritik

Die kanadische Regierung hat in der gesetzten Frist nicht auf die Kritik des UN-Anti-Rassismus-Ausschusses reagiert. Laut Thetyee.ca ist die kanadische Stellungnahme erst im nächsten Jahr zu erwarten.

Der UN-Ausschuss forderte die kanadische Regierung auf, von indigenen Nationen abgelehnte Erschließungsprojekte sofort einzustellen. Der Ausschuss zitierte als Beispiele den C-Damm, die Trans Mountain-Pipeline und die Coastal Gas-Link-Pipeline, bei denen keine freie, vorherige und informierte Zustimmung der First Nations eingeholt wurde. Kanada sollte eine rechtliche und institutionell abgesicherte und angemessene Konsultation garantieren.

Deusdedit Ruhangariyo ist ein preisgekrönter Journalist, Stipendiat der Humphrey Fellow Alumnus an der Cronkite School of Journalism and Mass Communication der Arizona State University.