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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von محمدحسین حیدری - http://www.sajed.ir/pe/components/com_joomgallery/img_originals/_9/Razmandegan-012.jpg, GFDL,

Von Jan Diedrichsen

Die Staatsanwaltschaft in Stockholm hat gegen eine 49-jährige Frau Anklage wegen schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen das Völkerrecht erhoben. Die Frau befindet sich seit September 2021 in U-Haft und wird verdächtigt, ein Kind  – ihr eigenes – als Kindersoldat eingesetzt zu haben.

Die Frau wuchs in Vallås in Halmstad, in der schwedischen Provinz Halland auf, zog aber 2013 mit ihren Kindern und deren Vater nach Syrien, um sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anzuschließen.

Die Frau wird beschuldigt, ihren im Mai 2001 geborenen Sohn im April 2013 als Vormund und Elternteil nach Syrien gebracht zu haben. Sie wird verdächtigt, dafür gesorgt zu haben, dass ihr Sohn zwischen dem 1. August 2013 und dem 27. Mai 2016, als er 15 Jahre alt wurde, in Syrien rekrutiert und wiederholt als Kindersoldat eingesetzt zu haben. Dabei soll er mehrmals an Kampfhandlungen teilgenommen haben, die von bewaffneten Gruppen, einschließlich der Terrororganisation IS, geführt wurden.

Dies ist die erste Strafverfolgung in Schweden wegen eines Kriegsverbrechens durch den Einsatz eines Kindersoldaten.

„Die Ermittlungen belegen, dass der Sohn während der Zeit, in der er zu Hause lebte, für die Teilnahme an Kampfhandlungen gedrillt und ausgebildet wurde, dass ihm militärische Ausrüstung und Waffen zur Verfügung gestellt wurden und dass er im direkten Kampf und zu Propagandazwecken sowie für andere Aufgaben, die Teil der Kriegsführung waren, eingesetzt wurde“, sagt Kammerstaatsanwältin Reena Devgun.

Söhne starben in Syrien

Die Frau kam im Dezember 2020 nach Schweden zurück.  Die Kinder, die sie nach Schweden zurückgebracht hat, wurden von der Sozialbehörde in Halmstad zwangsweise in Gewahrsam genommen. Zwei der Söhne der Frau, die in Halmstad geboren wurden, sollen im Alter von 16 und 18 Jahren in Syrien gestorben sein.

 

Definition – Kindersoldaten sind:

»… alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden.«

Definition nach den Pariser Prinzipien (2007), unterzeichnet von 105 Staaten, darunter Deutschland

 

Terrre des hommes kennt die tragischen Fakten:

250.000 Kindern und Jugendlichen werden weltweit in mindestens 16 Ländern als Soldaten rekrutiert, die meisten davon im Nahen Osten, Afrika und Asien.

  • – In Syrien werden Tausende von Kindern als Soldaten missbraucht, vom Islamischen Staat, von der Freien Syrischen Armee sowie kurdischen und Pro-Assad-Gruppen.
  • – In Kolumbien wurden im Jahr 2017 in Folge des Ende 2016 unterzeichneten Friedensvertrages 7000 Kämpfer der FARC entwaffnet und demobilisiert, darunter etwa 2000 Minderjährige. Davon kehrten 300 in ihre Familien zurück. Bei anderen bewaffneten Guerilla-Gruppen wie der ELN oder der EPL und bei paramilitärischen Gruppen und kriminellen Banden gibt es weiter in großem Maße minderjährige Soldaten.
  • – Mehr als 8000 Kinder, darunter viele Mädchen, wurden in Nigeria seit 2009 von Boko Haram rekrutiert und zum Teil gezwungen, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen. Auch die gegen Boko Haram kämpfenden Bürgerwehren rekrutierten hunderte Kinder.
  • – In Myanmar (Burma) gibt es weiter Tausende oder möglicherweise Zehntausende von Kindersoldaten, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die Fälle von Rekrutierungen in die staatliche Armee sind nach der Unterzeichnung eines UN-Aktionsplanes in 2012 zurückgegangen. Bewaffnete Oppositionsgruppen wie die Kachin Independent Army KIA setzen in großem Maße Minderjährige als Soldaten ein.
  • – In Indien rekrutieren zahlreiche bewaffnete Oppositionsgruppen Kinder, z.B. die Naxaliten und viele Gruppen in Nordostindien, und auch bei der staatlichen Armee werden immer wieder Fälle von Rekrutierungen und illegalen Inhaftierungen von Minderjährigen dokumentiert. terre des hommes hat dazu eine Studie erstellt.
  • – Auch in der DR Kongo, Sudan, Südsudan, Mali, Zentralafrikanische Republik, Somalia, Libyen, Jemen, Syrien, Irak, Israel / Palästina, Libanon, Afghanistan und den Philippinen werden Minderjährige als Soldaten rekrutiert und ausgebeutet.