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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Jan Diedrichsen

Im Alter von 17 Jahren hatte Zlata Ristic bereits einen Mann und ein Kind. Im Jahr 2020, im Alter von 26 Jahren, stand sie auf der Hauptbühne der Royal Festival Hall in London und rappte gegen Kinderheirat.

Ristic erklärt dem Online Magazin „Balkan Insight“, es sei ein Fehler gewesen, so jung zu heiraten. Jetzt kämpft sie als Mitglied der 12-köpfigen Roma-Mädchenband „Pretty Loud“ mit ihren Liedern gegen die Praxis, dass Roma-Minderjährige zur Heirat gezwungen werden, und singt über die Bedeutung von Bildung.

„Ich habe geheiratet und ein Kind bekommen, als ich 17 war“, sagte Ristic. „Niemand hat mich dazu gezwungen. Es war meine eigene Entscheidung, aber ich habe einen Fehler gemacht. Deshalb wollen wir andere junge Mädchen ermutigen, sich nicht von ihren Eltern verheiraten zu lassen, wenn sie das nicht wollen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass sie eine neue Lebensperspektive bekommen.“

Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich durchschnittlich neun von zehn jungen Roma-Frauen in den westlichen Balkanländern weder in der Ausbildung noch in einem Beschäftigungsverhältnis oder einer Schulung.

Zwei Drittel verfügen nicht über ihr eigenes Geld. In Serbien befindet sich jedes sechste Roma-Kind im schulpflichtigen Alter außerhalb des Bildungssystems, während laut einer UNICEF-Studie von 2019 16 Prozent der Roma-Mädchen heiraten, bevor sie 15 Jahre alt sind. Etwas mehr als die Hälfte sind bis zum Alter von 18 Jahren verheiratet, verglichen mit sechs Prozent der weiblichen Nicht-Roma-Bevölkerung in Serbien. In den westlichen Balkanländern liegt Serbien bei der Kinderheiratsrate an zweiter Stelle, nur noch hinter Albanien.

Kinderheiraten unter Roma haben ihre Wurzeln in der Armut und, laut einer Studie der Weltbank von 2019, in der Forderung, dass die Braut Jungfrau sein muss. Häufig wird dadurch die Schulbildung der Mädchen unterbrochen.

Pretty Loud versucht, dieser Situation mit Liedern zu begegnen, die traditionelle Roma-Musik und modernen Rap mischen und auf Roma, Serbisch und Englisch gesungen werden.

Die Bandmitglieder im Alter zwischen 14 und 27 Jahren lassen sich nach eigenen Angaben von ihren eigenen Erfahrungen und denen ihrer Mitmenschen inspirieren.